Mit Themen mehr Leser gewinnen

Redaktion des Pfarrbriefes gott.komm setzt Schwerpunkte

von Elfriede Klauer am 18.04.2012 - 06:00  

Kath. Kirchengemeinde Rösrath

Titelblatt-Ausschnitt der gott.komm-Ausgabe vom April 2011

"Kollekten - (k)ein Kinderspiel?" - "Die Elf Gebote" - "Zeitnot - raus aus dem Sog!" - so heißen nicht etwa Bestseller bei Amazon, sondern Themenausgaben des Pfarrbriefes gott.komm. Diesen veröffentlicht der Pfarrgemeinderat St. Nikolaus in Rösrath (Erzbistum Köln) dreimal im Jahr. Er umfasst regelmäßig 32 sehr ansprechend gestaltete, farbige Seiten. (zum Pfarrbrief)

Die prägnante Schlagzeile kündigt auf der Titelseite das Thema der aktuellen Pfarrbriefausgabe an, sie macht neugierig auf den weiteren Inhalt und legt einen roten Faden vor. Rund die Hälfte der Beiträge im Heft befassen sich mit dem Schwerpunktthema, so das Leitwort des Pfarrers, die passende Erzählung, der Impuls zum Nachdenken, der allgemein erklärende Text, das Interview oder der Beitrag für die Kinderseite.

Die fünf Redakteurinnen und Redakteure von gott.komm, Dr. Sabine Viefhues, Christa Trué, Monika Boxberg, Barbara Demmer und Georg Heller, beschreiben im Interview, warum sie für jede Ausgabe ein Schwerpunktthema suchen und welche Erfahrungen sie damit machen.

Liebes Redaktionsteam von gott.komm, Sie stellen die einzelnen Pfarrbriefausgaben immer unter ein bestimmtes Thema. Warum?

gott.komm-Team: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ausführliche Berichte über Ereignisse in der Pfarrgemeinde im Wesentlichen von denen gelesen werden, die dabei waren – und das ist in der Regel nur ein vergleichsweise geringer Prozentsatz der Gesamtgemeinde. Wir wollen aber mehr Leser gewinnen und dazu anregen, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die uns alle betreffen, so zum Beispiel das Problem der „chronischen Zeitknappheit“ in unserer Gesellschaft, oder die in unserer Kirchengemeinde vor Ort gerade besonders aktuell sind, so zum Beispiel das Thema Kollekten oder in unserer neuesten Ausgabe das Thema Ökumene in unserer Stadt.

Sie beleuchten das Thema mit unterschiedlichen Bausteinen, wie Erzählungen, Info-Texten, Interview usw. Woher bekommt Ihr Team die Ideen dazu und das entsprechende Material?

gott.komm-Team: Wir versuchen, das von uns gewählte Schwerpunktthema aus möglichst vielen Blickrichtungen zu beleuchten. Dabei helfen uns auch unterschiedliche Stilformen. Gerne führen wir Interviews oder Umfragen, weil wir glauben, dass diese Gespräche gerne gelesen werden und einen besonders ehrlichen und unverkrampften Zugang zum Thema ermöglichen. Dabei halten wir Umfragen zu sehr persönlichen Fragen bewusst anonym. Es ist uns aber auch schon passiert, dass die Verfasserin einer anonymen Stellungnahme von ihren Bekannten dennoch erkannt wurde … Wichtig ist uns, dass wir als Redaktion keine Problemlösungen bieten können, sondern primär dazu anregen wollen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dabei verschiedene Blickwinkel einzubeziehen.

Wie machen Sie das, für das Thema ein griffiges Motto zu formulieren?

gott.komm-Team: Oh, das ist tatsächlich nicht immer einfach. Beim ersten Planungstreffen „spielen“ wir meist mit den Begriffen und werfen sie uns wie Bälle zu, das heißt, wir machen ein Brainstorming. Es kommt aber auch vor, dass keiner dieser Vorschläge so richtig „zündet“. Dann geht die Diskussion per E-Mail weiter. Manchmal kommt eine gute Idee in einem völlig anderen Kontext (im Gottesdienst, auf einer längeren Autofahrt …).

Wie lange ist die Planungszeit und wie laufen die Absprachen im Redaktionsteam bzw. mit den hauptamtlichen Mitarbeitern der Pfarrei?

gott.komm-Team: Eigentlich beginnt mit jeder „fertigen“ Ausgabe schon die nächste. Schon bei der Schlusskonferenz der laufenden Ausgabe erstellen wir den Terminplan für die nächste: Vorgespräch, Redaktionsschluss, Schlusskonferenz und zwischendurch viele E-Mails.

Insgesamt benötigen wir vom ersten Planungstreffen bis zur Druckreife etwa zehn Wochen. Beim ersten Treffen legen wir das Thema fest und überlegen, wer welchen Beitrag dazu liefern könnte. Jede gott.komm-Ausgabe lebt davon, dass möglichst viele verschiedene Autoren aus unserer Kirchengemeinde daran mitschreiben.

Wir sind ein gut aufeinander eingespieltes Team, in dem sich jeder für die Aufgaben, die er übernommen hat, verantwortlich fühlt und zuverlässig mitarbeitet. Wir diskutieren sehr offen, und es macht viel Freude, weil gott.komm uns allen sehr am Herzen liegt.

Hinzu kommt, dass uns unser Pastor Franz Gerards viel Gestaltungsfreiheit lässt. Soweit es ihm zeitlich möglich ist, nimmt er an unseren Redaktionstreffen teil, verfolgt aber auf jeden Fall den Werdegang unserer Pfarrbriefe per E-Mail mit und meldet sich immer dann zu Wort, wenn etwas theologisch fraglich wird. Das wiederum gibt uns Sicherheit. Außerdem schreibt er fast immer Grußwort und Leitartikel für uns und unterstützt uns dadurch sehr.

Wie hoch würden Sie den Mehraufwand durch das Schwerpunktthema beziffern?

gott.komm-Team: Eigentlich ist es eine Erleichterung, da durch den „roten Faden“ eine Richtung vorgegeben ist.

Wie finden Sie die verschiedenen Schwerpunktthemen?

gott.komm-Team: Manchmal sind es aktuelle Themen, am besten mit lokalem Bezug, so zum Beispiel das Thema „Ökumene“. Anlass war die Feier der evangelischen Kirche Rösrath zu ihrem 450-jährigen Bestehen.

Eigentlich gibt es kein Patentrezept für die Themenfindung. Manchmal sind es Dinge, die uns persönlich bewegen, so zum Beispiel das Thema Zeitnot. Manchmal nehmen wir Ereignisse aus dem Gemeindeleben zum Anlass. Auf jeden Fall sind wir bemüht, die verschiedenen Altersgruppen in unserer Pfarrgemeinde anzusprechen.

Bei 32 Seiten einer Pfarrbriefausgabe und einem Schwerpunktthema - wie stellen Sie sicher, dass dadurch andere Dinge aus dem Pfarreileben in der Berichterstattung nicht zu kurz kommen?

gott.komm-Team: Unmittelbar nach dem ersten Redaktionstreffen erstellen wir einen genauen Themen- und Seitenplan, bei dem wir auch den Umfang der einzelnen Beiträge festlegen. Dabei begrenzen wir das Schwerpunktthema von vorneherein so, dass noch genügend Platz für andere Themen aus unserem Pfarreileben bleibt. Leider kommen unsere Autoren mit der von uns gewünschten Zeichenzahl nicht immer hin. Dann heißt es Kürzen und Wettbewerb, das heißt, die interessantesten Beiträge haben die besten Chancen. Manche Texte und Ideen heben wir einfach für die nächste Ausgabe auf.

Wie gefallen Ihre Themen Ihren Leserinnen und Lesern?

gott.komm-Team: Ehrlich gesagt erhalten wir leider relativ wenig schriftliche Rückmeldungen und Leserbriefe. Aber wir werden des Öfteren spontan angesprochen und bekommen dann auch viel positives Feedback. Einige finden das Konzept gut, einige sind auch nicht zufrieden, weil der Pfarrbrief kein Sprachrohr der Gruppierungen der Pfarrei ist und sie ihre Aktivitäten zu wenig gewürdigt finden. Aber wir als Redaktion halten daran fest, dass wir immer zwei Fotoseiten „Aus dem Gemeindeleben“ bringen als Rückschau, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir haben auch schon dazu aufgerufen, sich durch Zuschriften an gewissen Themen zu beteiligen, aber der Rücklauf war eher schwach.

Wie würden Sie Ihre Zielgruppe beschreiben, die Sie erreichen möchten?

gott.komm-Team: Mit unserem Konzept und unseren Themen wollen wir unsere Pfarrangehörigen, aber auch Außenstehende erreichen und interessieren. Uns ist bewusst geworden, dass der Pfarrbrief die einzige Brücke zu allen Gemeindemitgliedern, auch zu den weniger Aktiven, ist. Damit wir diese Gruppe nicht mit für sie wenig interessanten Beiträgen „abschrecken“, haben wir mit den „Insidern“ vereinbart, dass wir Aktionen und Aktivitäten der letzten Zeit durch Fotos dokumentieren. Das klappt im Moment ganz gut.

Was raten Sie anderen Pfarrbriefredaktionen, die ebenfalls ihre Pfarrbriefausgaben einem bestimmten Thema widmen möchten?

gott.komm-Team: Sauber recherchieren, realistisch bleiben und sich nicht zu komplexe theologische Themen vornehmen. Man sollte sich bei jedem geplanten Beitrag vorher genau überlegen, wen oder was man damit erreichen möchte, und die Autoren entsprechend „briefen“.

Darüber hinaus haben wir gute Erfahrungen mit einer Beratung durch einen Mitarbeiter des Erzbistums gemacht, der uns geholfen hat, unser Redaktionskonzept festzulegen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Tipp: Pfarrbriefredaktionen finden bei Pfarrbriefservice.de vielfältige Anregungen und Materialien für Themenausgaben in der Rubrik „Schwerpunktthemen“.

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