26.03.2019 - 05:55

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von Christine Plüss
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Christine Plüss ist die Geschäftsführerin von fairunterwegs.org - einer Internetplattform aus der Schweiz. Sie ist unabhängig, nicht gewinnorientiert, ohne Reisewerbung und ohne direkte Buchungsmöglichkeiten. Fairunterwegs.org informiert Reisende über nachhaltigen Tourismus, setzt sich für gerechte und faire Beziehungen im Tourismus ein und hinterfragt ihn aus entwicklungspolitischer Sicht.

„Geben Sie der Urlaubsreise wieder mehr Wertigkeit. Sehen Sie die Reise nicht als Konsumgut, auch, wenn sie heute oft so gehandelt wird. Fahren Sie nicht jedes Jahr so weit weg. Und wenn, dann versuchen Sie erdgebunden hinzufahren.

Wenn Sie sich alle zwei, drei Jahre eine längere Urlaubsreise gönnen, versuchen Sie möglichst lange davon zu zehren. Ich möchte die Vorfreude ansprechen, die offenbar die schönste Freude ist. Beginnen Sie vor der Abreise Romane zu lesen. Wir verfügen über Bücher und Romane aus allen Ländern.

Es gibt auch Menschen aus allen Ländern, die bei uns leben und wohnen. Es gibt Restaurants. Sie können sich das Feriengefühl in einer kleinen Auszeit in den Alltag holen.

Denn es muss nicht immer Konsum sein. Sie können auch einfach mal sagen: Heute mache ich etwas, das ich im Urlaub machen würde. Einen schönen langen Spaziergang. Oder Sie erkunden die eigene Stadt und machen eine Stadtführung, wie sie sie in einer fremden Stadt machen würde.

Es gibt so viele Möglichkeiten, dass Sie nicht das Ganze, was im Alltag schlecht läuft, in den kurzen Zeiten des Urlaubs kompensieren müssen.“

von Christine Plüss, In: Pfarrbriefservice.de

Ein Interview mit Christine Plüss, Geschäftsführerin von fairunterwegs.org

von Ronja Goj
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Nachhaltig und fair reisen. Der Umwelt schützen. Die Einheimischen vor Ort gerecht entlohnen. Die Schweizer Internetplattform fairunterwegs.org gibt Tipps, wie anderes reisen gelingen kann. Die Geschäftsführerin Christine Plüss spricht im Interview über Eintrittspreise in Venedig, Klimakiller und einheimisches Kunsthandwerk.

Last Minute, All Inklusive, Billigflüge. Interessiert das „Faire Reisen“ die Menschen überhaupt?

Christine Plüss: Nach neuesten Umfragen gibt es einen Anteil von über 60 Prozent der Reisenden im deutschsprachigen Raum, die gerne verantwortlicher unterwegs sein möchten. Umgesetzt wird es aber nur von einer ganz kleinen Anzahl.

Sind die Menschen zu faul, sich selbst aktiv zu informieren?

So würde ich es nicht sagen. Die Krux ist: Wenn Sie einen Urlaub planen, dann haben Sie Budgetzwänge, Sie haben zeitliche Zwänge, Sie müssen auswählen, mit wem Sie verreisen, welche Zielgebiete Sie anpeilen und wie Sie die ganze Reise gestalten wollen. Dann rückt oft die Frage in den Hintergrund, wie nachhaltig die Reise ist.

Dabei wäre es sehr wichtig.

Ja, denn die Art und Weise, wie heute gereist wird, auch, wenn es nur von einer privilegierten Minderheit der Weltbevölkerung ist, hat einen hohen Preis. Beispielsweise gibt es das Problem des sogenannten „Overtourism“. Es gibt immer mehr beliebte touristische Hotspots. Gebiete, die völlig überlaufen sind. Dort gibt es jetzt erste Maßnahmen, um die Besucherströme zu lenken oder einzudämmen.

Beispielsweise Eintrittspreise in Venedig …

… oder Verbote für Partys in Amsterdam. Hohe Eintrittspreise in Weltkulturerbestätten wie Machu Picchu. Auf Thailand und den Philippinen wurden ganze Inseln saisonal geschlossen, damit sie sich vom touristischen Ansturm erholen können.

Die Natur leidet. Das Klima auch.

Insbesondere der Flugverkehr ist ein Klimakiller. Und unter dem Klimawandel leiden in erster Linie die Menschen, die uns in den Destinationen empfangen. Vor allem am Strand oder in den Bergen. Das sind oft die Menschen, die noch nie geflogen sind.

Grünes Reisen wird gerade gehypt. Jeder möchte nachhaltig reisen, plastikfrei, öko. Aber was ist mit den sozialen Aspekten?

Richtig, zur Debatte stehen auch menschenrechtliche Fragen. Die Arbeitsbedingungen sind in touristischen Betrieben oft miserabel. Außerdem gibt es Enteignungen. Bauern verlieren ihr Land, wenn Hotelanlagen gebaut werden. Fischer haben keinen Zugang mehr zum Strand.

Aber dagegen können Reisende doch sowieso nichts tun.

Sie müssen sich vorher schlau machen. Sei es online oder im klassischen Reisebüro. Sie sollen bei den Anbietern nachfragen: Wie ist ein Hotel aufgestellt? Gibt es Umweltmaßnahmen? Gibt es ein Commitment des Hotels zur Einhaltung der Menschenrechte? Wie sehen die Arbeitsbedingungen aus? Aber das erfordert Engagement.

Kann mir fairunterwegs.org dabei helfen?

Ja, unser Reiseportal soll beim Thema Tourismus aktiv zur Sensibilisierung der Reisenden und der breiten Bevölkerung beitragen. Wir möchten möglichst viele Anreize setzen, damit die Leute anders handeln. Auf unserer Internetseite gibt es konkrete Tipps und Unterstützung für Reisende, die gerne anders reisen möchten.

Buchen können die Menschen ihre Reisen über fairunterwegs.org aber nicht. Denn Sie sind ein unabhängiges, nicht gewinnorientiertes Reiseportal, ohne Reisewerbung und direkte Buchungsmöglichkeiten.

Genau, das ist unsere Maxime. Wir haben keine Angebote, die man buchen kann. Wir stellen Reisebüros, Hotels oder Jugendherbergen vor, die sehr vorbildlich vorgehen und ihrem Publikum die Möglichkeit bieten, nachhaltig unterwegs zu sein.

Aber, jedes Hotel kann doch behaupten, dass es nachhaltig arbeitet. Wie prüfen Sie das?

Wir achten darauf, dass es zertifizierte Angebote sind, die glaubwürdig von externer Seite überprüft wurden. Oder, wenn jemand beispielsweise einen Wettbewerb gewonnen hat, der nach klaren Kriterien ausgerichtet ist, stellen wir solche Angebote in unserem Newsservice oder unter unseren Empfehlungen vor.

Hinter der Internetseite fairunterwegs.org steht eine Nichtregierungsorganisation.

„fair unterwegs - arbeitskreis tourismus & entwicklung“ wurde 1977 gegründet und hatte schon immer eine entwicklungspolitische Ausrichtung. Ziel ist es in Solidarität mit Benachteiligten in Tourismusgebieten auf Missstände aufmerksam zu machen und zur Qualifizierung des Reisens beizutragen.

Damals gab es doch noch kein Internet?

Die Internetseite „fairunterwegs.org“ ging 2006 online. Das Internet ist immer beliebter geworden, auch was die Urlaubsplanung angeht. Wir haben uns frühzeitig aufgemacht dieses einmalige Nonprofit Angebot von „fair unterwegs“ im Internet anzubieten. Denn das erleichtert die Kommunikation mit der breiten Bevölkerung, die auf Reisen geht und mit denjenigen, die gerne anders unterwegs sein möchten.  

Aber sollte es nicht Aufgabe der Anbieter sein, die Kunden über nachhaltige Reisen zu informieren?

Ja, hier sind die Anbieter selbst gefordert. Man kann nicht die ganze Verantwortung auf die Reisenden schieben und dann sagen: Die sind zu wenig konsequent. Es müsste eine Selbstverständlichkeit sein, der Kundschaft viel transparenter als jetzt Auskunft darüber zu geben, welche Angebote verträglich sind. Sie sollten bei allen Angeboten die Sicherheit erhalten, dass Sie eine verträgliche Reise buchen. Auch bei günstigeren Angeboten für Menschen, die ein knappes Ferienbudget haben.

Wird sich da je etwas ändern?

Es gibt sehr viele Stellschrauben, bei denen wir uns als Fachstelle zusammen mit Reisenden und der Tourismusbranche bemühen können, die Situation zu verbessern. Auch die Reisenden können etwas tun. Achten Sie darauf, dass vor Ort nicht so viel Abfall entsteht. Gehen Sie in einheimischen Restaurants essen, damit die Einheimischen profitieren. Achten Sie darauf, dass sich ein Hotel von Einheimischen Bauern und Fischern beliefern lässt. Kaufen Sie einheimisches Kunsthandwerk. Da kann man die Wertschöpfung vor Ort auch selber verstärken.

von: Ronja Goj, In: Pfarrbriefservice.de

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