Spaltung in der Gesellschaft?

Das Schwerpunktthema für Januar 2022

von Ronja Goj am 10/04/2021 - 06:00  

Es ist dieses Gefühl, dieses Gefühl, dass es eine Spaltung in der Gesellschaft gibt. Dass Meinungen, Einstellungen, Standpunkte immer extremer, immer polarisierender werden. Dass Debatten und Diskussionen immer eskalativer werden. Dass sich Gräben auftun zwischen den Menschen, die immer unüberwindbarer und unversöhnlicher scheinen. Dass es ein Schwarz-Weiß-Denken gibt. Eine Tendenz zum „Meine Meinung ist besser“, „Ich habe Recht“, „Du bist falsch“.

Ist es nur ein Bauchgefühl? Ein konstruiertes Problem von Soziologen? Erstmals hat die Uni Münster in einer Studie empirisch belegt: Ja, es gibt eine Spaltung in der Gesellschaft. Eine internationale Bevölkerungsumfrage des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ ergab, dass es eine identitätspolitische Spaltung europäischer Gesellschaften in zwei verfestigte Lager von substantieller Größe gibt, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Doch, woran liegt es? Diese Lagerbildung. Das Ja-Nein, das Schwarz-Weiß-Denken, das Beharren auf dem eigenen Standpunkt? Das Emotionalisieren, die Aggression? 
An der Pandemie? An den Sozialen Medien, die durch Like und Dislike nur Raum für Ja und Nein, Schwarz und Weiß bieten. Keinen Raum für Schattierungen lassen, für ein Vielleicht? 

Auf der einen Seite scheint die Gesellschaft offener und toleranter zu sein, als je zuvor. Scheint der Einzelne freier und unbestimmter leben zu können. Scheint alles möglich. Auf der anderen Seite scheint die Basis, das Gespräch, die Diskussion, die Grundlage für eine funktionierende Demokratie verloren gegangen zu sein.
Doch, wie gelingt es, diese Spaltung zu überwinden? Eine neue Diskussionskultur zu etablieren? Ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander zu leben?

Dieses Schwerpunktthema bietet vielfältige Bilder zu den Themen Risse in der Gesellschaft, Streit, Versöhnung, Miteinander, Zueinander. Unterschiedliche Texte, die nach möglichen Gründen für die Spaltung in der Gesellschaft suchen. Die aber auch Impulse und Inspirationen geben, wie es gelingen kann, Brücken zu bauen, aufeinander zuzugehen und miteinander zu leben. Und praktische Tipps, Methoden und Spiele, bei denen jeder Einzelne üben kann Spaltungen zu überwinden.  

Hinweis: Einige Materialien werden noch nachgeliefert.

    Bilder

    — und Spaltungen

    von

    Klaus Jäkel

    sind es,
    die in unserer lokal und global
    - zunehmend pluraler werdenden
    Gesellschaft von heute

    Über die Rolle von Religionen

    von

    Thomas Kuller, aus „Gib Fr!eden, Grundlagen Praxistipps, Fastenaktion 2020“

    In der öffentlichen Wahrnehmung wird Religion häufig und zu einseitig als Ursache für Gewalt und Krieg gesehen. Ihre ungeheure friedensfördernde Kraft hingegen wird unterschätzt. Was gilt, ist: Im Kontext von Gewaltkonflikten kann Religion ambivalent wirken.

    Oder wie man im Social-Media-Zeitalter noch Meinungsbildung und Wahlfreiheit retten kann

    von

    KLJB, Werkbrief für die Landjugend, Demokratie und Jugendbeteiligung, Was wir zu sagen haben

    Die neue Qualität von Fake News

    von

    KLJB, Werkbrief für die Landjugend, Demokratie und Jugendbeteiligung, Was wir zu sagen haben

    Neben Echoeffekten können im Netz Social Bots problematisch werden. Bot ist die Abkürzung von Robot und bezeichnet Programme, die im Netz bestimmte Aufgaben automatisieren, zum Beispiel Suchmaschinen betreiben, Daten für Werbung sammeln, Spam verbreiten.

    von

    Christian Schmitt

    Die Entfremdung voneinander zieht sich durch alle Schichten und fast sämtliche Generationen. Menschen hören sich nicht mehr richtig zu, brüllen aufeinander ein. Keiner fühlt sich mehr verstanden.

    Interview mit Konstantin Bischoff, Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Weges

    von

    Gabriele Wenng-Debert, Quelle: impulse. Magazin der Pfarrei St. Johann Baptist Gröbenzell, Sommer 2021

    Katholische Kirche und Demokratie – das scheint von Grund auf ein Widerspruch zu sein.

    von

    MISEREOR/BDKJ Jugendaktion

    Dort, wo Menschen zusammenleben oder arbeiten, wird es immer zu Reibereien kommen. Wir sind alle verschieden und das ist auch gut so! Jeder hat persönliche Einstellungen, Werte und Ideen von dem was richtig und was falsch ist.

    von

    MISEREOR/BDKJ Jugendaktion

    Es ist gut und normal, verschieden zu sein, aber daraus können Streitigkeiten entstehen, die es friedvoll zu lösen gilt. 

    von

    Peter Schott

    Verschärft wird
    die Kontaktsperre
    für …

    … Grübeleien

    … Fake News

    … Beleidigungen

    … Verschwörungen

    … gewalttätige Demos

    Ab sofort –
    am besten
    für immer.

    Peter Schott, In: Pfarrbriefservice.de

    Was Corona schafft

    von

    Peter Schott

    Was noch niemand
    in der Geschichte
    der Menschheit
    geschafft hat,
    schafft Corona:

    Christen, Juden
    und Moslems
    desinfizieren
    gemeinsam
    die Stadt Jerusalem.

    Gebet

    von

    Unbekannt

    Herr, mach mich
    zu einem Werkzeug deines Friedens,

    dass ich liebe,
    wo man hasst;

    dass ich verzeihe,
    wo man beleidigt;

    dass ich verbinde,
    wo Streit ist;

    dass ich die Wahrheit sage,
    wo Irrtum ist;

    wo Menschen einander gut sind

    von

    Gisela Baltes, www.impulstexte.de

    Der Himmel ist dort,
     
    wo Menschen einander gut sind,
    wo Menschen miteinander reden,
    wo Menschen füreinander sorgen,
     
    wo Hungernde Nahrung erhalten,
    wo Kranke besucht werden,
    wo Traurige getröstet werden,
     

    von

    Gisela Baltes, www.impulstexte.de

    Zwei haben Streit.
    Einer von ihnen
    spricht das versöhnende Wort.
     
    Eine hat Kummer.
    Eine andere kommt
    und spricht ein tröstendes Wort.
     
    Ich habe dir Unrecht getan.
    Es tut mir leid.
    Da sprichst du das vergebende Wort.
     

    von

    Theresia Bongarth

    Worte sind sehr schnell gesprochen
    und haben manches Herz gebrochen.
    Ein Mittel, um den Bruch zu binden,
    ist aber meistens schwer zu finden.

    Theresia Bongarth, In: Pfarrbriefservice.de

    von

    Irmela Mies-Suermann

    Wie ist die Welt so zerstritten, mein Gott,
    zerstritten sind Völker und Rassen,
    zerstritten Familien und Nachbarn,
    zerstritten sind Religionen und Kirchen.
    Und auch wir selbst sind zerstritten,
    sind uneins in all unserem Denken und Wollen,

    Filmtipp des Katholischen Filmwerks

    Kiriku und die Männer und die Frauen

    Animation, Frankreich, 2012, 85 Minuten
    Ein Film von Michel Ocelot
    Produktion: Les Armateurs/Mac Guff Ligne/France 3 Cinéma/Studio O
    empfohlen ab 6 Jahren, FSK 0

    Dritter Animationsfilm um den dunkelhäutigen Däumling Kiriku, der mit Herz und Verstand den Bewohnern eines idealtypischen afrikanischen Dorfs ein ums andere Mal aus der Patsche hilft. Farbenprächtig entfaltet der Film dabei grundlegende Lebensweisheiten und Spielregeln des sozialen Miteinanders. Die kindgerechten Geschichten handeln von der Nachsicht und Toleranz anderen gegenüber, aber auch von der Kraft gemeinsamen Musizierens und Erzählens. 

    Erhältlich ist die DVD des Films unter https://lizenzshop.filmwerk.de/shop/detail.cfm?id=2312 oder in Ihrer Medienzentrale.
     

    Filmtipp des Katholischen Filmwerks

    Eldorado

    Dokumentation, Schweiz, Deutschland, 2018, 95 Minuten
    Ein Film von Markus Imhoof
    Produktion: zero one film, Ormenis Film (CH)
    empfohlen ab 14 Jahren, FSK 6

    Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof erinnert sich angesichts der im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlinge an seine eigene Kindheit, als nach dem Krieg eine junge Italienerin aus dem ausgebombten Mailand in seiner Familie Unterschlupf fand. Der essayistische Film verbindet persönliche Reflexionen, Briefe und andere Dokumente mit bedrängenden Gegenwartsbildern sowie investigativen Recherchen, die dem zynischen Kreislauf der Ausbeutung illegaler Migranten auf die Spur kommen. Durch den unmittelbaren emotionalen Zugang verdichtet sich der Film zum eindringlichen, zutiefst humanistischen Appell an die Verantwortung der Menschen füreinander.

    Erhältlich ist die DVD des Films unter https://lizenzshop.filmwerk.de/shop/detail.cfm?id=2812 oder in Ihrer Medienzentrale.

    Filmtipp des Katholischen Filmwerks

    Wackersdorf

    Spielfilm, Deutschland, 2018, 118 Minuten
    Ein Film von Oliver Haffner
    Produktion: if ...productions
    empfohlen ab 14 Jahren, FSK 6

    Anfang der 1980er plant die Bayerische Staatsregierung eine atomare Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz. Doch der Landrat von Schwandorf schließt sich nach anfänglicher Begeisterung den Atomgegnern an und setzt sich an die Spitze des ländlichen Widerstandes. Der vielschichtige Film widmet dem oberpfälzer Volkshelden ein differenziertes Porträt, das durch leise Komik, eine sorgsame Ausstattung und wunderbare Schauspieler besticht. Als Beispiel für eine streitbare Zivilgesellschaft, in der sich Engagement, Idealismus und Haltung auszahlen, ist das nuancierte Zeitbild über die 1980er-Jahre auch an die Gegenwart adressiert. 
     
    Erhältlich ist die DVD des Films unter https://lizenzshop.filmwerk.de/shop/detail.cfm?id=2878 oder in Ihrer Medienzentrale.

    Filmtipp des Katholischen Filmwerks

    Likes - Manipulation im Netz

    Dokumentation, Deutschland, 2017, 44 Minuten
    Ein Film von Torsten Berg, Benedikt Walter
    Produktion: ZDF
    empfohlen ab 6 Jahren, LE

    Es klingt wie Science-Fiction, ist aber Realität. In den sozialen Medien wird kräftig getrickst. Man kann alles kaufen, was Kunden im Netz erfolgreicher erscheinen lässt. Ein Unternehmen aus Hamburg beispielsweise vermittelt Likes, Kommentare und Klicks. Wer viel zahlt, kriegt auch viel künstliche Resonanz. Wenn es besonders schnell gehen soll, werden auch Social Bots eingesetzt.

    Erhältlich ist die DVD des Films unter https://lizenzshop.filmwerk.de/shop/detail.cfm?id=2828 oder in Ihrer Medienzentrale.

    Conversation Café

    Der Begriff „Conversation Café“ steht für eine Reihe von Aktivitäten, bei denen ein informeller Austausch an öffentlichen Orten wie Cafés, Buchläden oder andere öffentlichen Orten zustande kommt.

    Die US-amerikanische Organisation Conversation Café führt auf ihrer Webseite Richtlinien und Hinweise auf, die den Erfolg der Veranstaltung gewährleisten sollen und die von der Moderation einleitend erklärt werden:

    1. Offenheit: Höre zu und respektiere andere Sichtweisen
    2. Akzeptanz: Triff keine schnellen Urteile
    3. Neugier: Versuche zu verstehen statt zu überzeugen
    4. Entdecken: Stelle deine Annahmen in Frage, suche neue Perspektiven und Erkenntnisse
    5. Aufrichtigkeit: Sprich über das, was dir am Herzen liegt und wichtig ist
    6. Knappheit: Sei ehrlich und tiefgründig, ohne dich in Details zu verlieren

    Conversation Cafés eignen sich für kleine Gruppen von bis zu acht Personen plus einen Moderator oder eine Moderatorin. Die Teilnehmenden einigen sich auf ein relevantes Thema und setzen einen Zeitrahmen von 60 bis 90 Minuten fest. Nach Bedarf kann es währenddessen Kaffee und Kuchen geben bzw. der Raum entsprechend gestaltet werden, um eine Café Atmosphäre zu schaffen.

    Ablauf

    • Der Gastgeber oder die Gastgeberin erklärt den Ablauf und die Richtlinien. Außerdem wird ein Gegenstand bestimmt, der jeweils von der Person gehalten wird, die gerade spricht.
    • Während der ersten Runde wandert der „Gesprächsgegenstand“ durch die Gruppe. Jede Person äußert kurz erste Anmerkungen zu dem Thema und stellt sich vor. Es gibt kein Feedback und keine Reaktion auf die Beiträge. Personen, die sich nicht äußern wollen, können aussetzen.
    • In der zweiten Runde äußern sich die Teilnehmenden erneut nacheinander. Sie können Bezug auf die Beiträge der anderen nehmen und angeben, welche Themenaspekte sie gerne im Detail besprechen würden.
    • Der Austausch geht in einen offenen, angeregten Dialog über, in dem es keine bestimmte Gesprächsreihenfolge gibt. Diese Runde nimmt die meiste Zeit ein. Weichen die Teilnehmenden vom Thema ab oder sind einzelne zu dominant, kann die Moderation die Teilnehmenden dazu auffordern, den „Gesprächsgegenstand“ weiterzugeben.
    • Während der Abschlussrunde können die Teilnehmenden kurz abschließende Bemerkungen machen und sich zu der Methode äußern.

    KLJB, Werkbrief für die Landjugend, Demokratie und Jugendbeteiligung, Was wir zu sagen haben, S. 110-111, In: Pfarrbriefservice.de

    Speed-Dating

    Im Raum werden je zwei Stühle gegenüber aufgestellt, auf denen die Teilnehmenden sitzen.

    Zu Beginn des Speed-Datings wird eine Frage gestellt, wozu Ideen gesammelt werden sollen (z.B. „Welche Aktionen sollen im kommenden Jahr stattfinden?“). Alle Teilnehmenden haben einen Zettel, auf dem sie Ideen, die ihnen gefallen, notieren können.

    Eine Person gibt mit der Glocke das Signal für den Start. Wie beim Speed-Dating können zwei Personen ihre Ideen sammeln und diskutieren. Nach einer Minute gibt die Moderation mit der Glocke das Signal, sich wichtige Ergebnisse des Gesprächs auf dem Zettel zu notieren. Nach 1.30 Minuten gibt die Moderation das Signal zum Wechsel. Das wird so oft wiederholt, bis jede Person mit jeder und jedem gesprochen hat.

    Nach dem Speed-Dating bekommen die Teilnehmenden zwei Minuten Zeit, um die beste Idee, die sie auf ihrem Notizzettel festgehalten haben, auf eine Moderationskarte zu notieren.

    Diese Ideen werden abschließend auf der Pinnwand (oder alternativ einem Plakat) festgehalten. Wahrscheinlich ist in einem zweiten Schritt eine Methode zur konkreten Entscheidungsfindung notwendig. 

    KLJB, Werkbrief für die Landjugend, Demokratie und Jugendbeteiligung, Was wir zu sagen haben, S. 115, In: Pfarrbriefservice.de

    World Café

    Eine mindestens 15, besser 20 bis 40 Personen große Gruppe kann sich in kleinen Gruppen zu einem bestimmten Thema und weiteren Unterthemen austauschen. Jede Kleingruppe sollte circa 4-5 Personen umfassen. Mit Getränken und Snacks soll eine gemütliche Atmosphäre geschaffen werden.

    Tische in der Anzahl der Gruppen werden mit Packpapier bespannt. Auf jedem Tisch liegen Stifte. Pro Tisch wird ein Thema diskutiert. Themen können vorgegeben sein oder von den Teilnehmenden bestimmt werden.

    Es gibt mehrere Runden von je 10 bis 30 Minuten, in denen in ungezwungener Atmosphäre miteinander gesprochen werden kann und zu den Themen bzw. Fragen diskutiert wird.

    Wichtig ist, dass die Diskussion auf den Tischen mitgeschrieben bzw. mitgezeichnet werden soll, um sie für die jeweils nächste Runde zu dokumentieren. 

    Nach der ersten Gesprächsrunde verlassen die Teilnehmenden ihren Tisch und mischen sich an anderen Tischen neu. Eine Person bleibt jeweils am Tisch zurück. Sie gibt den neu ankommenden die wesentlichen Gedanken der Vorrunde in das Gespräch mit, während die „Reisenden“ ebenfalls die Gedanken weitertragen. Der Austausch unter allen Beteiligten wird so gefördert und es können in kurzer Zeit Wissen und Erfahrungen jedes/jeder Einzelnen einfließen, Anregungen geschaffen werden und neue kreative Ideen entstehen.

    Nach mehreren Gesprächsrunden werden an jedem Tisch die wichtigsten Ergebnisse gesammelt und der gesamten Gruppe vorgestellt. Abschließend werden im Plenum die Ergebnisse reflektiert. 

    KLJB, Werkbrief für die Landjugend, Demokratie und Jugendbeteiligung, Was wir zu sagen haben, S. 150, In: Pfarrbriefservice.de

    Speed-Dating mit der Politik

    Mit einem Abgeordneten auf Augenhöhe diskutieren, viele verschiedene Meinungen loswerden und hören und unterschiedliche Politikerinnen und Politiker in kürzester Zeit kennenlernen – das und noch viel mehr könnt ihr bei einem politischen Speed-Dating erleben. Zunächst einmal solltet ihr viele Jugendliche aus eurem Ort, Nachbar-Ortsgruppen oder dem ganzen Kreis einladen. Dazu eignet sich am besten ein Flyer, eine Facebook-Veranstaltung und Mundpropaganda.

    Natürlich darf auch die Politik nicht fehlen. Überlegt euch, wer für die Jugendlichen bei eurem Speed-Dating relevant ist. Vielleicht ein Bürgermeister, eure Landrätin, eine Abgeordnete aus Landtag und Bundestag, jemand aus dem Gemeinderat oder andere engagierte Personen vor Ort und ladet diese zu eurem Speed-Dating ein. Um die Politik anzulocken, könnt ihr kräftig Werbung für euch und die politikinteressierten Jugendlichen auf eurer Veranstaltung machen. In der Regel kommen sie aber gern zu Veranstaltungen mit Jugendlichen.

    KLJB, Werkbrief für die Landjugend, Demokratie und Jugendbeteiligung, Was wir zu sagen haben, S. 127, In: Pfarrbriefservice.de

    Tipps für Pfarrbriefredaktionen

    Standpunkt

    Warum der Kommentar das Salz in der Suppe ist

    Journalisten und Redakteure – und damit auch Pfarrbriefmacher – sind neutral. Das ist einer der wichtigsten journalistischen Grundsätze. Berichterstattung muss objektiv und wahrheitsgetreu sein. Alle Seiten müssen gehört werden. Die einzige Möglichkeit, die persönliche Meinung zu veröffentlichen, liegt für Redakteure in der Darstellungsform des Kommentars. Dort treten sie für eine Meinung ein, die sie begründen und am Ende zu einer Schlussfolgerung führen. Ein Kommentar ist die schwierigste, aber zugleich reizvollste Darstellungsform. Denn er kann Orientierung bieten, Sachverhalte aus persönlicher Perspektive darstellen. Und er kann auch den Finger in die Wunde legen, wenn nötig. 

    Allerdings macht sich der Redakteur auch angreifbar – veröffentlicht er doch seine ganz persönliche Meinung. Ein Kommentar kann das Salz in der Suppe einer Publikation sein – auch eines Pfarrbriefs. Er erfordert Mut, gibt aber auch das Gefühl zurück, etwas bewegt zu haben. In jedem Fall stößt er Dialog an. Und das ist es, was die Kirche braucht, was sie in die Zukunft führen kann. Ein Kommentar eignet sich besonders bei kontroversen, umstrittenen, heiß diskutierten Themen, die innerhalb der Pfarrei oder auch innerhalb der Kommune Thema sind. 

    Beispiele: Zu einer fälligen oder nicht fälligen Renovierung des Pfarrheims gibt es unterschiedliche Ansichten. Ein Kindergarten soll umziehen. Ein Kirchengebäude soll nicht mehr kirchlich genutzt werden. Oder Pfarreien sollen fusionieren. 

    Sollen unterschiedliche Sichtweisen dargestellt werden, geht das nicht in einem Kommentar – dafür braucht es mindestens zwei, die jeweils die unterschiedlichen Positionen vertreten. Eine solche Rubrik „Pro und Contra“ wird erfahrungsgemäß von den Leserinnen und Lesern gut angenommen. Warum? Weil dort persönliche Meinungen sichtbar werden, die Redakteure bekommen ein Gesicht, Kontur. Aber Vorsicht: Überreizen Sie diese Stilform nicht. Nutzen Sie sie wirklich nur dann, wenn es ein starkes Thema mit unterschiedlichen Meinungen gibt. Viel Erfolg!

    Julia Geppert

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