„Wir müssen über unsere Sterblichkeit ins Gespräch kommen“
Eine Einschätzung des Psychologen Daniel Spitzenstätter
Die Thanatopsychologie ist ein noch vergleichsweise kleines Forschungsfeld. Wir beschäftigen uns unter anderem mit Ängsten, die mit Sterben und Tod einhergehen, und wie ein Akzeptieren-Können der eigenen Sterblichkeit mit der persönlichen Weltanschauung, dem Sinnerleben und dem Alter einer Person zusammenhängt.
Wir haben beispielsweise herausgefunden, dass sehr religiöse Menschen – ebenso wie überzeugte Atheistinnen und Atheisten übrigens – weniger Angst vor ihrem eigenen Tod berichten als Menschen mit einer eher unsicheren, unklaren Weltanschauung. Unabhängig davon kann die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit im konkreten Einzelfall aber natürlich durchaus als bedrohlich erlebt werden. Man beschäftigt sich ja mit der Frage, wie das eigene Leben gerade ist, welches Resümee man hier und jetzt ziehen müsste. Hier geht es also um die Angst, das eigene Leben nicht richtig gelebt oder die falschen Prioritäten gesetzt zu haben, und darum, Dinge zu bereuen, die man nicht mehr ändern kann. Viele Menschen beschäftigt in Hinblick auf ihr Sterben auch die Angst vor möglichen Schmerzen, vor Einsamkeit und dem Gefühl des Ausgeliefert-Seins – dass einem im letzten Lebensabschnitt die Würde genommen wird.
Das Bedürfnis, über diese Themen in einem respektvollen, geschützten Rahmen sprechen zu können, ist oftmals hoch. Das erleben wir auch bei unseren Studierenden. Deshalb versuchen wir mit unserer Forschung Türen zu öffnen, Diskussionsräume zu schaffen und professionelles und ehrenamtliches Personal im Umgang mit unheilbar Kranken, Sterbenden und Angehörigen von Verstorbenen zu unterstützen.
Daniel Spitzenstätter
Quelle: Leben jetzt. Das Magazin der Steyler Missionare, www.lebenjetzt.eu, In: Pfarrbriefservice.de
Daniel Spitzenstätter (Msc) ist Psychologe an der Universität Innsbruck, der sich wissenschaftlich mit Einstellungen gegenüber Sterben und Tod befasst.
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