Nichts bleibt für immer in tiefster Dunkelheit

Gedanken zum Gedicht „Die Türe“ von Erich Fried

In einem kurzen Gedicht fragt der österreichische Lyriker Erich Fried (1921-1988), woher der Tag käme, wenn die Nacht keine Türe hätte? Und wohin er ginge, wenn die Nacht keine Türe hätte?
Zwei simple Fragen mit nachhaltiger Wirkung!

Jeden Tag öffnen wir Türen, gehen durch sie hindurch und verändern unseren Blickwinkel. Diese Erfahrung mag mit Erwartung, Neugier, Freude, aber auch mit Angst und Schmerz verbunden sein.

‚Macht hoch die Tür’ ist ein altes Lied im Advent, das uns auf das Weihnachtsfest vorbereitet hat. In dem Weihnachtslied: ‚Lobt Gott, ihr Christen alle gleich’, heißt es in der 4. Strophe: ‚Heut schließt er wieder auf die Tür …’
Wenige Tage vor Weihnachten erlebten wir die geheimnisvolle Zeit der Wintersonnenwende. Nach dem Weihnachtsfest der Geburt Christi folgte bis zum Dreikönigstag die Stille der Raunächte.

Hoffnung, Resignation, Sorge

Wenn ein neues Jahr über die Türschwelle tritt, ein neuer Anfang gemacht ist, fragen wir uns natürlich auch: Was wird es uns bringen?
Nach zwei Jahren Corona sind die Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie groß, ebenso aber auch die Resignation und die Sorge, welche Folge die aktuelle Variante, vielleicht auch künftige Mutationen für uns und unsere Gesellschaft haben wird.

Viele Menschen erfahren immer wieder schmerzlich, dass sich Lebenstüren schließen. Menschen gehen von uns, plötzlich und unerwartet oder nach einer langen Phase des Leidens, Naturgewalten vernichten von jetzt auf gleich mühsam aufgebaute Existenzen.
Geschlossene Türen – tiefste Dunkelheit – rabenschwarze Nacht.

Im Johannesevangelium (Joh 10,9) heißt es: ‚Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.’
Wie tröstlich, nicht alleine zu sein! Wie gut, dass jemand an unserer Seite ist und durch Höhen und Tiefen mit uns geht.

Chance für einen Neubeginn

Erich Fried spricht in seinem Gedicht vom Tag. Tag bedeutet Helligkeit und Licht und das Ende der Dunkelheit. Wie die Sonne auf den Regen folgt, so folgt der Tag der Nacht. Nichts bleibt für immer und ewig in tiefster Dunkelheit.

Wenn sich Türen schließen, enden Ären und Lebensabschnitte, vielleicht auch Beziehungen und Freundschaften, verändern sich Lebensumstände, gehen geliebte Menschen. Doch ein Neubeginn ist nur möglich, wenn sich vorher Türen geschlossen haben. Erst das Licht des Tages zeigt uns neue Wege, Chancen und Herausforderungen.

Schließen wir ab mit dem, was war, und konzentrieren wir uns immer wieder auf das Neue.
Hintertürchen gibt es nicht!

Gaby Bessen, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Gaby Bessen
In: Pfarrbriefservice.de