25.06.2019 - 05:32

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Oder: Warum ein gewisser „Schlunz“ im Garten ganz hilfreich sein kann

von Ralf Roesberger, Der Selbstversorgerkanal auf www.youtube.com
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Innerlich bin ich ein zerrissener Mensch. Jedenfalls, wenn es um den Garten geht. Auf der einen Seite lebt in mir ein preußisch geprägter Hobbygärtner, bei dem alles in militärisch anmutender Ordnung zu stehen hat. Reihen wie bei einer Parade auf dem Roten Platz in Moskau. Mit großen und kleinen Pflanzen, jede nach ihren Bedürfnissen. Da darf kein Unkraut wachsen. Alles, was da nicht hingehört, muss weg. Fehlt nur noch die Marschmusik, um dem Gemüse den Takt zu blasen.

Auf der anderen Seite lebt aber auch ein ziemlicher „Schlunz“ in mir. Wer den Ausdruck nicht kennt: Als einen Schlunz bezeichnet man bei uns in der Gegend einen Menschen, der seine täglichen Geschäfte nicht wirklich geregelt bekommt. Reihe gerade? Ach, die kann auch wie ein Flitzebogen aussehen. Unkraut? Ach, die wollen doch auch nur leben. Schädlinge? Ach was, die Natur wird es schon regeln.

Ich teile das Gartenjahr

Ich kann Ihnen sagen, als ambitionierter „Möchtegern-Selbstversorger“ steckt man da ab und an ziemlich in der Zwickmühle. Hin und her gerissen zwischen preußischer Ordnung und dem dringenden Wunsch, auf der Couch zu liegen und Gott einen guten Mann sein zu lassen. Irgendwie habe ich da aber mit mir selbst einen Frieden geschlossen. Zu Beginn des Jahres überwiegt der preußische General in mir. Kommt erst einmal die Sommerzeit mit all ihren Verpflichtungen und Terminen, erlangt immer mehr der Schlunz die Oberhand, bis er dann gegen Ende der Saison den Preußen vollends in die Kaserne verbannt hat, wo er sich dann wieder auf den nächsten Krieg vorbereitet :)

Auch ein Schlunz hat mal ein Erfolgserlebnis

Jetzt könnte man meinen, der Schlunz in mir mache viele Anstrengungen des Generals zunichte. Ist auch so. Aber nicht immer muss der Schlunz in mir nur für Misserfolg stehen. Manchmal, mit steigernder Tendenz, hat auch der Schlunz mal einen Erfolg zu vermelden.

Hatte ich doch vor einigen Jahren einmal Versuche mit Magentaspreen, oder auch Baumspinat genannt, gemacht. Eine Pflanze, die ziemlich groß wird, eine hübsche Färbung besitzt und einfach anzubauen ist. Gehört in die Gruppe der Melde, sieht nur hübscher aus. Die habe ich angebaut und dann aussamen lassen. Ich sage ja, Schlunz. Die Folge ist, dass in meinem Garten seit Jahren an allen möglichen und unmöglichen Stellen im Frühjahr kleine Magentaspreenpflanzen sprießen. Keine Ahnung, wie die Samen dort hin gelangt sind, und keine Ahnung, wann das aufhört. Ob auf dem Kompost, im Gewächshaus, auf dem Hof oder im Hühnergehege. Das Zeugs sprießt überall. Dass noch keine Pflanze auf meiner Computertastatur wächst, grenzt an ein Wunder :)

Alles eine Frage des Blickwinkels

Der Preuße würde sich jetzt wieder bitterlich beklagen. Gehört da nicht hin, falsche Einheit an der falschen Front. Da sieht der Preuße in mir die Welt allerdings ein wenig zu militärisch grün. Der Schlunz weiß nämlich, wie man auch diese Tatsache sinnvoll nutzen kann. Denn Magentaspreen ist ja nun eine Nutzpflanze, die essbar ist. Nicht wie viele andere der wachsenden Plagegeister im Garten, die sich breit machen, wenn man nicht aufpasst.

Die Kunst besteht einfach darin, das Chaos zu beherrschen und auch daraus noch einen Nutzen zu ziehen. Lass sie doch wachsen, ruft der Schlunz in mir. Wenn sie groß genug sind, kannst du sie doch ernten und aufessen. Hast du gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Du hast was auf dem Teller und die Pflanzen, die da eigentlich wachsen sollen, haben danach den Platz, den sie brauchen. Und so sammele ich eine Portion Magentaspreen und bereite mir ein leckeres Mittagessen draus. Ohne dass ich dafür auch nur einen einzigen Finger hätte krumm machen müssen.

Ich sage ja, auch der Schlunz in mir hat mal einen Erfolg zu verzeichnen :)

Ralf Roesberger
Quelle: Der Selbstversorgerkanal https://www.youtube.com/channel/UCoHvJAx03zZuGkpPAxCO9UQ, In: Pfarrbriefservice.de

Zum Video „Nix säen, nix pflanzen und doch ernten“ mit Kochanleitung https://www.youtube.com/watch?time_continue=12&v=mnFNLxzQPBs

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In: Pfarrbriefservice.de