Die Bildunterschrift

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Ein junger Angler

© Friedbert Simon

Bild und Bildunterschrift sind wie ein Köder, der die Leser gleichsam in den Text hineinziehen soll.

Montagmorgen, sechs Uhr. Der Frühstückstisch ist gedeckt. Rote Johannisbeermarmelade, Milch, eine Kanne frisch gebrühter Kaffee. Dazwischen: ein Magazin. Jürgen schmiert sich sein Toast und beißt genüsslich hinein. Während er kaut, angelt er nach dem Magazin, das er sich am Vortag gekauft hat. Flüchtig blättert er darin. Schaut, welcher Artikel ihn interessieren könnte. Uninteressant, uninteressant, uninteressant – interessant! Zumindest dieses eine Foto von der dunkelhäutigen Frau, die alleine, inmitten einer mehrspurigen, menschenleeren Straße steht. Vor ihr drei schwarz gekleidete, schwer bewaffnete Polizisten. Jürgen liest den Text, der unter dem Bild steht.

Er tut genau das, was viele Leser tun. Sie steigen über das Bild und die Bildunterschrift in den Artikel ein. Sie sehen sich die gedruckten Bilder an. Und wenn sie ein Bild interessiert, rutscht ihr Blick tiefer, zum Text, der darunter steht. Er heißt: Bildzeile, Bildunterzeile, BU, Bildtext, Legende oder Caption. Und er ist der Köder. Der Köder, der den Leser in den Artikel hineinziehen, ihn zum Lesen anregen soll. Der das Interesse, das der Leser am Artikel hat, festigt und die Reaktion des Lesers auf das Bild auffängt. Darum muss der Autor die Bildunterschrift sorgfältig texten, gut formulieren, kreativ sein. Mit Sätzen, die kurz sind, konkret, knapp. Die präzise Infos liefern. Die aber auch unterhaltend sein können und witzig und kreativ.

So läuft das

Der Text muss deshalb zum Bild passen. Er beschreibt nicht, was der Betrachter Jürgen auf dem Bild sowieso mit seinen Augen sieht. Nein, er macht den inhaltlichen Zusammenhang von Bild und Artikel deutlich. Kurz, bündig. (http://www.pfarrbriefservice.de/article/studium-mit-journalistenausbildu...) Die Bildunterschrift beantwortet meist die wichtigsten W-Fragen zum Bild. Sie erklärt, wer oder was darauf zu sehen ist, wann es aufgenommen wurde, wo und warum. Ist etwas Auffallendes im Bild, geht die Bildunterschrift darauf ein. Das können überraschende Details oder Zusatzinformationen sein. Außerdem erklärt sie, welche Personen zu sehen sind, wie sie heißen - mit Vor- und Nachnamen – welche Funktion sie haben und wo sie auf dem Bild zu sehen sind. Bei statischen Gruppenbildern gelingt das am einfachsten mit Ortsangaben (links, v.l.n.r. = von links nach rechts). Sind zu viele Personen auf dem Bild, konzentriert sich die Bildunterschrift auf die prominentesten Personen. Sie nennt ihre Namen und ihre Funktion, sagt, wo sie im Bild zu finden sind und stellt zwischen Bild und Artikel inhaltlich einen Zusammenhang her (http://www.pfarrbriefservice.de/image/das-pfarrbriefservice-team-mit-med...).

Doch in beiden Fällen muss der Leser mühsam mit dem Finger abzählen, welcher Name in der Bildunterschrift zu welcher Person auf dem Foto gehört. Am elegantesten ist es darum, wenn die Bildunterschrift ihren Fokus auf eine Tätigkeit, auf eine Bewegung legt, auf etwas, das eine Person im Bild tut. Denn dann identifiziert diese Tätigkeit die Person, von der die Bildunterschrift erzählt. Einfach, unkompliziert und auf einen Blick. Ohne Ortsangaben, ohne abzählen, ohne v.r.n.l.

Perfekt passt in die Bildunterschrift der Bildautor, der Fotograf, der Urheber des Fotos. Es ist sein Werk, sein Name ist daher Pflicht. Ist in der Bildunterschrift kein Platz, kann der Name aber auch direkt am Bild oder im Impressum stehen.

So läuft es nicht

Nicht alles darf in die Bildunterschrift. Optimalerweise wiederholt sie keine Formulierungen aus der Überschrift oder aus dem Vorspann oder dem Artikel. Das langweilt den Leser. Sie darf auch nichts behaupten, was nicht auf dem Bild zu sehen ist. Sie darf nicht spekulieren. Darf nicht über Motive oder Absichten der Personen sinnieren. Darf ihr keine Emotion, Stimmung, Empfindung andichten oder Inhalte erfinden. Ist das abgedruckte Bild ein Archivfoto oder ein gestelltes Bild, dann sollte die Bildunterschrift das benennen. Ist es ein Bild aus einer anderen Quelle, zum Beispiel von einem Buchverlag oder aus dem Internet, muss die Bildunterschrift das sagen. Verschweigt sie es, liegt eine Urheberrechtsverletzung vor und das kann teuer werden. Außerdem müssen die Abdruckrechte des Bildes geklärt sein.

Jürgen schiebt sich den letzten Bissen Toast in den Mund und liest den letzten Satz des Artikels. Es war dieser kleine Text, die Bildunterschrift, die ihn gelockt, verführt hat, den Artikel zu lesen.

Ronja Goj

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Dieser Beitrag ist Bestandteil des Kapitels „Sprache“
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