Sind Hirntote Tote oder Lebende, die sterben?

Fakten und Einschätzungen zu einer umstrittenen Frage

Entscheidend für eine persönliche Haltung zur Organspende ist die Auseinandersetzung mit dem Hirntodkonzept. In der Gesetzgebung gilt der Hirntod als ein sicheres Zeichen für den Tod des Menschen. Nur Hirntoten dürfen in Deutschland laut Gesetz Organen entnommen werden.

Doch nicht alle sind mit dieser Definition einverstanden. Denn wenn jemand hirntot ist, bedeutet das, dass zwar alle Gehirnfunktionen erloschen sind und auch nicht mehr hergestellt werden können. Aber das Herz schlägt noch, Reflexe können beobachtet werden, die Atmung funktioniert, freilich mithilfe eines Beatmungsgerätes. Der für hirntot erklärte Mensch atmet und fühlt sich warm an. Das macht es für viele Menschen schwierig, den Hirntod als Tod eines Menschen zu akzeptieren. Sie sagen, hirntote Menschen seien Sterbende.

Nur wenige mögliche Organspender

Der Hirntod ist selten, nur wenige Menschen kommen überhaupt für eine Organspende infrage. So verzeichnete die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) für 2018 nur 1.416 mögliche Organspender bundesweit. ​Als mögliche Organspender werden Menschen bezeichnet, bei denen der Hirntod nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt worden ist und keine medizinischen Ausschlussgründe zur Organspende vorliegen.

Hirntod ist ein Ergebnis des medizinischen Fortschritts

Dass es hirntote Menschen gibt, ist ein Ergebnis des medizinischen Fortschritts. Ohne künstliche Beatmung würden diese Menschen nach Ausfall aller Gehirnfunktionen nicht mehr lange atmen. Der Hirntod ist dabei die Folge einer schweren Hirnschädigung, die zum Beispiel durch eine Hirnblutung oder einen Hirntumor auftreten kann. Mithilfe intensivmedizinischer Maßnahmen kann das Herz-Kreislauf-System eine Zeit lang künstlich aufrecht erhalten werden, damit die Organe weiterhin durchblutet und transplantiert werden können.

Die Hirntoddiagnose wird durchgeführt, um Klarheit über den Zustand eines Patienten zu gewinnen. Denn nach Feststellung des Hirntodes werden die medizinischen Geräte abgeschaltet, sofern es zu keiner Organentnahme kommt; die Krankenkasse stellt ihre Zahlungen ein.

Stellungnahme des Deutschen Ethikrates und der deutschen Bischöfe

Sind Hirntote Tote oder Lebende, die sterben? Diese Frage ist unter Medizinern, Ethikern, Juristen und Theologen umstritten. So schloss sich eine Mehrheit des Deutschen Ethikrates in der Stellungnahme „Hirntod und Entscheidung zur Organspende“ von 2015 der Auffassung an, dass der Hirntod ein sicheres Zeichen für den Tod des Menschen ist. Aber immerhin 7 von 25 Mitgliedern vertraten die Ansicht, dass „der Hirntod kein Kriterium für den Tod des Menschen“ sei. Trotzdem sei die „Entnahme lebenswichtiger Organe bei Menschen mit irreversiblem Ganzhirnversagen ethisch wie verfassungsrechtlich legitim, sofern dies dem ausdrücklichen oder mutmaßlichen Willen des Betroffenen entspricht“. Die Stellungnahme kann man lesen unter www.ethikrat.org.

Demgegenüber formulierte die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz in einer Handreichung von 2015 mit dem Titel „Hirntod und Organspende“: „Nach jetzigem Stand der Wissenschaft stellt das Hirntod-Kriterium im Sinne des Ganzhirntodes – sofern es in der Praxis ordnungsgemäß angewandt wird – das beste und sicherste Kriterium für die Feststellung des Todes eines Menschen dar, so dass potentielle Organspender zu Recht davon ausgehen können, dass sie zum Zeitpunkt der Organentnahme wirklich tot und nicht nur sterbend sind.“ (www.dbk.de)

Eine 19-seitige Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert über den Hirntod und beantwortet häufige Fragen (als pdf-Datei herunterladbar unter www.organspende-info.de).

Elfriede Klauer, In: Pfarrbriefservice.de

Verknüpft mit:
Das Schwerpunktthema für Februar 2020

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Text: Elfriede Klauer
In: Pfarrbriefservice.de