Die Überschrift

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„Aktien fallen um 10 Milliarden! Aktien fallen um 10 Milliarden! Aktien fallen um 10 Milliarden!“, schreit er und läuft über den Platz. Er trägt seine dunkelbraune ausgebeulte Stoffhose mit dem engen Bund über dem Knie und ein weißes Hemd mit weiten Ärmeln. Unter seinem Arm klemmt ein dicker Stapel Zeitungen. Frisch gedruckt, stinkend nach beißender Druckerschwärze. „Aktien fallen um 10 Milliarden!“ schreit er wieder, hält die Zeitung hoch, den hastenden, eilenden Menschen entgegen. Ein Käufer mit schwarzem Hut macht kurz Halt, drückt ihm zwanzig Pfennig in die dreckverschmierte Hand und hastet weiter. Der Junge nickt ihm dankend hinterher und rückt mit seiner Hand die blaukarierte Schiebermütze zurecht. Zeitungsjungen: Junge Burschen, die sich in den 1920-er Jahren die Schlagzeilen, die Überschriften aus dem Leib brüllten.

Do´s

Die Überschrift – Sie kann über Kauf oder nicht Kauf entscheiden. Sie ist ausschlaggebend, ob der Artikel gelesen oder überblättert wird. Eine Überschrift ist wie ein Magnet, sie zieht den Blick des Lesers magisch an, sie ist der erste Text, den er auf einer Seite liest. Sie ist der Einstieg in den Artikel. Darum muss die Überschrift den Leser dazu verlocken weiterzulesen. Sie muss aufmerksam und neugierig machen, muss spannend sein. All das muss dem Autor in einer Überschrift gelingen. Denn die Überschrift bringt die Schlagzeile. Sie ist das zentrale Thema des Artikels. Sie ist wahr, unmissverständlich und klar.

Es lohnt daher, Zeit in die Überschrift zu investieren, gut zu überlegen, sorgfältig zu texten, geschickt zu formulieren. Scharfsinnig zu sein und schlagfertig. Worte zu verwenden, die verständlich sind, eindeutig und attraktiv.

Don´ts

Und trotzdem darf die Überschrift nicht verfälschen oder dramatisieren. Sie darf weder Nullaussagen noch Falschaussagen treffen, die der Artikel später relativiert. Und sie sollte keinen Text aus dem Artikel wiederholen.

Wie ein Haus – Die Struktur der Überschrift

Die Überschrift kann aus drei Zeilen bestehen:

  1. Zeile = Dachzeile, Oberzeile, Überzeile, Kopfzeile, Kopftitel, Titelzeile
  2. Zeile = Hauptzeile, Schlagzeile, Headline, Hauptüberschrift, Titel
  3. Zeile = Unterzeile, Untertitel

Ein Patentrezept gibt es für die Überschrift nicht. Nicht jeder verwendet in der Überschrift die typischen drei Zeilen. Und bei jeder journalistischen Stilform gelten andere Regeln. Jede journalistische Stilform braucht einen anderen Überschriftentyp. Denn die Überschrift einer Nachricht wird anders formuliert, als die eines Magazinberichts.

Die Überschrift des Zeitungsberichts – Knapp, präzise, informierend

„Stocks crash 10 billion“ – „Aktien fallen um 10 Milliarden“. Der Mann mit dem schwarzen Hut liest diese Überschrift, diesen einen Satz und weiß sofort Bescheid. Er weiß, was passiert ist. Er weiß, wann es passiert ist, wo es passiert ist. Er weiß, worum es geht und welche Bedeutung, welche Tragweite dieses Ereignis hat. Ein Satz! Ein Satz, der alles sagt, der alles auf den Punkt bringt. Denn die Überschrift des Zeitungsberichts ist präzise und messerscharf.

Sie informiert den Leser über ein Ereignis: Kompakt und auf einen Blick. Sie reduziert auf das Wichtigste, sagt knapp, was passiert ist, rafft zusammen. Sie macht auf Neues aufmerksam, ist die Kurzfassung der Nachricht oder die Nachricht der Nachricht. Sie punktet beim Leser mit Fakten, mit Seriosität, mit Wahrheit. Und sie punktet, weil sie (bestenfalls) unparteiisch ist, frei von Ironie und unverrätselt.

Wie sage ich es – Die Sprache des Zeitungsberichts

Der Überschrift fehlen die Satzzeichen. Sie hat keinen Punkt und kein Fragezeichen. Denn die Nachricht soll informieren und keine Fragen aufwerfen. Ein Komma trägt sie nur dann, wenn es nicht anders möglich ist. Ihre Sprache ist einfach, klar, verständlich und sachlich. Häufig im Telegrammstil und gespickt mit Verkürzungen. Denn ihre Sätze sind nicht vollständig und ihr fehlen die Verben und die Adjektive.

Die Überschrift des Magazinberichts – Pfiffig, elegant, kreativ

Angenommen der Mann mit dem schwarzen Hut hätte sich damals ein Magazin gekauft, mit einem Artikel über den Aktiencrash. Er wäre von der Überschrift „Aktien fallen um 10 Milliarden“ sicher enttäuscht gewesen. Weil die Magazinüberschrift nicht informiert. So wie das ihre Kollegin die Zeitungsüberschrift macht. Die Magazinüberschrift ist originell, fantasievoll und elegant. Pfiffig, kreativ und spannend. Auch sie macht den Leser neugierig. Lockt ihn, indem sie die Tendenz des Magazinberichts andeutet. Verführt ihn, reizt ihn, macht ihm Lust, den Artikel zu lesen. Sie versucht den Leser in ihren Bann zu ziehen.

Die richtigen Worte – Die Sprache des Magazinberichts

Darum muss sich der Autor aufgeweckt sein, erfinderisch, geistvoll. Er muss sich Gedanken um die Formulierung und die Sprache machen. Denn sie muss nicht nur knapp sein und verständlich wie beim Zeitungsbericht. Sondern spannend oder attraktiv oder überraschend. Und sie kann gewürzt sein mit einer Prise Sprachwitz oder einem Augenzwinkern. Aber: Sie sagt immer die Wahrheit. Sie dramatisiert nicht, sie übertreibt nicht und sie führt nicht in die Irre.

Heute trägt der Zeitungskäufer keinen schwarzen Hut mehr. Die Zeitungsjungen mit den abgewetzten Schnürstiefeln sind verschwunden. Und nicht mehr jeder Artikel wird gelesen. Heute, da hetzen Männer und Frauen mit Smartphones und Laptops durch die Städte. Sie bekommen fast alle Nachrichten kostenlosen im Internet. Und sie überfliegen nur die Artikel, die sie interessieren. Doch eines hat sich nicht geändert: Eine gute Überschrift. Denn sie lässt einen Artikel herausstechen. Und das ist außergewöhnlich, kostbar, von unendlichem Wert. In einer Zeit, in der es ein Meer aus Texten gibt und eine Flut an Informationen. Vielleicht ist die Überschrift heute sogar wichtiger als je zuvor.

Ronja Goj

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