Mach dich frei - vergib!

Das Schwerpunktthema für April 2015

am 12/30/2014 - 23:00  

"Dem zahl ich's heim!" - ein erster Impuls, wenn man verletzt worden ist. "Mein ist die Rache", stellt Gott gegenüber (Römer 12,19). Jesus lehrt im Vaterunser darüber hinaus seine Jünger beten: "... denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist" (Lukas 11,4). Sterbend am Kreuz vergibt er selbst seinen Mördern (s. Lukas 23,34). Vergebung ist göttlich. Und unendlich schwer. Wer sich darum bemüht, spürt, warum es Jesus damit so wichtig ist. Vergebung befreit und ermöglicht einen neuen Anfang. Die Bausteine dieses Monatsthemas laden Pfarrbriefredaktionen ein, z.B. eine Osterausgabe des Pfarrbriefes zu diesem Schwerpunkt zu gestalten.

    Bilder

    Fest der Versöhnung mit uns selbst

    von

    Irmela Mies-Suermann

    Die Kreuzeswunden bleiben,
    die Risse in unserem Leben bleiben,
    Verwundungen und Narben bleiben.
    Gott nimmt sie uns nicht
    - nicht jetzt -,
    denn Er nimmt uns ernst
    mit unserer Geschichte.
    Nichts wird geleugnet.

    von

    Xaver Schorno, www.stadtgottes.de

    Hinterrücks wurde ihr Sohn erschossen, gerade mal 23 Jahre alt. Heute sagt die Mutter: „Ich habe dem Täter vergeben.“ Wie ist so etwas möglich?

    von

    Wikipedia

    Durch Vergebung verzichtet eine Person „auf den Schuldvorwurf und auf ihren Anspruch der Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts, ohne die erlittene Verletzung zu relativieren oder zu entschuldigen.

    ... und was bekomme ich?

    von

    Thomas F. Berger

    In meiner Arbeit als kirchlicher Organisationsentwickler und Veränderungsbegleiter für Gemeinden werde ich häufig zu Anlässen um Unterstützung gebeten, die konfliktreich und emotional aufgeladen sind.

    Es kann schwerfallen, um Entschuldigung zu bitten. Doch ist es kaum weniger anspruchsvoll, Vergebung im Innersten selbst anzunehmen.

    von

    Dr. Elisabeth Schieffer

    Wir stehen am Beginn der Fastenzeit, der österlichen Bußzeit, die in der Tradition von der Besinnung auf unsere Schuld und Werken der Buße und Umkehr geprägt ist.

    von

    Irmela Mies-Suermann

    Immer und immer wieder soll ich dem anderen verzeihen,
    soll ihm nachsehen seine großen und kleinen Vergehen,
    seine Verstöße gegen Menschlichkeit,
    gegen Recht und Ordnung,
    auch mir gegenüber.
    Geduld soll ich haben mit ihm, mit mir.

    von

    Andrea Wilke

    Da hat mir jemand wehgetan
    ein Leid zugefügt
    mich klein gemacht

    Hat mir eine Wunde beigebracht
    von der eine Narbe blieb
    auf meiner Seele

    Bat mich um Vergebung
    nach einiger Zeit
    die Narbe schmerzt

    Filmtipp des Kath. Filmwerks: Am Sonntag bist du tot.

    Die Worte sind klar und eindeutig: „Am Sonntag bist du tot!“ Dann nämlich will ein Beichtender den Priester Lavelle töten. Nicht aus persönlichem Hass. Denn Lavelle hat niemandem etwas getan. Er ist unschuldig. Doch er soll stellvertretend für einen anderen katholischen Priester sterben, der dem Beichtenden früher Schlimmes angetan hat. Er gibt Lavelle die Anweisung, in den kommenden sieben Tagen seine Angelegenheiten zu regeln. Um sich dann dem Unausweichlichen zu stellen. Der neue Film von John Michael McDonagh begleitet die Figur des Priesters innerhalb dieser sieben Tage und entwirft mit seinem großen Ensemble ein Panoptikum an verschiedenen verschrobenen Charakteren, die das kleine irische Dorf bevölkern. Jede Unterhaltung, die Lavelle führt, offenbart dabei die tiefe zynische und resignierte Haltung, die jeder Einzelne gegenüber Gott, der Kirche und dem Glauben einnimmt. Doch stoisch stellt er sich bis zum Schluss jeder Debatte über Gott und das Schicksal. Sämtliche Darsteller überzeugen in ihren Rollen, ihre Geschichten stehen symbolhaft für eine Gesellschaft, in der Resignation die Hoffnung abgelöst hat. Ein unglaublicher und überwältigender Film, in dessen Zentrum die Themen Schuld und Vergebung stehen.

    Irland, 2014, 97 Minuten
    Ein Film von John Michael McDonagh
    Produktion: Reprisal Films/Octagon Films/Lipsync Prod.
    empfohlen ab 16 Jahren, FSK 16

    Zur kostenfreien Ausleihe erhältlich ist die DVD des Films für Schulen und Gemeindearbeit unter www.filmwerk.de oder in Ihrer diözesanen Medienzentrale.

    Eine Arbeitshilfe zum Film kann man sich hier herunterladen.

    Tipps für Pfarrbriefredaktionen

    Vergebung ist überall dort ein Thema, wo Menschen zusammenleben und -arbeiten, z.B. im Kindergarten, in der Schule, in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Pfarrei …

    Vergebung lernen

    Vielleicht spielt das Thema Konfliktbewältigung und in diesem Zusammenhang auch Vergebung eine hervorgehobene Rolle im örtlichen Kindergarten oder in der Schule.

    Bitten Sie die zuständige Betreuungsperson zu beschreiben, welche Rolle Vergebung im Miteinander der Kinder und Jugendlichen spielt.

    Oder machen Sie ein Interview. Fragen können sein:

    • Müssen Kinder Vergebung lernen?
    • Wie können sie es lernen?
    • Wann fällt es Kindern leicht zu vergeben?
    • Und wann schwer?
    • Welche Beobachtungen machen Sie, wenn sich zwei Streithähne wirklich versöhnen können?

    Streitschlichter fragen

    Kennen Sie Jugendliche aus Ihren Pfarreien, die sich als Streitschlichter in den Schulen engagieren? Dann ist ein Interview mit ihnen sicher eine lohnende Sache. Mögliche Fragen:

    • Wann gelingt es, einen Streit zu schlichten?
    • Wie wichtig ist Vergebung dabei?
    • Fiel es dir selbst schon einmal schwer zu vergeben?
    • Deine Erfahrungen damit?

    Vergebung am Arbeitsplatz

    Vergebung am Arbeitsplatz könnte eine beispielhafte Umsetzung im Seelsorgeteam erfahren. Fragen Sie doch einmal nach. Möglicherweise haben die Seelsorgerinnen und Seelsorger Ihrer Pfarreien einen konstruktiven Weg gefunden, mit Verfehlungen der Kolleginnen und Kollegen umzugehen. Vielleicht möchte einer diesen Weg beschreiben.

    Vergebung befreit?

    Vergebung befreit. Stimmt das wirklich? Fragen Sie bei Ihrem Seelsorger nach, welche Erfahrungen er mit Beichtgesprächen oder anderen Begegnungen dieser Art macht. Mögliche Fragen:

    • Jesus vergibt selbst den Menschen, die ihn töten. Warum ist ihm Vergebung so wichtig?
    • Wie erleben Sie Menschen, die vergeben können?
    • Was passiert mit Menschen, die nicht vergeben können?
    • Haben Sie ein Rezept, damit das Vergeben gelingt?

    Bilder nicht vergessen

    Denken Sie bei allen Gesprächsanlässen vor Ort daran, diese im Pfarrbrief auch bebildern zu können.

    Monatsthema: Beichte

    Ein eigenes Monatsthema beschäftigt sich mit dem Sakrament der Versöhnung, der Beichte.

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