Und vorne hilft der liebe Gott

David Kadel ist Inspirationstrainer, Autor, Redner, Journalist, Kabarettist und Filmemacher, er arbeitet aber auch schon eine ganze Weile mit Fußballern zusammen. Die Fragen stellte Alexandra Schüttler, Pressereferentin des DJK-Sportverbands.

In Ihrem Fußball-Werte-Film ”Und vorne hilft der liebe Gott“ und Ihrem neuen Film mit Davie Selke ist Glaube ein zentrales Thema. Welche Bedeutung hat Glaube für Ihre Arbeit?

Eine ganz ganz große! Ich mache die Arbeit ja schon seit 20 Jahren, Mitte der 90er Jahre habe ich hier angefangen, dass ich Fußballer begleitet habe. Damals kannte man den Begriff Coaching noch nicht, da hat man den Begriff Mentor noch gekannt. Zu dieser Zeit habe ich die ersten Erfahrungen gemacht, indem ich gemerkt habe, wie sehr Fußballprofis immer wieder die Frage bewegt: was gibt mir Kraft? Ich muss ja Leistung bringen. Ich muss funktionieren auf dem Platz, ich habe diesen Erwartungsdruck - alle wollen, dass ich glänze. Ich muss mein Geld wert sein. Und da kam schon damals die Frage auf, ist denn nicht der Glaube etwas, was enorm Kraft und Selbstbewusstsein verleiht? Wenn ich meine Arbeit bis heute zusammenfassen müsste, all die Betreuung von Fußballprofis und von Trainern, aber auch die Bibelkreise, die Coachings, die Bücher, die Filme, da basiert Vieles darauf, dass Hochleistungssportler erkannt haben: ich brauche Kraft, ich brauche Zuversicht, ich brauche Glauben auch in meine eigenen Ziele, ich brauche Selbstvertrauen und viele viele haben erkannt, dass sie Kraft durch den Glauben an Gott erfahren. ”Vorne hilft der liebe Gott“, das sagt Jürgen Klopp so schön – ich habe in Gott einen verlässlichen Partner gefunden, der mir Kraft gibt, der meine Grundfeste, mein Prinzip ist, der meine Leitlinie ist. Bei Jürgen Klopp finde ich es ganz fantastisch, was Glaube für ihn bedeutet. Da könnte ich jetzt noch fünfzig andere Namen nennen, die das ähnlich sehen.

Ein Spieler hat einmal zu Ihnen gesagt: „Glaube ist legales Doping.“ Können Sie den Satz so unterschreiben und was bedeutet das eigentlich?

Ja den Satz kann ich auf jeden Fall unterschreiben. Doping ist letztendlich immer die Frage: was macht einen stärker? So wie andere Menschen sich dopen, weil sie denken, sie bringen bessere Leistung oder sind konzentrierter. Und letztendlich ist der Glaube auch etwas, was im Gehirn etwas auslöst. Dieses Wissen – Selbstbewusstsein, erkläre ich meinen Sportlern immer - kommt ja von: ich muss mir selbst bewusst sein, dass Gott neben mir mitläuft, mich unterstützt. Ich muss mir selbst bewusst sein, wenn ich mit ihm spreche, dass er mich stark macht. Das ist ja quasi legales Doping.

Was macht denn Sportler Ihrer Meinung nach mental besonders stark?

Mentale Stärke kommt ja von dem Wort Mentalität, dem lateinischen mens, mentis – der Gedanke. Es macht einen stark, wenn man weiß, wer man ist. Wenn man in den richtigen Bahnen denkt. Ganz viel von meiner Arbeit basiert auf richtigem Denken. Ich bin überzeugt davon, dass Erfolg eigentlich immer von richtigem Denken kommt, d.h. richtige Entscheidungen treffen, richtig zu handeln. Und Mentalität – heute wird das ja sehr im Fußball gesucht - da gab es kürzlich ein Interview mit ”Aki“ Watzke (Hans-Joachim Watzke), dem BVB-Chef, der gesagt hat, wir suchen einen Mentalitätsspieler. Und Mentalität – das was sich Menschen im Fußball darunter vorstellen – ist einer, der vorangeht, der wenn die anderen verzagen immer noch den Glauben hat. Einer, der nicht egoistisch, sondern für das ganze Team denkt. Einer, der entschlossen ist, einer der Opfer bringt, einer, der hart an sich arbeitet und es kommen für mich auch ein paar Werte ins Spiel. Die vier D: einer der demütig ist, der dankbar ist, der Disziplin hat, der dienen kann. Mannschaftssport ist ja einander dienen. Man hätte keinen Erfolg, wenn man nur Egoisten auf dem Platz hat, die miteinander nichts können. Eine ganze Menge macht Mentalität am Ende aus.

Wie muss ich mir das denn konkret vorstellen? Wie sieht ihre Arbeit mit den Sportlern aus?

Sportler kommen zu mir, aber auch ganz normale Menschen. Ich coache auch Führungskräfte. Aber auch der Mensch, der mit Mitte vierzig zu mir kommt und sagt: Hey ich weiß gar nicht mehr so recht was ich im Leben machen soll? Mein Coaching beginnt immer mit der Frage: was möchtest du erreichen? Ich helfe letztendlich Menschen, dass sie ihre Ziele erreichen. Die Frage ist für mich im Anfang immer: Möchtest du ein gewöhnliches Leben haben wie jeder andere? Ich zeichne zum Beispiel Bilder indem ich sage - 95 Prozent der Deutschen leben so: die arbeiten, damit sie ihre zweieinhalbtausend Euro nach Hause bringen, einmal im Jahr fahren sie nach ”Malle“ und ansonsten guckt der Deutsche im Durchschnitt fünfeinhalb Stunden fern am Tag. Dann sage ich den Leuten: willst du auch so ein Leben haben, dass sich quasi nicht viel verändert. Wenn sie ”ja“ sagen, dann bin ich nicht der Richtige. – Ich möchte ein außergewöhnliches Leben haben. Ich möchte mein Christsein so verstehen, dass mein Leben, wenn es schon Gott gibt und er ist an meiner Seite, dass es dann doch ein Abenteurer sein muss. Das kann ja nicht sein, dass an meinem Lebensende ich sage naja, ich konnte immer meine Miete bezahlen und mein Handy und zweimal im Jahr in den Urlaub fahren, aber eigentlich war es langweilig.

Zurück zum Sport: wenn einer sagt ich möchte eine außergewöhnliche Karriere und nicht eben nur zehn Bundesligaspiele und das war es dann und am Schluss kennt dich keiner mehr nach fünf Jahren, dann wird es spannend, denn dann sage ich ok, dann müssen wir über außergewöhnliche Maßnahmen sprechen. Hierzu habe ich ein Coaching entwickelt, das das ganze Leben durchleuchtet und fragt – wo lässt du viel Energie, die Du unbedingt brauchst und was würde dich mehr stärken, wenn du mehr davon machen würdest? Was würde dich inspirieren? Auf meiner Visitenkarte steht auch nicht Motivationstrainer, sondern Inspirationstrainer, das ist der Kern meiner Arbeit. Ich versuche Menschen zu inspirieren, nicht zu motivieren, ich versuche Menschen einen Spiegel vorzuhalten – ihnen Geschichten zu erzählen – das habe ich mir ein bisschen bei Jesus abgeguckt, der hat ja auch Gleichnisse erzählt. Und wenn Menschen seine Gleichnisse und Geschichten gehört haben, wenn du mal anfängst anderen Menschen zu dienen, wenn du einmal verstehst – geben macht glücklicher als nehmen als Beispiel … dann würde dein Leben so und so und so enden. Ich habe dann einen guten Job gemacht, wenn ich Menschen inspiriert habe, ihnen die Augen geöffnet habe im Sinne von dein Leben ist endlich, schmeiß die Jahre nicht weg, sei anders als die, die fünfeinhalb Stunden nur sich benebeln vor der Glotze und vor ihrem Handy, tausendmal auf Instagram und auf Facebook und immer nur sich das Leben anderer angucken – nimm dein Leben in die Hand. Realisiere deine Träume! Wenn du keine hast, mach dir erst einmal bewusst, was sind deine Träume? Von daher ist jedes Coaching eine maßgeschneiderte Geschichte, wo ich versuche demjenigen wirklich gerecht zu werden, dass er wach wird. Ich möchte Menschen helfen die Augen zu öffnen, zu sagen: jetzt verstehe ich – mein Leben macht plötzlich mehr Sinn.

Und woraus schöpfen Sie Ihre eigene Inspiration für Ihre Arbeit? Sind sie selber gläubig?

Ja das bin ich. Ich bin ganz bewusst lebender Christ. Meine Kraft schöpfe ich zum größten Teil aus dem, was ich in der Bibel entdecke, was ich im Gebet mit Gott entdecke, was ich in der Stille entdecke – ich bin ein Fan von Stille. Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, dass wir Gott manchmal vielmehr in der Stille finden. Aus diesem Zwiegespräch mit Gott schöpfe ich sehr sehr viel Kraft, auch Musik, christliche Musik zu hören, sich einzuschwingen auf seine Welle. Wie eine Radiowelle, dass man dieselbe Frequenz hat und plötzlich passiert etwas mit einem.

Wie meinen Sie kann man von Verbandsseite aus tätig werden, um Sportler mental zu stärken?

Alles beginnt ja mit Kommunikation. Also man kann es thematisieren. D.h. wenn Menschen inspiriert werden, passiert etwas. Da gibt es Aufbruch, da kommt Bewegung ins Spiel, plötzlich verändert man etwas. Man müsste mehr thematisieren – was ist eigentlich ein wirkliches Leben? Ich glaube die meisten Menschen würden nicht unterschreiben, dass sie mit Begeisterung leben. Viele Leute sagen: Ich habe so einen Stress, ich habe Druck, viele Menschen haben Zukunftsängste, haben stän-dig Sorgen. Dass man das thematisiert: kann man als Sportler ein Leben führen – wirklich mit Begeisterung. Dass man abends im Bett liegt und sagt: Hey lieber Gott, das war ein guter Tag, super dass ich hier leben darf, das hat auch etwas mit Demut zu tun in diesem tollen Land in Deutschland, wo ich wirklich die Möglichkeiten habe mich zu entfalten, Freiheiten habe, Dinge zu tun, die du in mich hineingelegt hast, die Gaben, die ich von dir bekomme zu leben. Also ich finde, es gibt ja nichts Schöneres. Aber das alles muss man sich ja bewusstmachen. Ich glaube viele Menschen – gerade junge – haben Probleme, dass sie sich Dinge nicht mehr bewusstmachen und alles für selbstverständlich nehmen und ständig auf das schauen, was sie nicht haben. Statt mit dem, was sie bekommen haben, zu arbeiten und zu wachsen.

Gibt es ein Schlüsselereignis oder einen besonderen Moment, an den Sie sich erinnern, der aufzeigt, was Glaube im Sport bewirken kann?

Da gibt es viele. All diese Sportler, das sind sicher 100, 150, mit denen ich in den letzten 20 Jahren zusammengesessen, gearbeitet habe. Jeder hat ja so seine eigene Geschichte. Was mich am meisten fasziniert, ist eigentlich das Wort Veränderung – Change. Auch ein großer Punkt meines Programms, wo Sportler sagen: ich hatte eine schlechte Einstellung, ich war immer am Jammern. Wenn ich auf der Bank saß war der Trainer schuld. Wenn ich verletzt war, war immer irgendwer anders schuld und ich habe immer die Schuld bei anderen gesucht und habe durch den Glauben eine neue Art von Demut entdeckt. Dass einer sagt: Plötzlich bin ich mehr bei mir geblieben. Demut löst ja auch Selbstkritik aus. Heute haben ja viele Fußballer das Problem, dass sie schon sehr schnell Geld verdienen und dann wird man natürlich auch sehr hochmütig. Man denkt dann vielleicht ich bin selbst so ein kleiner Gott, denn an jeder Ecke wollen sie ein Foto von Dir und ein Autogramm. Plötzlich bist du nicht mehr selbstkritisch, du bist nicht mehr demütig. Und das ist etwas, was mich am meisten begeistert, z.B. Jürgen Klopp, einer der alles erreicht hat, zweimal Meister geworden hintereinander, Champions League Finale, er ist ja so ein erfolgreicher Trainer, dass er sich eigentlich jeden Club aussuchen könnte. Und trotzdem ist er immer wieder bereit, wenn ich mit ihm ein Projekt mache, dass er sagt komm nach Liverpool, lass uns über den Glauben reden, Demut ist wichtig, dass die jungen Leute Demut verstehen und auch David Alaba mit dem FC Bayern München einen Bibelkreis macht. Das sind alles zigfache Millionäre und ich habe ihn gefragt warum machst du das? Und er sagt wir kriegen alles – Macht, Anerkennung, Pokale, Geld, Frauen, alles was sich so ein junger Mann wünschen kann, aber was ich nicht bekomme ist das Wichtigste – Demut und Dankbarkeit und Glaube. Und deswegen treffen sie sich alle vierzehn Tage, machen einen Bibelkreis mit Spielern vom FC Bayern München, mit Spielern von 1860 München sogar, der Erzfeind. Sitzen da zusammen und sagen das Wichtigste wäre von Jesus Demut lernen.

Wo gibt‘s …

 „Und vorne hilft der liebe Gott“:
Ein Fußball-Werte-Film mit David Alaba & Jürgen Klopp
von David Kadel

Mitte 2016 hat David Kadel, nach neunmonatiger Produktion, die Dreharbeiten
zum neuen Kinofilm mit Jürgen Klopp & David Alaba abgeschlossen.
In seinem Roadmovie ”Und vorne hilft der liebe Gott“
besucht der aus Aachen stammende Inspirationstrainer Fußballprofis zu
Hause, um mit ihnen über ihr Erfolgs-Geheimnis zu sprechen.


Und vorne hilft
der liebe Gott“ ist ein Roadmovie, in dem David Kadel sieben Fußballstars zu
Hause besucht, um mit Ihnen über Ihr Erfolgsgeheimnis zu sprechen, darunter
Jürgen Klopp und David Alaba. Werte vermitteln, Vorbildsein, Glaube, Demut
und Dankbarkeit, sich zur Persönlichkeit entwickeln - all diese Themen sind
Inhalte dieses Fußball-Films. David Kadel spricht über Werte und darüber welche
Mentalität sie brauchten, um das zu erreichen, wovon Millionen Jugendliche
nur träumen. Ein Roadmovie, Comedy und Coaching Film zugleich.
undvornehilftderliebegott.de auf DVD & BluRay oder bei kadelfernsehen.de

Und vorne hilft der liebe Gott“ wird als Web-Serie fortgesetzt
Davie Selke Portrait: vimeo.com/199961748 | youtube.com/kadelfernsehen

von: DJK-Sportmagazin 2017, In: Pfarrbriefservice.de

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Das Schwerpunktthema für Juni 2020 - Spezialausgabe mit Materialien für die Jugendseite

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Text: DJK-Sportmagazin 2017
In: Pfarrbriefservice.de