Das "Partnergespräch ohne Thema"

Wichtig ist, sich füreinander zu öffnen

Studien beweisen, dass die Ehezufriedenheit (Beziehungszufriedenheit) stark mit der Zufriedenheit der Partner mit ihren Gesprächen zusammenhängt. Diese Zufriedenheit ist aber nicht von der Menge und der Zeit, die für Gespräche zwischen den Partnern genützt wird, abhängig, sondern von der Qualität dieser Gespräche. Wenn ich erfahre, mein Partner hört mir ernsthaft und wertschätzend zu, das heißt ich kann von meinen Gefühlen, meinen Verletzungen, meinen Problemen, aber auch von meiner Freude und von meinen Erfolgen erzählen, ich kann ihm einfach sagen, wie es mir wirklich geht, dann fühle ich mich als Person angenommen und akzeptiert. Das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt. Wir werden miteinander vertraut, weil wir in unseren Gesprächen uns gegenseitig öffnen können, keine Angst vor Beurteilung und schon gar nicht vor Verurteilung und Abwertung haben müssen, weil wir auch im und durch das Gespräch diesen geschützten Rahmen für die Intimität unserer Beziehung erleben. In diesem Sinn hängt das Gelingen der Partnerschaft vom Gelingen guter Gespräche ab. […]

Diese Art von Gesprächen ist oft nicht ganz leicht zu führen, da wir im Beruf oder sonst in der Öffentlichkeit ja gerade nicht über unser Innerstes reden sollen. Das wäre ja wirklich nicht sinnvoll und geradezu peinlich. Daher haben wir solche Gespräche nicht geübt. Das macht für viele eine Schwierigkeit aus. Eine wesentliche Voraussetzung für diese Gespräche und ihre Qualität ist aber, dass eine “Öffnung von Person zu Person” möglich wird und nicht nur “über etwas” gesprochen wird. […]

In dem Buch von Bernhard Liss: “Exerzitien im Alltag für Ehepaare” habe ich eine Methode gefunden, die dafür hilfreich ist. Da wird vorgeschlagen, dass sich die Partner regelmäßig Zeit für Gespräche ohne ein konkretes Thema oder einen “Anlassfall” nehmen. Dabei sollen sie miteinander festlegen, wie oft dieses Gespräch sein und wie lange es dauern soll. Die Termine müssen dann fix vereinbart und mindestens genau so ernst genommen werden, wie andere unverrückbare Termine.

Unterscheidungen von sonstigen guten Gesprächen

- Der vereinbarte Termin: Es kommt nicht auf die momentane Stimmung an, sondern es geht um einen vereinbarten Service für die Beziehung, der auf jeden Fall durchgeführt wird.

- Die Regelmäßigkeit: Das einzelne Paar muss entscheiden, was der individuellen Situation angemessen ist. Ein 14tägiger Rhythmus sollte zumindest eingehalten werden. Aber auch das wöchentliche Gespräch ist möglich.

- Die festgelegte Dauer: Man redet nicht, “solange es läuft”, sondern im Rahmen einer vorher festgesetzten Zeit. Auch wenn es schwerfällt, gilt es Phasen des Schweigens durchzuhalten und nicht abzubrechen. Die Beziehung muss den Partnern so viel wert sein, dass sie ihr durch die eingehaltene Zeit Chancen der Entwicklung einräumen, egal ob momentan das Gefühl vorhanden ist, dass dies auch gelingt oder nicht.

- Die wechselnde Verantwortung: Die Partner übernehmen abwechselnd die Verantwortung für die Festlegung des Termins, des Ortes und für das Schaffen der entsprechenden Atmosphäre der Ruhe. Festlegen heißt nicht, allein bestimmen, sondern rechtzeitig darauf achten, dass eine entsprechende Vereinbarung getroffen wird.

Grundregeln:

- Der Partner, der für dieses Gespräch die Verantwortung trägt, beginnt und darf ungefähr 15 Minuten sprechen – oder schweigen – ohne unterbrochen zu werden. Das gleiche gilt für den anderen Partner in den folgenden 15 Minuten.

- Der Sprecher versucht Einblick in das eigene Innere zu geben, indem er sein eigenes Gefühl ausdrückt (“Ich habe gestern Angst gehabt....”), die eigene Meinung artikuliert (“Ich lese gern verschiedene Zeitungen, weil....”), die eigenen Wünsche klar ausspricht (“Ich möchte im nächsten Sommer.....”)

- Der jeweilige Zuhörer drückt die Haltung des Interesses aus und stellt keine Fragen, außer es war etwas unverständlich. (“Sprichst du jetzt von gestern oder ganz allgemein?”)

- Bei Problemen ist es wichtig, Verständnis und Mitgefühl auszudrücken und nicht Ratschläge zu erteilen. (“Das muss dich ja geärgert habe.” Statt: “Hast du nicht versucht....”)

- Praktische Fragen, die in der Ehe diskutiert und entschieden werden müssen, sind auf andere Zeiten zu verschieben, damit hier nicht “über Probleme geredet” wird, sondern die Möglichkeit besteht, dem Partner einen Blick in das eigene Innenleben zu eröffnen. (Beispiel: neues Auto. Nicht: Wie wird es finanziert? Aber: “Mir würde ein neues Auto das Gefühl geben...”)

Luitgard Derschmidt, www.eheonline.at
Ein Service des Forums Beziehung, Ehe und Familie der Katholischen Aktion Österreich

Der Link zum vollständigen Text: http://www.eheonline.at/index.php?id=26

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Das Schwerpunktthema für Mai 2013

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Text: Luitgard Derschmidt
In: Pfarrbriefservice.de