Liebe braucht ... Gleichsein & Anderssein

Tipps für gelingende Beziehungen (23)

GLEICHSEIN

Manche Paare fühlen sich so gleich gestimmt und einander verbunden, dass sie das aller Welt schon mit ihrer Kleidung zeigen möchten. Der Partnerlook soll dokumentieren, wir gehören ganz zusammen, wir sind gleich. Es gibt aber keine zwei Menschen die einander ganz gleichen. Jeder und jede ist ein Original. Selbst Geschwister, die sozusagen aus dem gleichen „Stall“ kommen, sind verschieden, oft sogar sehr.

Nicht einmal Zwillinge sind ganz gleich. Ein absolutes Gleichsein zweier Menschen gibt es nicht. Wir alle sind gleich an Wert und Würde, aber als eigenständige Personen sind wir immer verschieden. Wenn wir uns verlieben, haben wir oft das Gefühl, wir fühlen gleich, wir sehen und verstehen gleich, wir schwingen sozusagen auf derselben Wellenlänge. Die Fremdheit, die sich später zeigt, empfinden wir als Irritation, ja zuweilen als Kränkung. Das ist normal, wir sind einfach alle verschieden. Aber es ist nötig, dass es in einer Partnerschaft auch das Gleiche gibt. Das erleichtert das Zusammenleben. Dieselben Vorlieben und Hobbys, Freude an den gleichen Dingen und den gleichen Geschmack zum Beispiel. Wie mühselig ist das, wenn man beim Einrichten einer Wohnung immer nur Kompromisse schließen muss, weil einem nicht das Gleiche gefällt.

Leichter ist es, wenn man einen ähnlichen Lebensstil hat, die gleichen Bräuche kennt und liebt, aus demselben „Kulturkreis“ kommt. Auch in Österreich und Deutschland gibt es sehr verschiedene Kulturen, denken Sie an den Unterschied zwischen Tirol und Wien oder zwischen Nord- und Süddeutschland. Da muss man ein Gemeinsames erarbeiten und das Gleiche suchen und pflegen. Sich schöne gemeinsame Erlebnisse gönnen und immer wieder etwas miteinander tun, vom Spazierengehen bis zum Wohnungsentrümpeln, je nachdem was für uns gerade passt.

... UND ANDERSSEIN

Wenn man sich verliebt, ist man zunächst bezaubert und fasziniert, dass es jemand gibt, der so sehr tickt wie man selbst. Sie / er zieht mich aber auch an, weil sie oder er ganz anders ist als ich. Der andere hat das, was mir fehlt, und gerade das macht ihn / sie auch so anziehend für mich. Mit den Jahren erlebt man oft, dass gerade dieses Anderssein, das mich so angezogen hat, das Zusammenleben schwierig macht. Sie liebte ihn, weil er so ordentlich ist. Er liebte sie, weil sie so fantasievoll und kreativ ist. Weil er so ordentlich ist, meint sie mit der Zeit, noch fantasievoller sein zu müssen und weil sie so kreativ ist, meint er, noch mehr auf Ordnung und klare Strukturen achten zu müssen.

Das führt meist zu großen Problemen, bis hin zum Zerbrechen von Beziehungen. Man geht mit dem Anderssein des Partners / der Partnerin einfach schlecht um. Die Andersartigkeit des Partners ist eine Chance und keine Bedrohung für die Beziehung. Wohlwollend wahrgenommen, ist dieses Anderssein ein großer Schatz in der Partnerschaft, das das Leben miteinander auch nach 20, 30, 40, 50 … Jahren lebendig und spannend macht. Das lässt einen neugierig aufeinander bleiben. Wir Menschen können uns bis ins hohe Alter verändern und neugierig bleiben, wenn es Raum dafür gibt. Das macht das Leben interessant und es gibt auch immer noch Überraschungen, wenn man sie zulässt.

Wenn man lernt, das eigene Anderssein und das des Partners als Bereicherung zu erkennen und anzunehmen, ist es faszinierend zu erleben, wie eine gewisse Fremdheit des anderen die Beziehung spannend macht. Wir lernen dadurch neue Dinge kennen und lieben. Das kann einem auch noch nach 20, 30, 40, 50 … Jahren passieren. In einem Gedicht heißt es: „Und wenn ich glaube, jetzt ich kenne dich, dann bist du mir mit einem mal wieder ganz fremd und ich möchte dich neu kennenlernen.“ (aus: Rainer Haak, So kostbar ist der Mensch)

Dr. Luitgard Derschmidt, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Dr. Luitgard Derschmidt
In: Pfarrbriefservice.de