Christen und Halloween - Was ist der angemessene Umgang?

Was ist der angemessene Umgang mit Halloween? Die ideale Lösung scheint es derzeit nicht zu geben. Beide denkbaren Möglichkeiten haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile.

a) Rückzug

Es gibt gute Gründe dafür, sich kirchlicherseits nicht an Halloween zu beteiligen. Der Charakter des Festes mit kommerziell vermarkteter Lust am Grusel und Schrecken des Horrors passt schlecht zur christlichen Botschaft. Die kostümierte Identifikation mit Teufeln, Gespenstern und Maskenmördern kann den Bereich spielerischer Fiktion überschreiten. Zudem muss man sagen: Die Kirche braucht dieses Fest nicht. Es gibt mit dem Reformationstag, Allerheiligen, Erntedank und Martinsfest genügend andere Festthemen in unmittelbarer zeitlicher Nähe. Insofern ist es durchaus eine sinnvolle praktische Entscheidung, die vorhandenen Energien darauf zu konzentrieren.

Unbehagen bleibt dennoch angesichts der Tatsache, dass damit ein Fest, das jahrhundertelang eine christliche Prägung besaß, quasi kampflos in die Hände neuheidnischer Interpretationen abgegeben wird. In der Zeit des allgemeinen Traditionsabbruches suchen Menschen nach neuen Bräuchen und Ritualen, um ihrem Leben Struktur und Halt zu geben. Neuheiden stehen bereit, das ehemals christliche Allerheiligen mit ihren Vorstellungen und Bräuchen zu okkupieren. Wenn die Christen sich an dieser Stelle nur in ihre eigenen Kirchenmauern verkriechen, um nicht mit den Anfechtungen des makaberen Zeitgeistes konfrontiert zu werden, verleugnen sie ihre Mission. Das christliche Profil entsteht nicht durch ein ängstliches Vermeiden und Heraushalten aus allem, was auch (mal) einen heidnischen Bezug hat(te). Wäre es so, hätten die Missionare gar nicht erst aus Irland aufbrechen müssen. Salz der Welt (Mt. 5,13) wird man nicht, wenn man im Salzfass bleibt.

b) Mission

Für die christliche Kirche stellt sich darum in diesem Wandlungsprozess die Aufgabe, die Botschaft von der Befreiung durch Christus auch in solche veränderte Festkultur hineinzutragen und den Menschen eine christliche Deutung ihrer Lebenssituation anzubieten. Wie damals Papst Gregor IV. stehen wir heute vor der Aufgabe, das »Fest zu taufen«. Dies braucht Mut und Phantasie, christliche Inhalte in einer (neu)heidnisch geprägten Umgebung zu verkünden.

Wie könnte dies konkret aussehen? Eine Aufgabe könnte sein, durch Zeichenhandlungen und Symbole auch anhand vorgegebener Elemente von Halloween christliche Inhalte möglichst sinnlich erfahrbar werden zu lassen. Die christliche Interpretation darf dabei natürlich nicht fehlen. Beispielhaft sollen einige – sicherlich noch verbesserungsfähige Vorschläge – gewagt werden:

  • Wenn im christlichen Kindergarten Kürbisse verziert werden, dann könnte dazu eine christianisierte Fassung der Legende von Jack O‘Lantern erzählt werden. Der Kürbis ist darin keine schreckliche gruslige Fratze, sondern das Erkennungszeichen derer, die über Tod und Teufel Gewalt haben, da sie die Kraft des Kreuzes kennen. Vor diesem Hintergrund habe ich kein schlechtes Gefühl mehr, wenn meine Kinder im kirchlichen Kindergarten Kürbisgesichter ausschneiden.
  • Wenn Kinder als Geister und Gespenster verkleidet sind, dann könnten sie unter einem Kreuzeszeichen versammelt werden. Damit ließe sich ein sichtbares Zeichen dafür aufstellen, dass Christus der Sieger über alle Wesen und Gestalten ist, die uns Angst machen können.
  • Wenn Kinder beim »Trick or Treat« (Süßes odes Saures) Süßigkeiten erbetteln, dann könnten sie die Hälfte davon am Martinstag ins Kinder- oder Asylbewerberheim bringen. (Aufdringlichkeiten und böse Streiche vertragen sich damit aber nicht!)

Mit etwas Phantasie lassen sich gewiss noch weitere Anknüpfungspunkte finden. Freilich bleiben auch hier Bedenken bestehen, die nicht einfach von der Hand zu weisen sind. Wie sollen die notwendigen Grenzen gezogen werden? Horror ist keine christliche Gemütsregung. Gewaltverherrlichung und das Weiden an Schrecken und Grausamkeiten haben in einem christlichen Rahmen ebenso keinen Platz. Ob sich dies bei einer Halloween-Party mit Jugendlichen praktisch vermeiden lässt, bleibt fraglich. Auch die christianisierte Kürbislegende zeigt in ihrem magischen Gebrauch des Kreuzeszeichen theologische Schwächen. Den Vorwurf, die deutliche äußere Unterscheidbarkeit von christlichen und anderen Feiern zu verwischen, wird man sich mit solchen Experimenten leicht einhandeln.

Dennoch ist es Aufgabe aller Christen, ihren Glauben auch in die Welt und ihre Feiern hineinzutragen und gegenüber der Angst von der Freiheit durch Christus zu zeugen. Dies bedeutet nicht das gedanken- und unterschiedslose Mitmachen von allem, was die Populärkultur an Geschmacklosigkeiten hervorbringt. Wohl aber gilt es, stets in der eigenen Umgebung darauf zu achten, wie die befreiende Kraft von der Erlösung durch Christus glaubhaft mit dem eigenen Leben bezeugt werden kann. Das Zentrum des Christentums, der Sieg Christi über Hölle, Tod und Teufel durch Tod und Auferstehung, berührt genau die Themen, mit denen sich die Menschen zu Halloween befassen.

Dr. Harald Lamprecht
Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Dresden
Quelle:
www.praxis-gemeindepaedagogik.de

Den vollständigen Text mit dem Titel „Heidnische Kürbisgespenster?“ lesen Sie unter http://www.christenlehre.de/main_frame_folder/Fruhere_Hefte/2005-3/lamprecht.html

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Das Schwerpunktthema für November 2008

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Text: Dr. Harald Lamprecht
In: Pfarrbriefservice.de