Was ist "erwachsener" Glaube?

Ein Interview mit P. Hubert Lenz, dem Initiator des Vallendarer Glaubenskurses

Seit 1992 werden in Vallendar „Glaubenskurse" für Erwachsene angeboten. Warum gibt es solche Kurse?

P. Hubert Lenz: Viele Wege, auf denen über Jahrhunderte der Glaube selbstverständlich weitergegeben wurde, erreichen heute nicht mehr ihr Ziel. Wenn man z. B. auf die Erstkommunion schaut, wird schnell klar: Ebenso wichtig wie die Kinder sind deren Eltern und Katecheten. Denn viel hängt davon ab, ob die Kinder tatsächlich Erwachsene als Glaubenszeugen erleben.

Oft sagen Katecheten nach der Erstkommunionvorbereitung, dass sie selbst sehr viel persönlichen Gewinn von der Vorbereitung hatten. Ein Indiz, dass Erwachsene durchaus Bedarf in Sachen Glaube haben?

P. Hubert Lenz: Auf jeden Fall. Die Katecheten spüren, dass bei der Begleitung der Kinder ihr eigener Glaube gefragt ist. Da dieser nicht selten auf der Kinder- bzw. Jugendstufe stehen geblieben ist, suchen sie nach Hilfen, um auch selbst im Glauben erwachsen zu werden. In unserer Pastoral gibt es aber nur wenig katechetische Angebote, die sich ausdrücklich an Erwachsene richten, unabhängig davon, ob sie Eltern sind oder nicht. Schon die Tatsache, dass sich Kinder auch in ihrer Glaubensentwicklung stark an Erwachsenen orientieren, zeigt, wie wichtig solche Angebote sind.

Sie sagen, vielfach fehlt ein Glaube, der erwachsenengemäß ist. Was ist „erwachsener Glaube"?

P. Hubert Lenz: Im Kern ist Glaube Gottvertrauen. Erwachsengemäßer Glaube ist dann das dem Leben und den Erfahrungen eines Erwachsenen entsprechende Vertrauen auf Gott. Jesus hat die Menschen nicht durch Druck oder Faszination an sich gebunden, sondern jeden einzelnen herausgefordert, sich frei für Ihn bzw. für ein von Herzen kommendes Vertrauen zu Ihm zu entscheiden.

Die Praxis der Säuglings- und Kindertaufe verlangt schon von daher, dass den als Kinder Getauften im Erwachsenenalter eine Hinführung zu einem persönlichen Gottesbezug angeboten wird. Denn wir sind gerufen, auf Gottes Ja zu uns eine freie, von Herzen kommende Antwort zu geben - wir sind gerufen, unsererseits Ja zu Ihm zu sagen. Solch ein reifes und persönlich verantwortetes Ja-Wort kann man erst als Erwachsener geben.

Dieses JA ist der Kern des Glaubens. Aus ihm entwickeln sich dann wie aus einem Samenkorn schrittweise die anderen Vollzüge: das Gebet wird persönlicher, die Sakramente werden als Lebensquellen erfahren, der persönliche und gemeinschaftliche Umgang mit der Bibel und die Fähigkeit, über den eigenen Glauben auch zu sprechen, nehmen zu, der Umgang mit den Mitmenschen verändert sich - nach einer Zeit intensiverer Beschäftigung mit dem eigenen Glauben wird man auch wacher für die Nöte der Zeit und seiner Mitmenschen.

Natürlich gibt es solche Entwicklungen auch ohne Glaubenskurs. Aber derartige Glaubenswege haben sich inzwischen als Hilfe zu einem lebendigen und überzeugten Glauben bewährt.

Quelle: www.weg-vallendar.de

Verknüpft mit:
Das Schwerpunktthema für Oktober 2008

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Text: www.weg-vallendar.de
In: Pfarrbriefservice.de