Schleifen und geschliffen werden

Jeder von uns hat sie schon mal gesehen und mit den Händen berührt, was ein sehr angenehmes Gefühl hinterlässt: Kieselsteine, ganz unterschiedlich in  Größe, Farbe und Maserung. Sie sind die Reste vom Muttergestein abgebrochener Felsbrocken, die mit der Zeit durch Winde, Sturm, Wasser und Wellenschlag immer kleiner und runder wurden, Opfer unerbittlicher Schleifkräfte.

Aber durch ihre gegenseitige Reibung schleifen sie auch die Kiesel neben sich. Es ist ein Geschliffenwerden, aber auch ein Schleifen. Nicht brutale Kräfte formen sie, sondern eine unglaubliche Geduld und eine ewige Wiederkehr. Sie sind wie ein Schneeball in der Wärme ewiger Berührung. Auch wir Menschen kennen das, Ohnmacht und Macht, Opfer und Täter zugleich. „Wasser bricht Stein.“

In ähnlicher Weise lässt sich auch sagen: „Worte können Menschen brechen“, wenn sie immer und immer wieder an ihrer Seele reiben und schleifen. Viel mehr als dramatische Auseinandersetzungen können langjährige Nörgeleien oder eine tagtägliche Kritik anrichten. Aber auch die Liebe hat diese Kraft. „Eine Flaumfeder kann einen Kieselstein rundschleifen, sofern sie von der Hand der Liebe geführt wird.“ (Hugo von Hofmannsthal)

Stanislaus Klemm, In: Pfarrbriefservice.de

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Kieselsteine

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Text: Stanislaus Klemm
In: Pfarrbriefservice.de