Machen Sie den Selbsttest!

Christian Schmitt
27.05.2019 - 05:15

Von der ursprünglichen Bedeutung des Duldens ausgehend steht Toleranz heute für eine ganze Bandbreite an Tugenden und Werten: Dazu zählen Akzeptanz, Respekt, Achtung und letztlich auch Anerkennung anderer, „fremder“ Verhaltensweisen, Meinungen, Religionen, Kulturen.

Wir leben heute in einer Gesellschaft, die von einer nie dagewesenen Vielfalt und kulturellen Mischung geprägt ist. Wenn Individuen eine tolerante Grundhaltung leben, gibt es weniger zwischenmenschliche Konflikte und die Chancen für ein dauerhaft friedliches Mit- und Nebeneinander sind höher.

Wie tolerant sind Sie? Beantworten Sie die folgenden Fragen möglichst spontan und ohne viel darüber nachzudenken. Für jede Antwort gibt es Punkte (siehe Auswertungsschema nach der letzten Frage). Wenn Sie diese zusammen zählen, verrät Ihnen die Gesamtzahl am Ende, wie gut es um Ihre Toleranz bestellt ist.

1. Toleranz bedeutet für Sie …

a) Jede Jeck es anders, jeder es anders jeck, und jet jeck sin mir all. (Jeder Narr ist anders, jeder ist anders närrisch, und ein bisschen närrisch sind wir alle.)

b) … die große Gleichgültigkeit.

c) … eine Form der Schwäche von Menschen, die keine eigene Meinung haben.

d) Keine Ahnung, was mir das bedeuten soll.

2. Endlich Feierabend! Sie machen es sich auf der Terrasse mit einer Tasse Kaffee und Ihrer Zeitung gemütlich und genießen die Abendsonne. Auf dem Spielplatz nebenan spielen viele Kinder und machen auch Lärm. Wie reagieren Sie?

a) Ich freue mich, dass ich in einer Nachbarschaft wohne, in der Leben ist. Das Kindergeschrei klingt mir wie Musik in den Ohren.

b) Was soll denn dieser Terror? Sind die Eltern heutzutage alle unfähig? Ich gehe sofort hinüber und gebe den Plagen und deren Erziehungsberechtigten einen Einführungskurs, wie man sich auf einem Spielplatz mitten im Wohngebiet gefälligst zu verhalten hat.

c) Herrgott! Kann man nicht einmal in Ruhe auf der Terrasse sitzen? Zähneknirschend ertrage ich den Lärm, auch wenn ich nicht so gut dabei entspannen kann.

3. Eine gute Freundin von Ihnen ist seit einem halben Jahr mit einem Mann liiert, der 25 Jahre älter ist als sie. Was denken Sie?

a) Ei ei ei. Die muss es ja nötig haben. Naja, vermutlich ist er vermögend.

b) Also irgendwie finde ich das schon etwas abstoßend. Aber eigentlich geht es mich ja nichts an. Sie wird schon wissen, was sie tut.

c) Die Liebe fällt eben dahin, wo sie hin fällt. Ich freue mich für die beiden.

4. Ein Studentenwohnheim in Ihrer Straße soll renoviert und in ein Wohnheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge umgewidmet werden. Wie nehmen Sie die Nachricht auf?

a) Sehr gut! Der Platz für die vielen Flüchtlinge wird dringend gebraucht.

b) Oh no! Muss das denn ausgerechnet hier sein? Hoffentlich machen die Neuankömmlinge in unserem Viertel keinen Ärger. Andererseits: irgendwo müssen diese Menschen ja unterkommen.

c) Jetzt reichts aber! Ich gehe sofort mit Unterschriftenlisten durch die Nachbarschaft. Diese Pläne müssen um jeden Preis gestoppt werden.

5. Sie beobachten Jugendliche, die im Park ihren Abfall ins Gebüsch schmeißen. Wie denken Sie darüber?

a) Ich bin zwar tolerant, aber das geht für mich echt zu weit. Wenn sich jeder so verhalten würde, wäre unser Park bald eine Müllhalde. Ich stelle die Gören zur Rede.

b) Was will man von der Jugend heute noch erwarten? Keine Verbindung mehr zur Natur, da fehlt es an Grundsätzlichem. Die sollte man zur Arbeit bei der Stadtreinigung verdonnern.

c) Ich möchte nicht wissen, was ich in dem Alter alles getrieben habe. Diese jungen Leute hier wachsen noch und werden es auch noch lernen. Das bisschen Müll muss eine Kommune verkraften, in der Platz für alle Generationen sein soll.

6. Der Freund ihrer Tochter hat vier Jahre seines Lebens im Knast eingesessen. Was denken Sie darüber?

a) Puh! Schwierig. Ich weiß nicht, ob ich ihm vertrauen kann. Vor allem kommt es darauf an, was er ausgefressen hatte. Ehrlich gesagt mache ich mir schon ein wenig Sorgen um meine Tochter.

b) Ach du liebe Güte! Die soll sich bloß von diesem Knastbruder fernhalten. Wer weiß, zu was der noch alles fähig ist?

c) Jeder Mensch kann sich ändern und jeder hat eine neue Chance verdient. Wenn er dazu steht, „Krumme Dinger“ gedreht zu haben und jetzt seine Einstellung geändert hat: „Herzlich Willkommen in unserer Familie!“

7. Es gibt Gerüchte, dass Ihre Chefin regelmäßig Swingerclubs besucht. Ändert das etwas in Ihrem Verhältnis zu ihr?

a) Sodom und Gomorra sag ich da nur! Was ist bloß los mit dieser Frau? Bei mir ist sie auf jeden Fall unten durch.

b) Na, das ist ja interessant! Ich wollte das auch schon immer mal ausprobieren und warte vielleicht eine Gelegenheit ab, mit ihr darüber ins Gespräch zu kommen.

c) Was meine Chefin in ihrem Privatleben macht, ist mir herzlich egal.

d) Warum sollte es? Die Chefin ist ein freier Mensch und darf tun und lassen was sie möchte, solange sie damit niemandem auf die Füße tritt.

8. Ihr direkter Nachbar hat seine Wohnung vorzeitig gekündigt und sucht gerade einen Nachmieter. Es gibt mehrere Interessenten. Wenn Sie mitentscheiden dürften, wen würden Sie sich wünschen?

a) Deutsches Lehrer-Ehepaar, ohne Kinder.

b) Alleinstehende Frau, die als Verkäuferin in einem Sexshop arbeitet.

c) Alleinstehender Mann mit schwarzen Haaren, langem Bart und dunkler Hautfarbe.

d) Mir ist grundsätzlich jeder Mensch willkommen, der in die Nachbarwohnung einzieht.

e) Am allerliebsten wäre mir, die Wohnung würde leer bleiben.

9. Sie sind mit dem Auto unterwegs und haben es heute besonders eilig. Vor ihnen fährt ein „Mann mit Hut“ gemütlich mit Tempo 70. Natürlich können Sie bei dem vielen Gegenverkehr nicht überholen. Was geht Ihnen durch den Kopf?

a) Tja, da kann ich jetzt nichts dran ändern. Komme ich heute eben zu spät. Wie war das? „Wenn du es eilig hast, fahre langsam“ (oder so ähnlich).

b) Boah ey, das war ja wieder klar. Ausgerechnet heute muss so ein Opa vor mir hertuckern. Der soll doch seinen Führerschein abgegeben. Ich fahre dicht auf und gebe ihm mit der Lichthupe zu verstehen, dass er gefälligst Gas geben soll.

c) Echt jetzt? Ich bin doch eh schon so spät dran. Menno. Aber gut, dass der Mensch vor mir vorsichtig fährt. Vielleicht geht es ihm ja heute gesundheitlich nicht besonders. Auf jeden Fall schont er die Umwelt durch seine sparsame Fahrweise.

10. Ihr Sohn kommt nach Hause, Händchen haltend mit seinem neuen Freund. Die beiden gestehen Ihnen, dass sie schon über ein Jahr zusammen sind und dass sie bald heiraten möchten. Wie reagieren Sie?

a) Ui ui ui, das ist heftig. Ich atme tief durch, sage ein langgezogenes "Okaaay…“ und frage freundlich: „Und wann soll die Hochzeit stattfinden?“.

b) Ich freue mich riesig für die beiden, dass sie sich gefunden haben und biete Ihnen gleich an bei den Vorbereitungen für die Hochzeit mitzuhelfen.

c) Naja, Begeisterung fühlt sich anders an, wenn ich ehrlich bin. Ich hätte mir gewünscht, dass er ganz normal eine Frau mit nach Hause bringt. Aber es freut mich, dass mein Sohn zu seinen Gefühlen stehen kann.

d) Ich setze die beiden umgehend vor die Tür und sage zu meinem Sohn: „Du bist hier erst wieder willkommen, wenn du eine Therapie gemacht hast“.

11. Auf dem Gehweg kommen Ihnen zwei Frauen mit Burkaverschleierung entgegen. Was denken Sie?

a) Ich wechsle demonstrativ die Straßenseite, weil ich diese religiös motivierte Verkleidung ablehne.

b) Das ist mal wieder typisch. Wir blöden Deutschen passen uns an, wenn wir in anderen Ländern zu Gast sind. Aber die Ausländer meinen, sie könnten sich bei uns alles erlauben. Das gehört verboten. Und wer sich nicht dran hält, muss unser Land verlassen.

c) Schön, dass wir in einem freien Land leben, wo die Menschen ihre Religion so ausleben können, wie sie es für richtig halten und wie sie es möchten.

d) Naja, schön ist für mich was anderes. Aber letztlich ist es mir egal, wie sich andere Menschen anziehen.

12. Ihre Lebenspartnerin / Ihr Lebenspartner wünscht sich ein Tattoo. Ihnen gefallen Tattoos nicht. Erlauben Sie es ihr / ihm?

a) Des Menschen Wille ist sein Hammelreich! Ich kann zwar nichts dagegen tun, aber wenn es sie / ihn glücklich macht …

b) Wieso sollte ich es ihr / ihm verbieten? Es ist ihr / sein Körper und ihre / seine Entscheidung. Ich unterstütze sie / ihn bei ihrem / seinem Vorhaben.

c) Auf gar keinen Fall. Ich drohe ihr / ihm mit der Scheidung, wenn sie / er sich das Tattoo stechen lässt.

13. Ihr Sohn ist mit einem Jungen befreundet, dessen Eltern einer Sekte angehören. Unterbinden Sie diese Freundschaft?

a) Au weia. Das sind bestimmt Leute, die jedem eine Gehirnwäsche verpassen, der nicht bis drei auf dem Baum ist. Ich verbiete meinem Sohn den Umgang mit diesem Kind.

b) Nein, echt jetzt? Ich persönlich halte ja wenig bis gar nichts von religiösen Splittergruppen. Aber verbieten? Das ginge zu weit. Ich hoffe er findet auch noch andere Freunde.

c) Wie cool ist das denn? Mein Sohn knüpft Freundschaften! Solange ich sicher sein kann, dass er da keinen schädlichen Einflüssen ausgesetzt ist, soll er mit jedem Menschen dieser Erde befreundet sein. Ganz egal, welcher Glaubensrichtung er oder seine Familie angehören.

Auswertungsschema:

1.     a=5 | b=2 | c=1 | d=0
2.     a=5 | b=0 | c=3
3.     a=0 | b=2 | c=5
4.     a=5 | b=3 | c=0
5.     a=3 | b=2 | c=5
6.     a=3 | b=0 | c=5
7.     a=0 | b=3 | c=2 | d=5
8.     a=2 | b=4 | c=4 | d=5 | e=0
9.     a=5 | b=0 | c=4
10.     a=3 | b=5 | c=4 | d=0
11.     a=1 | b=0 | c=5 | d=3
12.     a=3 | b=5 | c=0
13.     a=0 | b=3 | c=5

Auswertung:

0–14 Punkte:
Ei ei ei, Sie sind ganz schön festgefahren in Ihren Ansichten. Ein wenig mehr Toleranz würde Ihnen durchaus gut stehen. Selbstverständlich würden Sie niemanden gewaltsam bekehren oder zu seinem Glück zwingen. Dennoch stehen Sie fest zu Ihrer eigenen Meinung und interessieren sich wenig für andere Blickwinkel. Schade, denn durch diese könnten Sie mehr Vielfalt in der Welt entdecken und sich an ihrer Schönheit erfreuen.

15–29 Punkte:
Sie haben noch Luft nach oben. Da und dort sind sie schon tolerant, in anderen Bereichen weniger. Probieren Sie, wo es für Sie passt, offener zu sein. Sie müssen nicht geich alle Ansichten übernehmen, die andere Menschen haben, doch können sie durchaus von anderen Sichtweisen lernen. Die Welt ist bunt und vielfältig. Haben Sie mehr Mut und probieren Sie aus.

30–49 Punkte:
Hut ab! Sie sind ein ziemlich toleranter Mensch und darauf dürfen Sie wirklich stolz sein. Dennoch gibt es mindestens einen Anteil in Ihnen, der sich noch schwer tut mit vermeintlich „Andersartigem“ und der sich gerne mal abgrenzt. Seien Sie vor allem liebevoll mit sich selbst und akzeptieren Sie diesen Teil, der auch zu Ihnen gehört.

50–65 Punkte:
Wow. Offener und aufgeschlossener als Sie es sind, geht kaum. Wenn es die Toleranz in Person gibt, dann sind Sie das. Ihr Herz ist erfüllt von der Liebe für Ihre Nächsten. Sie sind ein wahrer Menschenfreund und würden niemals über jemanden urteilen, der ganz anders aussieht oder andere Sitten und Bräuche pflegt als Sie.

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Text: Christian Schmitt
In: Pfarrbriefservice.de