28.06.2017 - 05:25
Dr. Andreas Heek ist Leiter der Kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge und Männerarbeit in den deutschen Diözesen e.V.

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Interview mit Dr. Andreas Heek

von Christian Schmitt
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Ist Spiritualität etwas, das Frauen mehr anzieht als Männer?
Das kann man nicht unbedingt sagen. Grundsätzlich sind Männer genauso empfänglich für spirituelle Fragen wie Frauen, nur ist ihr Zugang etwas anders. Männer verbinden ihren Glauben gerne mit direkten Erfahrungen ihres Körpers. Dabei kommen sie gern schon mal ins Schwitzen. Und sie verbinden Glaubensleben oft mit Erfahrungen in und mit der Natur. Das sind sozusagen Gegenwelten zu dem, was viele, vor allem stark berufsorientierte Männer erleben: Bewegung gegen Sitzen am Schreibtisch, Natur gegen trockene Büro- oder Werkshallenluft.

Wie leben Männer heute ihren Glauben?
Männer sind nicht mehr so eng mit den kirchlichen Ritualen und Gottesdiensten verbunden. Auch weniger eng mit dem Gemeindeleben. Sie wollen aber durchaus Gemeinschaft erleben und sich auch über grundlegende philosophische und theologische Fragen austauschen. Es gibt eine Sehnsucht nach Durchbrechen eines der letzten Gesprächstabus: nämlich nach der Gretchenfrage: „Wie hältst Du es mit der Religion?“ Sie wollen aber nicht die Bibelgeschichten nacherzählt bekommen, sondern konkret als relevant für ihr Leben erfahren.

Was tun Sie, um Männer dabei zu unterstützen?
Die diözesanen Stellen für Männerseelsorge, die es in vielen Diözesen gibt, stellen sich der Herausforderung, nicht mehr stark gemeindeorientierte Männer durch ein übergemeindliches Geflecht aus Seminaren und Kursen, Freizeiten und Wallfahrten Gemeinschaftserfahrungen machen zu lassen, die spürbar machen, dass diese Gemeinschaften die kleinen „Jesus-Gemeinschaften“ darstellen, wovon die Bibel in der Anfangszeit der Kirchenwerdung berichtet. Auch befähigen die Kollegen wiederum Männer, selbst solche Gruppen zu leiten. Die Arbeitsstelle Männerseelsorge der deutschen Diözesen wiederum bündelt und vernetzt die Kollegen in den Bistümern.

Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, dass Männer auch mal unter sich sind?
Wenn Männer darüber reden können, was sie selbst unmittelbar betrifft, sind sie sehr dankbar. Sie öffnen sich eher und persönlicher, wenn sie nicht mit Frauen in einer solchen Gruppe zusammen sind. Es gibt ja doch auch viele Fragen z.B. über Sexualität und Beziehung, bei denen es gut tut, unter Männern zu reden. Das geht dann nicht gegen Frauen, sondern hilft, z.B. Beziehungsfragen offen anzugehen, auch kommunikationsbereiter zu werden. Dies ist oft ein großes Problem von Männern: ihr Schweigen und ihre mangelnde Konfliktkompetenz.

Fr. Richard Rohr hat mit seinem Buch „Adams Wiederkehr“ den Weg für Initiationsrituale bereitet, die heute auch in christlichen Kreisen wieder praktiziert werden. Was fasziniert Ihrer Meinung nach Männer daran?
Es gibt eine große Sehnsucht nach innerer Ruhe und Frieden. Viele Männer hadern gerade in der Lebensmitte mit ihrem Gewordensein, der Prägung durch Vater und Mutter, Geschwister. Rituale können dabei helfen, einem Auseinandersetzungsprozess eine Form und einen Abschluss zu geben. Aber aus diesem Grund empfehle ich solche Rituale tatsächlich nur demjenigen, der sich auch seelisch mit sich selbst beschäftigt hat und dadurch schon ein Höchstmaß von Versöhnung gefunden hat. Den oft schmerzhaften Prozess durch ein Ritual abkürzen zu wollen, halte ich für problematisch und würde in Richtung Magie gehen, der ich nicht folgen könnte. Dies ist allerdings auch ganz und gar nicht im Sinne von Richard Rohr.

Während Frauen in den letzten 40 Jahren einen Emanzipationsprozess durchschritten haben, mehren sich heute die Stimmen, dass für Männer – gesamtgesellschaftlich betrachtet – die Luft dünner geworden sei. Stellen Sie diesbezüglich eine Veränderung auch innerhalb der Kirche fest?
Ich glaube nicht, dass die Luft insgesamt dünner geworden ist. Im Gegenteil: die Freiheitsräume wachsen für Männer. Es gibt schon eine Generation von Männern, die z.B. nicht mehr aufgewachsen ist mit der Botschaft: „Wenn Du mal groß bist, musst Du fähig sein, eine Familie zu ernähren.“ Nicht mehr der Alleinernährer der Familie sein zu müssen, ermöglicht Männern, auch andere Motive bei der Berufswahl zu berücksichtigen als den Verdienst zum Auskommen einer Familie. Ich kenne viele Männer, die auf Leitungsfunktionen innerhalb von Behörden und Unternehmen gern zugunsten privater Interessen, z.B. eines Hobbys oder der Persönlichkeitsentwicklung verzichten und die von daher befürworten, dass Frauen diese Positionen einnehmen. Einen „Kampf der Geschlechter“ kann ich für die nachwachsenden Generationen nicht erkennen.
Innerkirchlich allerdings wird die Luft für „Laien-Männer“, also Nicht-Priester in verantwortungsvollen Positionen tatsächlich dünner, weil die wenigen Stellen in diesem Bereich zunehmend Frauen vorbehalten werden. In der Kirche gibt es bekannterweise ein Gerechtigkeitsdefizit bei den Zugangsberechtigungen zum Priesteramt, wovon Frauen in hohem Maße und indirekt „Laien-Männer“ betroffen sind.

Dr. Andreas Heek ist Leiter der Kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge und Männerarbeit in den deutschen Diözesen e.V.

Die Fragen stellte Christian Schmitt, Pfarrbriefservice.de

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