Zwischen Kritik und Realität
Finanzdirektor Gerald Düchs erklärt, warum kirchliches Leben ohne Kirchensteuer nicht denkbar ist
Braucht die Kirche wirklich Kirchensteuer – trotz Vermögen, Rücklagen und Spenden? Gerald Düchs, Finanzdirektor des Bistums Würzburg, gibt Antworten auf kritische Fragen und spricht über Transparenz, sinkende Einnahmen und die Bemühungen im Bistum Würzburg, sich für die Zukunft gut aufzustellen.
Kritische Beiträge zu Kirche und Geld vermitteln den Eindruck, als habe die Kirche genug Vermögen und Rücklagen. Warum braucht es dann noch die Kirchensteuer?
Gerald Düchs: Die Kirchensteuer ist tatsächlich die elementare Einnahmequelle für das Bistum. Sie finanziert alles, was die Kirche letztlich für die Menschen leistet: Seelsorge, Caritas, Jugendarbeit, Seniorenarbeit, Beratungseinrichtungen, Schulen, Kindergärten, kirchliche Gebäude und vieles mehr. Die Finanzierung dieser Aufgaben allein mit dem kirchlichen Vermögen und den Rücklagen wäre nicht machbar. Kirchliches Vermögen ist zweckgebunden. Die Einnahmen aus dem Vermögen der diözesanen Rechtsträger sind nötig, um unseren Verpflichtungen, zum Beispiel im Rahmen der Altersversorgung, gerecht zu werden. Die Kirchensteuer als laufende, jährliche Einnahme für die Diözese ist die Hauptfinanzierungsquelle für das kirchliche Leben.
Kritiker bemängeln, es sei nicht immer transparent, wofür die Kirchensteuer konkret verwendet wird. Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf bei der Transparenz?
Gerald Düchs: Die Verwendung der Kirchensteuer wird schon seit Jahrzehnten durch den veröffentlichten Haushaltsplan transparent dargestellt. Seit der Transparenz-Offensive, die die deutschen Bischöfe 2019 beschlossen haben, veröffentlichen alle Diözesen sowie die weiteren Rechtsträger von diözesaner Bedeutung regelmäßig ihre Finanzen und das Vermögen nach den Regeln des Handelsgesetzbuches. Aus meiner Sicht war dies für die finanzielle Transparenz der kirchlichen Rechtsträger ein weiterer wichtiger Meilenstein. Die Zahlen kann man für das Bistum Würzburg auf der Homepage www.finanzen.bistum-wuerzburg.de nachlesen. Einen Verbesserungsbedarf sehe ich bei der Kommunikation. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass die Zahlen, die Zusammenhänge und die damit verbundenen Entscheidungen transparent erklärt werden. Dazu bin ich gerne bereit.
Kirchensteuer wird auch auf Kapitalerträge erhoben. Was sagen Sie Sparern, die den Eindruck haben, die Kirche bediene sich an ihrem Ersparten?
Gerald Düchs: Die Kirchensteuer hat eine gesetzliche Grundlage. Der Gesetzgeber definiert den Freibetrag für die Kapitalerträge und er hat auch entschieden, dass die Erträge, die über den Freibetrag hinausgehen, der Einkommenssteuer unterliegen. Auf die festgestellte Einkommenssteuer zahlen Katholiken in Bayern 8 Prozent Kirchensteuer. Vereinzelt wird die Kirchensteuer auf Kapitalerträge auch kritisch gesehen. Wir erklären gerne die Zusammenhänge dazu. Letztlich ist auch die Kirchensteuer auf Kapitalerträge ein Beitrag der Solidarität, der viel Gutes bewirkt.
Die Kirche erhält Kirchensteuer, bittet aber auch um Spenden. Kritiker fragen, warum es beides braucht.
Gerald Düchs: Es gibt Projekte und Initiativen, die ohne Spendenaufkommen nicht realisiert werden könnten. Viele Zuschussgeber verlangen einen Eigenanteil der Antragsteller. Dieser Eigenanteil wird häufig in der Praxis durch Fundraising- und Spendeninitativen aufgefüllt. So hilft dann jede Spende, zum Beispiel für eine neue Orgel, für eine neue Beleuchtung in der Kirche, für die Sanierung des Pfarrheims, aber auch für Menschen in Not. Spenden sind notwendig , damit wir als Kirche angesichts zurückgehender Mittel auch zukünftig noch die wichtigsten Aufgaben erfüllen können.
In der öffentlichen Debatte heißt es oft, Verwaltungs- und Personalkosten seien zu hoch. Wie bewerten Sie diesen Vorwurf?
Gerald Düchs: Wie immer lohnt es sich, bei Zahlen genau hinzuschauen. Die Seelsorge vor Ort, die Verbände, die Bildungseinrichtungen, die Caritas mit ihren sämtlichen Diensten für die Menschen in der Diözese sind personalintensiv. Ohne ausreichend qualifiziertes Personal vor Ort und die Unterstützungssysteme in der Verwaltung sind die Angebote nicht möglich. Es ist aus meiner Sicht nicht zielführend, Verwaltung und Inhalt gegeneinander auszuspielen, sondern die Zusammenarbeit muss in einem guten Miteinander erfolgen. Unser Anspruch in der Verwaltung ist es, dass wir Prozesse vereinfachen, dass wir Abläufe erklären und dass wir uns als Dienstleister verstehen für die Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen in allen Handlungsfeldern der Kirche.
Die evangelische Kirche im Rheinland gab Anfang 2026 bekannt, dass sie fast jeden vierten Kirchensteuer-Euro für Pensionszahlungen ausgibt. In der katholischen Kirche sind die Versorgungszahlungen anders geregelt, oder?
Gerald Düchs: Ich kann nur für die Diözese Würzburg sprechen. Bei uns fließt tatsächlich nur ein unwesentlicher Teil an Kirchensteuer in die Pensionszahlungen. Im Jahr 2026 sind etwa 0,7 Prozent der Kirchensteuer für die Pensionszahlungen vorgesehen. Das Geld zur Finanzierung der Pensionen für die Priester kommt im Wesentlichen vom Rechtsträger „Bischöflicher Stuhl“.
Auf welche Entwicklung bei der Kirchensteuer stellt sich das Bistum Würzburg langfristig ein?
Gerald Düchs: Die Prognosen, die im Wesentlichen auf demografische Entwicklungen beruhen, zeigen, dass wir leider mit einem deutlichen Rückgang der Katholiken in der Diözese Würzburg rechnen müssen. Bis etwa 2030 werden die letzten Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen. Das ist nicht nur für die Sozialversicherungen, sondern auch für die katholische und evangelische Kirche in Deutschland eine enorme Herausforderung. Bereits in absehbarer Zeit wird dies eine erhebliche Auswirkung auf die Kirchensteuer haben. Aufgrund dieser vorhersehbaren Entwicklung hat sich die Diözese Würzburg mit einem Strategieprozess auf den Weg gemacht hat, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Wo sehen Sie Sparpotenziale bzw. wo wird jetzt schon eingespart?
Gerald Düchs: Entscheidungen über mögliche Einsparungen sind bei uns, Gott sei Dank, eine Gemeinschaftsaufgabe. Es gibt für jeden Arbeitsbereich einen definierten Kostenstellenverantwortlichen, der Einsparungen in seinem Verantwortungsbereich umsetzen kann. Unsere Aufgabe als Hauptabteilung Finanzen und Immobilien ist es, in enger Abstimmung mit den Aufsichtsgremien der Diözese, Jahr für Jahr einen ausgeglichenen Haushalt für die Diözese zu erstellen. Um dieses Ziel auch mittelfristig in der Zukunft umsetzen zu können, hat Bischof Dr. Franz Jung einen Strategieprozess gestartet. Im Rahmen der Strategie wurden Handlungsfelder definiert. Die Arbeitsgruppen in den Handlungsfeldern und die Leitung ringen um Priorisierungen und mögliche Kosteneinsparungen, d.h. sie erarbeiten konkrete Vorschläge zur Umsetzung der strategischen Ziele. Die Vorschläge werden dann in den Strategie-Runden unter Beteiligung der verschiedenen Räte im Bistum sehr synodal diskutiert.
Gibt es da schon konkrete Ergebnisse, wo gespart werden soll?
Gerald Düchs: Ich denke, Mitte des Jahres ist der Beratungsprozess so weit abgeschlossen, dass konkrete Ergebnisse veröffentlicht werden können. Mir ist wichtig zu betonen, dass der Strategieprozess nicht mit einem Haushaltssicherungsprozess gleichzusetzen ist. Es geht also nicht nur um Sparvorschläge. Vielmehr handelt es sich um einen inhaltlichen Erneuerungsprozess. Die Diözese ist gefordert, sich gut für die Zukunft aufzustellen. Im Rahmen der Strategie wird jedes Handlungsfeld gezielt angeschaut und neu priorisiert, vielleicht werden auch Dinge verschoben, sodass es auch Handlungsfelder geben wird, die einen größeren finanziellen Spielraum zugewiesen bekommen. Beispielsweise ist die „Kirche vor Ort“, sind die zahlreichen Kirchengemeinden so ein Handlungsfeld, wo eine Ausweitung des Anteils an der Kirchensteuer umgesetzt werden soll.
Gibt es auch eine klare Grenze für das Sparen?
Gerald Düchs: Auf der Ebene einer einzelnen Dienststelle gibt es definitiv eine Grenze für das Sparen. Wir können von unseren Beschäftigten nicht verlangen, dass die gleichen Aufgaben, für die bisher zwei Personen verantwortlich waren, jetzt nur noch einer Person zugeordnet werden. Das können wir und das werden wir unserem Personal nicht zumuten. Das ist für mich persönlich eine klare Grenze. Es bleibt also nichts anderes übrig, als sich von Aufgaben zu verabschieden.
Was würden Sie jemandem, der der Kirchensteuer kritisch gegenüber steht, sagen, warum es sich lohnt, Kirchensteuer zu zahlen?
Gerald Düchs: Bitte schauen Sie genau hin, für welche Handlungsfelder die Kirche steht. Unser Bistum hat den Slogan „Christsein unter den Menschen“. Wir können und wir dürfen auch selbstbewusst betonen, was im Namen der Kirche Tag für Tag Gutes geschieht für Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen und Anliegen. Das sind wertvolle Argumente, dieser Kirche auch zukünftig treu zu bleiben, selbst wenn es auch Gründe für Kritik und Ärger gibt. Ein herzliches Dankeschön möchte ich den Kirchensteuerzahlenden sagen. Dank ihrer Solidarität kann die Kirche im Bistum Würzburg vielen Menschen zur Seite stehen.
Interview: Elfriede Klauer, In: Pfarrbriefservice.de
Tipp: Verwenden Sie die Fragen des Interviews und führen Sie damit ein ähnliches Interview mit dem Finanzdirektor/der Finanzdirektorin Ihres Bistums.
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