Sich in Geduld üben
Es wird ein harter Winter werden, hat uns die Bundeskanzlerin vor Wochen gemahnt. Was würden wir darum geben, sie hätte unrecht gehabt. Die Wintermonate sind hart und unser Geduldsfaden wird arg strapaziert. Mancher mag es nicht mehr aushalten. Könnte außer sich fahren vor Ungeduld. Möchte sich die Maske am liebsten vom Gesicht reißen, ja vielleicht sogar ein Bußgeld dafür riskieren, nur um zu zeigen: Mir reicht´s! Wie lange soll der Lockdown denn noch dauern? Bringt er überhaupt etwas?
Allein, es ist keine böse Macht, die über uns gekommen ist, keine Strafe Gottes und unsere Politiker sind auch nicht allesamt unfähig, wie mancher Leserbriefschreiber in dieser Zeitung argwöhnt. Es ist ein Virus, das uns auf die Geduldsprobe stellt. Das sich weder nach dem Kirchenjahr noch nach Landtagswahlen richtet, weder nach unserem Festkalender noch nach unserem Jahresurlaub.
Geduld hat zwei Seiten. Sie ist wie ein Seil, das zwischen zwei Fixpunkten befestigt ist und an dem ich mich entlang hangele. Meist haben wir nur den einen Haltpunkt im Blick: Das Ende, wenn die Pandemie vorüber ist. Wenn alles wieder so ist wie früher. Na ja, wenigstens das meiste. Den Anfangspunkt jedoch übersehen wir geflissentlich. Wo aber nahm das Seil seinen Anfang?
Als wir im März den ersten Lockdown hatten, erlebten dies viele wie einen Tsunami. Es brach über uns herein. Ein Ende, wie es durch die Impfung in Sicht ist, lag damals noch in sehr weiter Ferne. Jetzt, wo wir vielleicht zwei Drittel des langen Seils entlang gehangelt sind und zurückblicken: Was haben wir in diesen Monaten nicht alles geschafft! Gerade auch zwischenmenschlich.
Bei aller berechtigten Kritik: Unser gesellschaftliches Netz hält. Wir lassen unsere Alten nicht allein und organisieren Notbetreuung für unsere Jüngsten. Wir tragen tapfer die Maske und lassen uns nicht von Populisten provozieren. Wir zeigen innereuropäische Solidarität. Viele Gemeinden verzichten auf Präsenzgottesdienste, weil sie die angespannte Lage im Klinikum im Blick haben. Wir versuchen, regional einzukaufen und drängeln uns beim Impfen nicht nach vorne. Zeigt sich in all dem nicht der Segen Gottes? Mitten unter uns? Gott schenke uns weiter die Geduld, die wir brauchen.
Rudi Rupp, evang. Dekan am bayer. Untermain, In: Pfarrbriefservice.de
Datei-Info:
- Dateiformat: .doc
- Dateigröße: 0,02 MB
Nutzungsbedingungen auf einen Blick:
- Einsatzbereich: Kostenfrei für die nichtkommerzielle kirchliche Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Pfarr-/Gemeindebrief, Plakat, Flyer, Website) sowie für Unterrichtszwecke*
- Urhebernachweis: Sie verpflichten sich, den Namen des Autors / der Autorin sowie „Pfarrbriefservice.de“ als Quelle und ggf. weitere Angaben zu nennen.
- Archivierung & Datenbanken: Eine dauerhafte Speicherung der Datei über den konkreten Verwendungszweck hinaus ist nicht gestattet. Insbesondere der Aufbau eigener lokaler Archive auf Ihrem PC sowie das Einspeisen in andere Datenbanken ist ausdrücklich untersagt.
- Belegexemplar: Wir freuen uns über die Zusendung eines Belegs per E-Mail an beleg@pfarrbriefservice.de oder per Post an unsere Redaktionsanschrift.
- Soziale Medien:
*) Ausführliche Infos zu unseren Nutzungsbedingungen finden Sie hier.
Verpflichtender Urhebernachweis
Bitte nennen Sie Urheber und Quelle wie folgt:In: Pfarrbriefservice.de
