Ein Gefühl von Barmherzigkeit

Denkanstoß von Schwester Jordana

Während einer Schulung für das Wort zum Sonntag hatten wir Sprecher und Sprecherinnen die Aufgabe, Menschen in einer Fußgängerzone zu interviewen. Unter anderem gab es die Vorlage, Menschen zu „unmodernen“ Begriffen aus dem kirchlichen Leben zu befragen, zum Beispiel: Was sagt Ihnen der Begriff „Barmherzigkeit“? Es war interessant, was Menschen darauf antworteten.

Ein Mann erzählte mit Tränen in den Augen, wie er in einer Phase von Krankheit umsorgt wurde, dass es Menschen gab, die für ihn da waren. Das wäre für ihn Barmherzigkeit gewesen.

Jugendliche kannten den Begriff nicht, doch einer warf ein: „Ej, das war aber barmherzig, Mann!“

Barmherzigkeit ist als Wort aus der Mode gekommen. Und wenn es heute im Sprachgebrauch verwendet wird, dann oft so, wie es die Jugendlichen sagten, mit einem leicht ironischen Unterton, als eine Geste von oben herab, von dem der hat und so barmherzig ist, einem armen Schlucker etwas zu geben.

Dabei ist es genau das nicht! Derjenige, der barmherzig handelt, lässt sich von der Not des anderen im tiefsten Inneren erschüttern, anrühren und handelt daraus. Aus einem ganz warmen Gefühl der Liebe und des Naheseins. Jemand, der barmherzig handelt, handelt eben nicht von oben herab, sondern steigt hinunter, wie der barmherzige Samariter von seinem Esel absteigt und den verletzten Mann hinauf hebt (Lk 10, 25-37). Es sind Hilfe und Mitgefühl auf Augenhöhe, weil es mir ein Bedürfnis ist, weil mich mein Herz dazu drängt. Weil mich der Mensch anrührt und mir wichtig ist. So durfte es der alte Mann in der Fußgängerzone erleben. Und so wünsche ich es vielen Menschen, die Not leiden oder krank sind.

Wussten Sie eigentlich, dass am ersten Sonntag im Juni der Barmherzigkeitssonntag gefeiert wird? Denn: Gott hat ein Herz für UNS. Das steht fest!

Schwester Jordana
Quelle: Liborius Magazin LiMa 6/2009, www.liborius.de – Die katholische Erlebniswelt

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Das Schwerpunktthema für Juni 2011

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Text: Schwester Jordana
In: Pfarrbriefservice.de