Wenn Versöhnung scheinbar nicht gelingt
Fünf Minuten für die Partnerschaft (6)
Da wurde einer von beiden zutiefst verletzt. Vielleicht gab es eine Außenbeziehung? Der Täter oder die Täterin geht schon in Sack und Asche. Betont immer wieder, wie leid es ihm oder ihr tut, und trotzdem scheint Versöhnung nicht zu gelingen. Da muss sich das „Opfer“ fragen, warum es so an der Schuld des anderen klebt? Ist es vielleicht eine scheinbare Machtposition, eine Keule, dem anderen immer wieder seinen Fehler vorzuhalten? Dadurch entsteht eine Schieflage, in der der andere keine Chance hat.
Wie wäre es stattdessen, sich der eigenen Würde der Gotteskindschaft bewusst zu werden? Geprägt durch das Siegel der Taufe und Firmung! Aus diesem Bewusstsein heraus dem anderen zu sagen: „Ich verzeihe Dir aufrichtig, was Du mir angetan hast!“ Damit ist die Tat als solche nicht gelöscht, aber sie hat keine Macht mehr über das „Opfer“. Das ist ein Akt der Selbst-Ermächtigung und ein echter Liebesbeweis.
Denken wir nur an Petrus, der seinen Herrn dreimal auf übelster Weise verleugnet hat. Als der Hahn krähte, hat er bitterlich geweint und seine Tat bereut. Und was hat Jesus gemacht? Ihm seine Kirche als Petrus, als Fels anvertraut: „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen! Weide meine Lämmer, weide meine Schafe!“
In der Regel wird das eigene Herz dann viel leichter, man muss sich nicht selbst quälen und sich nicht dauernd damit beschäftigen, was einem alles angetan worden ist. Der Blick für das Gemeinsame und das Schöne miteinander öffnet sich wieder.
Dr. Rudolf Sanders, In: Pfarrbriefservice.de
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