Soziale Gerechtigkeit und Kirche

Das Schwerpunktthema für April 2023

von Ronja Goj am 23.01.2023 - 06:00  

Mehr als die Hälfte der Deutschen, rund 62 Prozent, beurteilen die Soziale Gerechtigkeit in Deutschland als sehr ungerecht und ungerecht. Das ergab eine Umfrage des ZDF-Politbarometers von Mitte Juli 2022. Doch, was verbirgt sich hinter dem großen, sperrigen, abstrakten Begriff „Soziale Gerechtigkeit“? Welche Rolle spielt sie in der Kirche? Haben Christinnen und Christen die Aufgabe, sich gegen soziale Ungerechtigkeiten einzusetzen? Was können Gemeinden gegen soziale Ungerechtigkeit tun? Wie gelingt es, die Welt sozial gerechter zu machen? Damit befasst sich dieses Schwerpunktthema. 

Die „Bilder“ blicken aus ganz vielfältigen und unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Thema „Soziale Gerechtigkeit“. Unter dem Reiter „Texte“ finden Sie spannende Interviews mit Prof. Dr. Michelle Becka, Professorin für Christliche Sozialethik, eine Einschätzung des Dipl. Psychologen und Theologen Stanislaus Klemm und meditative und nachdenkliche Texte unter anderem von unseren Autoren Peter Schott und Klaus Jäkel. Und im Bereich „Tipps“ erfahren Sie, wie Sie das Thema „Soziale Gerechtigkeit“ in Ihrer Pfarrei platzieren können. 

    Bilder
    von

    Dr. Thomas Steinforth, Referent für Theologische Erwachsenenbildung in der Domberg-Akademie in Freising, Quelle: „impulse – Magazin der Pfarrei St. Johann Baptist Gröbenzell, Ausgabe: Advent/Weihnachten 2022“, S. 9-11

    „Diese Wirtschaft tötet!“ Mit diesem Satz in der Enzyklika Evangelii Gaudium hat Papst Franziskus 2013 heftigen Widerspruch ausgelöst. Er lehne Marktwirtschaft und Wettbewerb ab und habe von Ökonomie wenig Ahnung – so etliche Kommentare.

    Gleichgewicht zwischen „Ich“ und „Wir“ – Eine Einschätzung von Diplom Psychologe und Theologe Stanislaus Klemm

    von

    Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe

    Was vor über 1700 Jahren einer der berühmtesten Philosophen, der Grieche Aristoteles, seinem Sohn Nikomachos als geistiges Erbe hinterließ, ist gewissermaßen eine der fundamentalsten Grundregeln für ein gelingendes Leben.

    von

    Peter Schott

    „Wer ist mein Nächster,
    mein bester Nächst-Bester?“

    Fragt der Pharisäer Jesus.
    Dein Nächster ist der Nächstbeste.

    Schau mir in meine Augen – 
    und schau nicht auf deine Vorurteile.

    Schau mir in mein Herz –
    und schau nicht auf deine Fake News.

    von

    Peter Schott

    Mehr soziale Gerechtigkeit
    fordern sie und fördern sie
    zu Tage und zu Nacht.

    Mehr soziale Gerechtigkeit
    sehnen sie sehnsüchtig 
    herbei und hierher.

    Mehr soziale Gerechtigkeit
    wollen sie leben, wirklich leben
    zu allen und in allen Zeiten.

    von

    Klaus Jäkel

    ist sie 
     
    nur ein Fragwort, ein Klagwort
     oder gar ein Schlagwort
     in Krisen
     Demos und
     Protesten
      ?
         viel mehr  
     

    von

    Deutscher Caritasverband

    Als Konsumenten sitzen wir unsichtbar an den Direktionstischen der Konzerne. Unser Verhalten wird analysiert und Strategien darauf aufgebaut.

    Ein Interview mit Prof. Dr. Michelle Becka

    von

    Ronja Goj

    Prof. Dr. Michelle Becka ist Professorin für Christliche Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg.

    Was ist Soziale Gerechtigkeit Frau Prof. Dr. Becka?

    von

    Ronja Goj

    Soziale Gerechtigkeit – Ein Begriff, der sperrig ist und abstrakt, der abgehoben klingt. Wie definiert die Gesellschaft Soziale Gerechtigkeit?

    von

    Ronja Goj

    Prof. Dr. Michelle Becka ist Professorin für Christliche Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg.

    von

    Hannelore Bares

    unsere Möglichkeiten voll ausschöpfen
    und uns einsetzen für eine bessere und gerechtere Welt

    unsere Lebensweise hinterfragen
    und Gewohnheiten verändern
    wo immer das Not-wendend ist – 
    mit unserem ganzen Besitz
    mit all unseren Gaben dem Leben dienen

    von

    Tobias Petzoldt, aus: „Du bist ein Gott, der mich sieht“, ISBN 978-3-96038-309-3 edition chrismon

    Und sie sagen dir:
    Niemals aufgeben.

    Dann wurdest du wieder als Letzter gewählt, 
    warst du nicht dabei, hast du keinem gefehlt.
    Dann standest du da und bliebst dabei allein
    und niemand stand zu dir, wollte bei dir sein.

    Und sie sagen dir:
    Kopf hoch.

    von

    Tobias Petzoldt, aus: „Du bist ein Gott, der mich sieht“, ISBN 978-3-96038-309-3, edition chrismon

    Und immer die Frage, was du wert bist,
    wem du etwas wert bist,
    wie viel dein Wert ist,
    was du verdienst und was du verlangen kannst
    nach üblichen Prinzipien bei deinem Marktwert.
    Was aber ist dir der Markt wert, der alles regelt

    von

    Gisela Baltes, www.impulstexte.de

    Wann habe ich zuletzt
    richtigen Hunger gespürt?
    Wollte ich da nur ein bisschen abspecken?
    Oder hatte ich tatsächlich nichts zu essen?

    Kämpfen für das Recht der anderen

    von

    Irmela Mies-Suermann

    Wer will sie nicht, die Gerechtigkeit,
    wer will nicht sein Recht,
    sein gutes, das ihm zusteht,
    um das er sich nicht betrügen lassen will.
    Viele kämpfen um ihr Recht, ihr persönliches.
    Doch viel zu wenige kämpfen um das Recht der anderen.

    wo Menschen einander gut sind

    von

    Gisela Baltes, www.impulstexte.de

    Der Himmel ist dort,
     
    wo Menschen einander gut sind,
    wo Menschen miteinander reden,
    wo Menschen füreinander sorgen,
     
    wo Hungernde Nahrung erhalten,
    wo Kranke besucht werden,
    wo Traurige getröstet werden,
     

    Gebet

    von

    Bausteine für einen Jugend-/Schulgottesdienst zur MISEREOR/BDKJ-Jugendaktion 2014, Liturgische Bausteine „Segensgebet“

    sei ein Segen
    geh mit wachen Augen durch die Welt

    sei ein Segen
    handle mutig und beherzt

    sei ein Segen
    nimm dir auch mal Zeit für dich

    sei ein Segen
    wage, was du noch nicht kennst

    sei ein Segen
    sage, was du denkst

    Das Leitbild der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB)

    von

    Lucia Schneiders-Adams

    Die KAB setzt sich für das Leitbild einer Tätigkeitsgesellschaft ein mit dem Ziel, eine solidarische und gerechte Gesellschaft zu gestalten, in der die Beseitigung der Armut, die strikte Neuordnung des Finanzsystems, die Ökologisierung der Wirtschaft und die soziale Erneuerung der Arbeitsgesellsc

    Nachdenkliches zu Lebensstil und Verantwortung

    von

    Katharina Wagner

    Satt und warm

    mobil und versichert
    global vernetzt

    uns geht es gut

    wir lassen zahlen

    Katharina Wagner, www.pfarrbriefservice.de

    Wer hungert und dürstet danach?

    von

    Anton Marian

    Das hat jeder schon mal
    gesagt
    ich habe Hunger
    ich habe Durst

    Wer aber von uns
    hat jemals wirklich gehabt
    Hunger und Durst

    Lyrik für den täglichen Gebrauch

    von

    Marianne Willemsen

    Du engagierst dich
    für Frieden und Gerechtigkeit
    gegen Hunger und Unterdrückung

    den Haß auf dich selbst
    verschweigst du
    und deine Wut schreist du hinaus

    zuhause

    Marianne Willemsen

    Filmtipp des Katholischen Filmwerks

    Frosch im Schnabel

    Dokumentation, Deutschland, 2019, 88 Minuten
    Ein Film von Stefan Hillebrand
    Produktion: Frischfilm
    empfohlen ab 12 Jahren

    Vier Wochen im Januar verwandelt sich die CityKirche Konkordien in Mannheim in einen Ort des Widerstands: Die Wohlstandsgesellschaft wird auf den Kopf gestellt: Täglich 500 Menschen in Not – so arm sie sein mögen, so reich sind sie an Individualität. Gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen feiern sie Tag für Tag ein Fest der Herzlichkeit: Serviert wird nicht nur ein Drei-Gänge-Menü auf Porzellantellern, es gibt freundliche Servicekräfte, einen Chor, Stilberatung, einen Friseur – und manchmal wird einer gerettet, von der Straße oder vor dem Knast. Ein sensibler Dokumentarfilm, der aufrüttelt und berührt.

    Erhältlich ist die DVD des Films unter https://lizenzshop.filmwerk.de/shop/detail.cfm?id=3069 oder in Ihrer Medienzentrale.

    Filmtipp des Katholischen Filmwerks

    Sorry We Missed You

    Spielfilm, Großbritannien, Frankreich, Belgien, 2018, 97 Minuten
    Ein Film von Ken Loach
    Produktion: Sixteen Films, BBC Films, BE TV
    empfohlen ab 13 Jahren, FSK 12

    Ein Arbeiter aus Newcastle fängt als selbstständiger Bote bei einem Paketservice an; die Illusion unternehmerischer Freiheit zerbricht allerdings schnell an den unfairen und ausbeuterischen Bedingungen. Diese wirken sich bald auch auf seine gesamte Familie aus. Das Drama über die falschen Versprechen der neoliberalen Arbeitswelt und die Folgen der Selbstausbeutung für die Betroffenen ist in seiner Gesellschaftskritik etwas schlicht; äußerst treffend ist es gleichwohl durch die Einfühlsamkeit seiner Figurenzeichnung und der Erosion des Zusammenhalts in einer Familie.

    Erhältlich ist die DVD des Films unter https://lizenzshop.filmwerk.de/shop/detail.cfm?id=3082 oder in Ihrer Medienzentrale.

    Filmtipp des Katholischen Filmwerks

    Wert der Arbeit (s/w)

    Kurzspielfilm, Deutschland, 2015, 8 Minuten
    Ein Film von Matthias Koßmehl
    Produktion: HMS - HamburgMediaSchool, Creative Producerin: Caroline Scheller
    empfohlen ab 13 Jahren, LE

    Nacht für Nacht kehrt Bodo die Straßen der Großstadt – gewissenhaft und unbemerkt. Angezogen von einer ausschweifend gefeierten Vernissage, macht er inmitten der fremden Welt eine vertraute Entdeckung und entschließt sich dazu, nicht mehr unsichtbar zu sein.

    Erhältlich ist die DVD des Films unter https://lizenzshop.filmwerk.de/shop/detail.cfm?id=2505 oder in Ihrer Medienzentrale.

    Musiktipps

    Hier finden Sie passende Lieder zum Thema

    „Deine Hand“ – Herbert Grönemeyer: https://www.youtube.com/watch?v=ZUF13nAU5Ao
    „Bist du da“ – Herbert Grönemeyer: https://www.youtube.com/watch?v=-WaHJAZoMaA
    „Das Paradies“ – Bosse: https://www.youtube.com/watch?v=4_16Ig-ZSQY
    „Pyramiden“ – Sido ft. Johannes Oerding: https://www.youtube.com/watch?v=mSFmE4h-TZo
    „Hoffnung & Melancholie“ – Disarstar: https://www.youtube.com/watch?v=BBxStCFrDaY
    „Glücksrad“ – Disarstar: https://www.youtube.com/watch?v=2vcZb_d4BMI

    Auf diese Lieder können Sie in Ihrem Pfarrbrief verlinken. Oder Sie generieren einen QR-Code mit einem QR-Code-Generator. Drucken Sie den Code in Ihrem Pfarrbrief ab. Interessierte können ihn mit ihrem Handy abscannen und das Lied anhören. Vorsichtig müssen Sie bei Liedtexten sein. Diese dürfen Sie nicht einfach so in Ihrem Pfarrbrief abdrucken. Zuvor müssen Sie die Rechte klären.

    Tipps für Pfarrbriefredaktionen

    „Soziale Gerechtigkeit“ – Ein weites Thema. Schwer fassbar, sperrig, komplex. Ein Problem, das von der Politik gelöst werden muss, von der Wirtschaft, nicht vom Einzelnen. Oder doch?

    Was sagen die Menschen? – Gemeindemitglieder zu Wort kommen lassen

    Fragen Sie die Menschen in Ihrer Gemeinde. Was denken sie? Wie gelingt es, sich im Alltag für Soziale Gerechtigkeit einzusetzen? Sozial gerecht zu leben? Dazu beizutragen, dass die Gesellschaft sozial gerechter wird? Machen Sie eine Umfrage. Achten Sie dabei darauf, dass sie unterschiedliche Menschen befragen. Jüngere und ältere Menschen, Frauen und Männer, Menschen aus unterschiedlichen Milieus, mit unterschiedlichen Berufen, in unterschiedlichen Lebenssituationen. Die Statements sollten sich inhaltlich unterscheiden und es sollte keine inhaltlichen Doppelungen geben. So spiegeln Sie, wie bunt und vielfältig die Menschen in Ihrer Gemeinde sind, geben verschiedenen Meinungen Raum und fördern Toleranz. Drucken Sie die Statements zusammen mit einem „Köpfchen“, einem kleinen Porträtbild, ab.

    Was läuft gut? – Reportage über gelebte Soziale Gerechtigkeit vor Ort

    Recherchieren Sie, welche kirchlichen Gruppierungen es in Ihrer Gemeinde gibt, die sich schon jetzt für Soziale Gerechtigkeit einsetzen. Wählen Sie beispielsweise einen Verein aus. Besuchen Sie ihn. Beobachten Sie, was vor Ort passiert, was die Menschen tun, wie sie interagieren, wie sie zusammenarbeiten. Haben Sie einen wachen Blick. Atmen Sie die Gerüche ein. Hören Sie auf Geräusche. Saugen Sie all diese Eindrücke auf. Machen Sie sich Notizen. Führen Sie Interviews mit den Verantwortlichen, mit den Engagierten, mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Und formulieren Sie zuhause eine Reportage. Wie das funktioniert, lesen Sie in unseren Pfarrbriefmagazin: https://www.pfarrbriefservice.de/article/pfarrbriefmagazin

    Was sagen Experten? – Ein Interview mit einem lokalen Experten führen

    • Welche Aufgabe hat die Kirche bei „Sozialer Gerechtigkeit“?
    • Warum sollte ausgerechnet sie sich für „Soziale Gerechtigkeit“ einsetzen?
    • Wo gelingt das bereits gut?
    • Wo muss sich dringend etwas verändern?

    Fragen, die Sie einem lokalen Experten vor Ort stellen können. Überlegen Sie sich in der Vorbereitung, was Sie von diesem Experten wissen möchten. Welche Themenschwerpunkte Ihr Interview haben soll. Notieren Sie zu diesen einzelnen Themenschwerpunkten Fragen. Sie helfen Ihnen die wichtigsten Punkte während des Gesprächs im Blick zu behalten und nicht in ein anderes Thema abzurutschen. Sie müssen sich nicht sklavisch an die Fragen halten. Besser ist es auf die Antworten des Interviewpartners einzugehen und in der entsprechenden Situation die Fragen zu stellen, die an die Antwort des Interviewpartners anknüpfen. So vermeiden Sie Themenhopping. Das ist nicht einfach, weil Sie genau zuhören und die nächste Frage aus Ihrem Fragenkatalog im Kopf parat haben müssen. Aber mit etwas Übung gelingt es. Streichen Sie die Fragen Ihres Fragenkatalogs, die Sie bereits gestellt haben. So wissen Sie immer, welche Fragen noch offen sind. Fragen Sie zu Beginn, ob Sie das Interview aufnehmen dürfen. Besonders bei Interviews ist es wichtig, die Aussagen der Interviewpartner korrekt im Zitat zu verwenden, da Zitate die Grundsteine der Interviews sind. Außerdem vermeiden Sie, dass Sie die Antworten des Interviewpartners mitschreiben müssen. Nach dem Interview schreiben Sie die Audiodatei ab. Bauen Sie daraus ein flüssiges Interview. Ordnen Sie Themengebiete. Lassen Sie Fragen und Antworten fließend ineinander übergehen.

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