Zum Jahrestag von Liborius Wagner
Vor 400 Jahren wurde er zum Pfarrer von Altenmünster ernannt
Geboren am 5. Dezember 1593 im thüringischen Mühlhausen, wurde Liborius Wagner dort getauft und im evangelischen Bekenntnis erzogen. Er konnte die höhere Schule besuchen und in Leipzig, Gotha und Straßburg studieren. Nach einer Zeit der Unsicherheit entschloss sich Wagner 1622 zum Studium der Theologie an der Universität Würzburg. Schon im folgenden Jahr bat er um die Aufnahme in die katholische Kirche.
In dieser zerstrittenen Zeit bedeutete das für ihn einen Bruch mit seiner Herkunft. Er ging den Weg seiner Überzeugung, was gewiss nicht leicht war für ihn. Am 29. März 1625 empfing Liborius Wagner die Priesterweihe in Würzburg. Nach der Weihe wirkte zunächst Wagner als Kaplan in Hardheim im Odenwald, das damals zum Bistum Würzburg gehörte.
Ein Jahr später, vor genau 400 Jahren, wurde er am 11. September 1626 zum Pfarrer von Altenmünster mit der Filiale Sulzdorf ernannt. Nach den damaligen Regeln war Wagner für sämtliche Bewohner des Ortes zuständig, wenn es um Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen ging. Ihn als Pfarrer einzusetzen war das Recht des Würzburger Bischofs Philipp Adolf von Ehrenberg (Amtszeit: 1623-1631) auf Vorschlag des Abtes Georg Ehalt vom Benediktinerkloster Neustadt am Main. Die weltliche Herrschaft über Sulzdorf lag auch bei Fürstbischof, deshalb blieb der Ort katholisch. Die weltliche Zuständigkeit für Altenmünster hatte Philipp Albrecht Truchseß zu Wetzhausen inne, weshalb die Ortschaft evangelisch war.
Für uns ist die Situation schwer zu verstehen. Aber ohne ein Standesamt im heutigen Sinne waren katholische wie evangelische Pfarrer zu dieser Zeit gleichzeitig für die geistlichen Belange wie auch für die Registrierung von Geburt und Tod zuständig, da diese damals praktisch nicht von Taufe und kirchlicher Beerdigung zu trennen waren. In beiden Bereichen standen sowohl die Bewohner des Ortes, als auch die Geistlichen unter den sehr unterschiedlichen Anforderungen der weltlichen und der geistlichen Herrschaft. Konflikte waren unausweichlich aufgrund der Vermischung der Zuständigkeiten. Mittendrin stand der neu ernannte Altenmünsterer Pfarrer Liborius Wagner, der - wie es seine Briefe bezeugen - bemüht war um den menschlichen Ausgleich und gleichzeitig um die Klarheit des Glaubens - freilich in den Möglichkeiten seiner Zeit.
Darüber hinaus war der Alltag in der kleinen Pfarrei Altenmünster sozial und wirtschaftlich schwierig. Doch Liborius tut seinen Dienst in Treue zum Glauben, in Treue zur Kirche, in Treue zu den Menschen.
Die Sicht auf den Seligen, der schließlich Opfer der konfessionellen und politischen Konflikte und Blutzeuge wurde, ist gewiss unterschiedlich.
Da Liborius Wagner vor 400 Jahren Pfarrer "aller" Altenmünsterer wurde mit Gelingen und Scheitern, kann der 11. September Gelegenheit sein, gemeinsam an unsere Taufe zu denken und den einen Herrn feiern, der uns verbindet und dessen Zeugen wir sein wollen.
Pfarrer Dr. Eugen Daigeler, In: Pfarrbriefservice.de
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