Auf ne Limo …

Haben Influencer einen Einfluss auf die eigene Meinung und auf politische Wahlen?

- Ein Gespräch mit Matthias Jonen und Linus Hartmann

Matthias und Linus sind Freunde seit der ersten Klasse. Mittlerweile sind die beiden 16 Jahre alt. Ihre Freundschaft verbindet ihren Spaß am Diskutieren. Manchmal, da treffen sie sich am Wochenende, um einen Filmabend zu machen. Sie quatschen nebenbei und dann kann es passieren, dass sie nachts um drei immer noch debattieren. Eine Diskussion der beiden darüber, wie stark Influencer Meinungen beeinflussen und ob sie sogar Einfluss auf Wahlen haben können.

Linus: Beispiel „Rezo“. Das ist ein Youtuber, der kurz vor der Bundestagswahl das Video „Zerstörung der CDU“ hochgeladen hat. Darin hat er gesagt, dass alle Parteien der großen Koalition schlecht sind. Als kurze Randnotiz am Ende hat er ergänzt: Aber ich glaube, Grüne und Linke sind ganz gut.

Matthi: Ich finde es problematisch, wenn jemand Meinungsmache im Internet verbreitet. Finde ich sehr problematisch.

Linus: Ich fand es problematisch, wie sein Video von der Politik aufgenommen wurde, aus Angst die Jugend zu verschrecken und zu verlieren. Das bedeutet: Du siehst diese Meinung nicht nur in dem Video, sondern sie wird im echten Leben von der Politik bestätigt. Sie wurde aus dem Internet ins reale Leben übertragen. Ich glaube, das ist das Problem. Daher kommt die Macht, dass diese politische Meinung im Internet so eine Wichtigkeit bekommt.

Matthi: Ja, ein großer Influencer, der sehr hoch angesehen ist und einen guten Ruf auf Youtube hat, kann die Jugend nachhaltig prägen.

Linus: Schauen wir uns unsere U18 Wahlen in der Schule an. Niemand in unserer Klasse hat Ahnung von Politik. Zwei, drei Leute vielleicht. Der Rest labert nur Müll. Das ist nicht schlimm. Aber die meisten gehen zur Wahl. Und die Grünen haben bei der U18 Wahl 80 Prozent bekommen. Das heißt: Leute, die keine Ahnung von Politik haben, weil sie das überhaupt nicht interessiert, gehen aktiv dort hin und sagen: Ich wähle die Grünen, die finde ich gut. Sie könnten auch nicht hingehen, aber sie gehen wählen. Die Leute haben eine Meinung zu einem Thema, von dem sie keine Ahnung haben. Ich frage mich: Woher kommt diese Meinung? Das kommt durch die Sozialen Medien. Nicht durch einen Youtuber, nicht durch zwei, aber durch dieses Gesamtbild.

Matthi: Ahhh, wenn alle Youtuber kollektiv etwas rüberbringen, ist das ein großer Eingriff, aber wenn nur einer eine Meinung vertritt, ist das nicht so. Auch, wenn das dein Lieblingsyoutuber ist. Natürlich wird es Rezo Zuschauer geben, die zur Wahl gehen, obwohl sie keine Ahnung haben. Aber es werden sehr wenige sein, die mit 18 sagen: Rezo hat vor zwei Jahren gesagt, ich soll die Grünen wählen, das mache ich jetzt. Glaube ich nicht.

Linus: In einem gewissen Alter kannst du das nicht einordnen. Aber da ist ein Influencer, von dem du täglich unterschwellig eine Meinung gesagt bekommst.

Matthi: Wenn du einem 12-Jährigen eintrichterst, dass eine Partei schlecht ist, weiß er nicht einmal, was das für eine Partei ist. Wenn ich meinem kleinen Bruder ab heute jeden Tag fünf Minuten das Rezo-Video vorführe, wird er nicht mit 18 aus diesem Grund zur Wahl gehen und die Grünen wählen. Da bin ich mir sowas von sicher.

Linus: Aber, wenn da niemand ist, der sich aktiv hinsetzt und sagt, ne das ist falsch, wo siehst du den Punkt Matthi, an dem sich die Meinung ändert?

Matthi: Da würde ich die Eltern dazu ziehen. Die Eltern haben einen größeren Einfluss. Das sehe ich auch bei mir.

Linus: (unterbricht) Aber nicht in der Pubertät.

Matthi: Auf jeden Fall! Außerdem bist du nicht dein ganzes Leben in der Pubertät. Du bist auch nicht in der Pubertät, wenn du wählen gehst!

Linus: Ich würde so weit gehen, dass unsere Generation große Entscheidungsschwierigkeiten hat. Entscheidungen treffen, fällt uns sehr schwer. Wir haben alle Freiheiten. Wir können alles tun. Das heißt: wir müssen uns für eines von vielem entscheiden. Wenn im Internet ein klares Bild vermittelt wird und dir diese Entscheidung abgenommen wird, siehst du das als willkommenes Geschenk. Das ist ein Problem.

Matthi: (unterbricht) Ich glaube nicht, dass ein Influencer die Macht hat, eine Wahl zu beeinflussen oder Großes in Bewegung zu setzen. Jeder ist in der Lage, seine eigenen Entscheidungen zu hinterfragt, wenn er ein bestimmtes Alter erreicht.

Linus: Es kommt darauf an.

Matthi: Natürlich kommt es auf die Person an. Wenn du das nie gelernt hast, wenn du keine Bildung erfahren hast, wenn du aus einer gesellschaftlichen Schicht kommst, in der du mit anderen Problemen zu tun hast, als mit der Politik – dann nicht. Wenn du dich trotzdem entscheidest wählen zu gehen, kann es sein, dass du dich erinnerst, dass Rezo gesagt hat, dass die CDU schlecht ist und du deswegen nicht die CDU wählst. Aber allgemein haben Influencer keinen Einfluss auf Meinungen und persönliche Einstellungen.

Linus: Doch.

Matthi: Influencer können Menschen in eine Richtung bewegen, aber sie können sie nicht komplett umstimmen und dort halten, weil sich die Menschen eine eigene Meinung bilden. Außerdem ändert sich deine persönliche Meinung. Sie wird von deinen Eltern beeinflusst, von deinen Geschwistern, von deinem gesamten Umfeld. Wenn du als 10-Jährige jemandem auf Instagram folgst, der die ganze Zeit eine bestimmte Meinung unterschwellig repräsentiert, hast du mit 20 trotzdem eine andere Meinung zu diesem Thema. Du bist dann in einem Altern, in dem du das hinterfragen kannst und nicht nur nachplapperst.

Linus: Trotzdem können Social Medias die Menschen verändern! Auf jeden Fall!

Matthi: Reale Personen und das nähere Umfeld beeinflussen deine Meinung stärker als Soziale Medien. Da bist du bei mir Linus oder?

Linus: Ich sehe das ganz anders.

Matthi: Du willst mir doch nicht erzählen, dass ein Influencer mehr Macht hat, als deine Eltern?

Linus: Matthi, unsere Meinung wird von Influencern beeinfluss, es fällt einem nur nicht auf, weil viele Influencer Meinungen sehr subtil vermitteln.

Ronja Goj, In: Pfarrbriefservice.de

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Das Schwerpunktthema für Dezember - Spezialausgabe mit Materialien für die Jugendseite

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Text: Ronja Goj
In: Pfarrbriefservice.de