Mit Geldanlagen die Welt verändern?

Das Schwerpunktthema für März 2017

von Christian Schmitt am 12/21/2016 - 05:00  

Auf rund 4.000 Milliarden Euro summiert sich das Nettovermögen der deutschen Sparer – eine Macht, die buchstäblich die Welt verändern könnte. Wer bei der Auswahl der richtigen Geldanlage neben Ertrag, Liquidität und Sicherheiten auch ethische Maßstäbe im Blick hat, kann dazu beitragen, den Waffenproduzenten, Umweltsündern und Ausbeutern die Grundlage ihrer Existenz zu entziehen. Das haben seit der Finanzkrise immer mehr Menschen erkannt, und so erleben nachhaltige Geldanlagen eine bis dato nie gekannte Nachfrage.

Wir möchten Pfarrbriefredaktionen einladen, über die Ideen und Möglichkeiten ethisch-nachhaltiger Anlageformen zu berichten und vielleicht sogar eine Ausgabe des Pfarrbriefs unter dieses Thema zu stellen. Unterstützt werden Sie hierbei durch die angebotenen Texte und Bilder, sowie durch Linktipps und Anregungen, das Thema vor Ort (be-)greifbar zu machen. Der Leitartikel „Mit ethischen Geldanlagen die Welt verändern? – Ein Überblick“ kann als Leitfaden durch das Thema und die angebotenen Materialien dienen.

    Bilder
    von

    Klaus Jäkel

    im Rausch
    des Wohlstands wie bei Pleiten
    – überall und zu allen Zeiten
    macht sich das Geld
    bei Arm und Reich – zugleich
    – auch meistens nicht vergebens
    zu einem Mittelpunkt des Lebens
    – der eine sucht´s, weil er es muss

    Ein Überblick

    von

    Christian Schmitt

    Alleine die deutschen Sparer verfügten im Jahr 2016 über ein Vermögen von 4.000.000.000.000 (4 Billionen) Euro. Dieses ist angelegt z.B. in Form von Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Staatsanleihen, Tagesgeld und Bankkonten. Es bildet sozusagen den Kapital-Grundstock, mit dem letztlich Staat und Wirtschaft arbeiten und funktionieren. Was wäre, wenn die Kapitaleigner grundsätzlich mitbestimmen über die Art und Weise, wie und wofür ihr Geld arbeitet?

    Interview mit Dr. Helge Wulsdorf, Experte für Nachhaltige Geldanlagen

    von

    Christian Schmitt

    Dr. Helge Wulsdorf ist Leiter „Nachhaltige Geldanlagen“ bei der Bank für Kirche und Caritas eG mit Sitz in Paderborn. An der Orientierungshilfe „Ethisch-nachhaltig investieren“ der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) hat der Diplom-Theologe maßgeblich mitgewirkt.

    Erfolg als Handlungsmaßstab?

    von

    Prof. Dr. Alois Halbmayr

    Ethikbezogenes Investment hat derzeit einen Marktanteil von 0,7%. Da drängt sich unweigerlich die Frage nach seinen Einfluss- und Wirkungsmöglichkeiten auf. Ist das nicht bloß der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, ein Placebo, das der Beruhigung des Gewissens dient? Solche Anfragen sind berechtigt. Andererseits lehrt jedoch die Erfahrung, die auch von der biblischen Überlieferung immer wieder in Erinnerung gerufen wird: Beschränkte Einflussmöglichkeit und geringe Wirksamkeit oder sogar Aussichtslosigkeit sind kein Argument, etwas nicht zu tun.

    von

    Wikipedia

    Es gibt bis heute noch keinen allgemein anerkannten Kriterienkatalog zur ethischen Bewertung von Unternehmen. Einen Ansatz dazu bietet der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden, welcher im Jahre 1997 in Zusammenarbeit von Ökonomen, Philosophen, Ethikern und Theologen entstand.

    Rolle einer Bank bei ethisch-nachhaltigen Finanzentscheidungen

    von

    Silke Stremlau

    Jeder Sparer, jeder Investor trifft bei Anlageentscheidungen Aussagen über die Zukunft. Je nach Anlageart und Anlagehorizont schaut der eine sehr weit nach vorne, während andere nur kürzere Perioden beobachten. Die heutigen Zeiten, geprägt von Niedrig- und Negativzinsen, führen bei vielen Anlegern dazu, große Gelder auf dem Tagesgeldkonto zu horten. Die Verzweiflung ob der niedrigen Zinsen und der damit einhergehenden laufenden Entwertung der Sparreserven und Altersbezüge scheint zurzeit viele Menschen zu tangieren. Das betrifft nicht nur Banker, sondern wirklich jeden, der sich um sein Geld ein wenig Gedanken macht.

    Interview mit Jürgen Knieps, Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank

    von

    Christian Schmitt

    Jürgen Knieps ist seit 2003 Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank. Seine Bank setzt ihre Gewinne ausschließlich für die weltweiten Hilfsprojekte der Steyler Missionare ein. Im Interview mit Pfarrbriefservice.de führt er aus, wie seine Bank Nachhaltigkeit begreift und was das für die tägliche Geschäftspraxis konkret bedeutet.

    von

    Pater Norbert Cuypers SVD

    „Über Geld redet man nicht – das hat man!“ – so hört man Menschen im Alltag sagen. Tatsächlich sprechen Menschen nicht gerne über ihr Gehalt, über ihre Ersparnisse oder ihre finanzielle Situation. Umso erstaunlicher daher, wie oft die Bibel über Geld und Besitz spricht und konkrete Hilfen im Umgang damit anbietet. Wohlstand und Reichtum werden bereits im Alten Testament sehr wohl als ein Segen Gottes angesehen, über den der Mensch sich freuen darf. Immer vorausgesetzt allerdings, dass der Reichtum nicht auf ungerechte Weise und auf Kosten anderer zustande kam und den Blick für die Armen im Land nicht verstellt.

    Kurzporträt

    von

    Pax-Bank

    Die Pax-Bank eG in Köln versteht sich als Partner für kirchliche und karitative Einrichtungen und bietet Finanzdienstleistungen für Menschen, denen christliche Werte wichtig sind. Gegründet wurde die Pax-Bank eG 1917 als genossenschaftliche Selbsthilfeeinrichtung für Priester.

    Kurzporträt

    von

    Steyler Ethik Bank

    Die Steyler Ethik Bank wurde 1964 vom Steyler Missionsorden in Sankt Augustin bei Bonn gegründet. Sie bietet das gesamte Spektrum eines modernen Finanzdienstleisters an: vom Girokonto bis zur Vermögensverwaltung.

    Kurzporträt

    von

    Bank für Kirche und Caritas / cs

    Die Bank für Kirche und Caritas eG mit Sitz in Paderborn betreut bundesweit katholische Einrichtungen und die dort tätigen Menschen. Zu ihren Kunden zählen u.a.

    Vermögen mehren im franziskanischen Geist

    von

    Zu hören, dass sich Franziskaner mit dem Thema Geld auseinandersetzen, mag auf den ersten Blick verwundern. Hatte nicht der hl. Franziskus von Assisi seinen Brüdern aufgetragen, kein Geld anzufassen?

    Bei Oikocredit Geld anlegen und etwas bewegen

    von

    Karin Günther / Oikocredit

    Maria Riofrió aus Malacatos im Hochland von Ecuador konnte sich dank Kleinkrediten ihren Lebenstraum erfüllen – Schneiderin sein und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie machte sich selbständig und eröffnete in dem Haus der Familie eine kleine Schneiderei. Doch ihre Nähmaschine erhitzte sich schnell und war für einige Arbeiten nicht geeignet. Mithilfe eines Kredites der Mikrofinanzorganisation FACES / Oikocredit erwarb die Schneiderin eine Industrienähmaschine.

    Eine Frage der Glaubwürdigkeit und Zukunftsverantwortung kirchlicher Investoren

    von

    Julia Seeberg

    Von Bedeutung für die kirchliche Glaubwürdigkeit sind neben der Transparenz aber auch die Ziele und Kriterien, nach denen kirchliche Gelder am Kapitalmarkt investiert werden. Die Geldanlagen sollten sich im Einklang mit christlichen Werten und dem Verkündigungsauftrag der Kirche befinden. Das ethisch-nachhaltige Investment bietet die Möglichkeit, soziale, ökologische und ethische Kriterien bei der Geldanlage am Kapitalmarkt zu berücksichtigen.

    Interview mit Sebastian Mann, Finanzberater

    von

    Christian Schmitt

    Sebastian Mann ist gelernter Investment Fachwirt & Stiftungsberater und widmet sich heute, nach Stationen in der Vermögensverwaltung und bei Investmentgesellschaften, der Beratung von „ganz normalen Menschen“, wie er sich selbst ausdrückt. Die Themen Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung seien ihm dabei sehr wichtig. Er möchte in erster Linie Ratgeber sein auf dem Markt der nachhaltig-ethischen Geldanlagen.

    Kurzporträt

    von

    BIB / cs

    Schon seit ihrer Gründung im Jahr 1966 hat die Bank im Bistum Essen (BIB) ihr Geschäftshandeln an Prinzipien orientiert, die heute unter dem Nachhaltigkeitsgedanken bekannt sind: eine werteorientierte und nachhaltige Unternehmensführung bedeutet ökonomischen Erfolg und zugleich die Wahrnehmung so

    von

    P. Stephan Ottenbreit OFM

    Die Auseinandersetzung mit dem Thema Geld ist den Franziskanern durchaus nichts Fremdes. Schon der heilige Antonius von Padua (bzw. von Lissabon), ein Zeitgenosse Franziskus’, wirkte in dieser Hinsicht. Er zog durch die Lombardei und das heutige Südfrankreich.

    Kurzporträt

    von

    Zu hören, dass sich Franziskaner mit dem Thema Geld auseinandersetzen, mag auf den ersten Blick verwundern. Hatte nicht der hl. Franziskus von Assisi seinen Brüdern aufgetragen, kein Geld anzufassen?

    Ein Überblick

    von

    Christian Schmitt

    Banken spielen bei der Vermittlung zwischen Kapitaleignern („Sparer“) und den Kreditnehmern eine Schlüsselrolle. Ihre traditionelle Aufgabe besteht darin zu prüfen, ob Kreditnehmer kreditwürdig, d.h.

    Das neue Zahlungskontengesetz (ZKG) macht es möglich

    von

    Christian Schmitt

    Wer sich mit dem Gedanken trägt, zu einer ethisch-nachhaltigen Bank zu wechseln, scheut vielleicht den hohen bürokratischen Aufwand, der mit einem Umzug der Konten normalerweise verbunden ist. Seit 18. September 2016 ist ein Kontowechsel in Deutschland einfacher geworden, da die EU-Zahlungskontenrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt wurde. Dazu gehört eine neue Regelung, wonach Banken dazu verpflichtet sind, ihre Kunden beim Bankwechsel aktiv zu unterstützen.

    Berühr die Welt

    Mit der Artikelserie „Berühr die Welt“ lässt die EthikBank ihre Kunden und Projektpartner zu Wort kommen. Die persönlichen Geschichten und Erfahrungsberichte machen die Wirkung ethisch-nachhaltigen Engagements für Leserinnen und Leser (be-)greifbar. Ähnlich könnten Sie Menschen aus Ihrer Gemeinde zu Wort kommen lassen, die ein ökologisches/soziales/kulturelles/nachhaltiges Projekt leiten oder daran mitwirken. Das kann zum Beispiel der Betreiber einer Windkraftanlage sein. Oder die Initiatorin eines alternativen, generationenübergreifenden Wohnprojekts. Oder ein Landwirt, der neue Wege bei der Bewirtschaftung seines Betriebs geht. Wichtig ist hier jeweils der Bezug zu ethisch-nachhaltigem Investment, das heißt die Projekte sollten mit der finanziellen Unterstützung alternativer Banken oder Kreditgenossenschaften ermöglicht worden sein. Als journalistische Stilformen eignen sich dafür sowohl das Interview wie die Reportage.

    Wie legt die örtliche Kirchenverwaltung Gelder an?

    Die Kirchenverwaltung in Ihrer Gemeinde investiert die kirchlichen Geldvermögen bereits seit vielen Jahren ethisch-nachhaltig? Eine gute Nachricht, die Sie unbedingt im Pfarrbrief aufgreifen sollten – zum Beispiel in Form eines Interviews mit Ihrem Kirchenpfleger. Beispiele für Fragen, die Sie stellen könnten:

    • Welche Projekte werden mit den Geldern aus unserer Kirchengemeinde unterstützt?
    • Haben Sie Bedenken hinsichtlich Rendite und Sicherheit der angelegten Gelder?
    • Mit welchen Banken und/oder  externen Beratern arbeiten Sie zusammen?
    • Wie sind Ihre Erfahrungen: erhalten Sie von den Banken kompetente Unterstützung im Bereich alternativer Geldanlagen?

    Filmtipps des Kath. Filmwerks zum Thema „Ethische Geldanlagen“

    Film-Tipp: Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen

    Was, wenn es die Formel gäbe, die Welt zu retten? Was, wenn jeder von uns dazu beitragen könnte? Als die Schauspielerin Mélanie Laurent (Inglourious Basterds , Beginners) und der französische Aktivist Cyril Dion in der Zeitschrift Nature eine Studie lesen, die den wahrscheinlichen Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren voraussagt, wollen sie sich mit diesem Horror-Szenario nicht abfinden. Schnell ist ihnen jedoch klar, dass die bestehenden Ansätze nicht ausreichen, um einen breiten Teil der Bevölkerung zu inspirieren und zum Handeln zu bewegen. Also machen sich die beiden auf den Weg. Sie sprechen mit Experten und besuchen weltweit Projekte und Initiativen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Was sie finden, sind Antworten auf die dringendsten Fragen unserer Zeit. Und die Gewissheit, dass es eine andere Geschichte für unsere Zukunft geben kann.

    Frankreich, 2015,
    117 Minuten
    Ein Film von Cyril Dion, Melanie Laurent
    empfohlen ab 13 Jahren, FSK 0

    Erhältlich ist die DVD des Films unter www.filmwerk.de oder in Ihrer Medienzentrale.

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