Wie bearbeitet man mit 200 Personen 200 Seiten Text?

Foren und Änderungskommissionen des Synodalen Wegs leisteten wichtige Vorarbeit

Die zweite Vollversammlung des Synodalen Wegs im Herbst 2021 stand ganz im Zeichen der Textarbeit. Im Präsidium und in den vier Foren sind bisher 16 Texte erarbeitet worden: ein Präambeltext, ein Orientierungstext, drei Grundtexte und elf Handlungstexte. Zusammen umfassen sie rund 200 Seiten. Wie sollen über 200 Personen darüber an zwei Sitzungstagen beraten und abstimmen?

Lange Vorarbeit

Dazu ist es wichtig zu wissen, dass die Beratungen im Plenum auf lange Vorarbeit zurückgehen. In den vier Foren haben Gläubige und Bischöfe, Experten und Berater über Monate intensiv gearbeitet: Sie haben Texte entworfen und korrigiert, weitergeschrieben und diskutiert. Alle Texte, die der Synodalversammlung vorgelegt wurden, sind zuvor mehrheitlich im jeweiligen Forum befürwortet worden. In digitalen Hearings wurden sie den anderen Synodalen und der Öffentlichkeit vorgestellt. Einige Texte sind seit der Online-Konferenz im Februar 2021 bekannt und teils weltweit, dem Vernehmen nach auch in der römischen Kurie, diskutiert worden. So konnten sich alle Interessierten ein Bild machen.

Änderungsanträge und Alternativtexte

In der unmittelbaren Vorbereitung auf die Synodalversammlung gab es über etwa drei Wochen hinweg die Möglichkeit, sich schriftlich in die Debatte einzubringen. Alle Synodalen konnten im Programm „Antragsgrün“ Anmerkungen und Korrekturwünsche zu den Texten eintragen. Einige Synodale haben dies sehr intensiv, andere kursorisch getan. Diese Anmerkungen wurden von Antragskommissionen gebündelt und zur Abstimmung aufbereitet. Über Formulierungsvorschläge kann und muss man nicht im großen Plenum befinden. Doch für richtungsweisende Entscheidungen braucht es ein klares Votum der Synodalversammlung. Änderungsanträge dieser Art lauteten etwa so: Ist die Problematik von sexuellem und spirituellem Machtmissbrauch in den Texten angemessen berücksichtigt? Soll noch einmal grundsätzlich über Macht und Vollmacht in der Kirche debattiert werden? Soll das Thema „sakramentale Ehe für alle“ behandelt werden? Sollen, so die weitreichendsten Anträge, vorgelegte Grundlagentexte durch Alternativtexte ersetzt werden? Nach Abschluss der Fristen waren nämlich zwei Alternativtexte, die Minderheitenpositionen abbilden, auf einer Homepage veröffentlicht worden, die vom Bistum Regensburg verantwortet wird. Die Synodalversammlung wies diesen Antrag, anstelle der abgestimmten Forentexte diese Alternativtexte einzelner Synodaler zu beraten, mehrheitlich ab.

Große Mehrheiten

Die Tagesordnung führte die vorgelegten Texte in thematischer Ordnung zusammen. Der Reihe nach wurden zunächst die Änderungsanträge abgestimmt, dann die Texte im Ganzen als Beratungsgrundlage für die weitere Arbeit angenommen. Die Zeit reichte für 12 der 16 eingebrachten Texte. Alle fanden große Mehrheiten von drei Viertel bis vier Fünftel der Versammlung. Bei einer der kommenden Synodalversammlungen werden sie in endgültiger Form abgestimmt. Danach folgt das Entscheidende: Dass es nicht nur bei Texten und Beschlüssen bleibt, sondern die Beschlüsse Leben und Haltung, Recht und Strukturen der Kirche erkennbar prägen und verändern. Dazu wiederum sind die Bischöfe am Zug: Sie sind in der Position, die Beschlüsse des Synodalen Wegs umzusetzen und so dem gemeinsamen Prozess echte Verbindlichkeit zu geben.

Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de

Dr. theol. Julia Knop (geb. 1977) ist Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und Mitglied der Synodalversammlung sowie des Synodalforums „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“.

Der Synodale Weg

Der Synodale Weg ist ein Gesprächsprozess innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Er soll der Aufarbeitung von Fragen dienen, die sich im Herbst 2018 nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche ergeben haben. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verantworten gemeinsam diesen Prozess, der auf mehrere Jahre angelegt ist und am 1. Dezember 2019 eröffnet wurde. www.synodalerweg.de

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Zweite Vollversammlung bestätigt Richtung der bisherigen Gespräche: Es geht um große Veränderungen

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Text: Julia Knop
In: Pfarrbriefservice.de