Weihnachten: mit oder ohne Kind?
Es ist Zeit, den Heiligen Abend zu verändern
Eine alte Geschichte. Ich weiß leider nicht, wer sie geschrieben hat: Ein junges Paar bekommt ein Kind. Große Freude. Einige Wochen nach der Geburt versammelt sich die Großfamilie zur Taufe. Nach dem Fest in der Kirche wird noch in der Wohnung der Familie weitergefeiert. Im Trubel des Ankommens und Gäste-Bedienens wird der Korb mit dem Kind in einer Ecke abgestellt. Weil die Kleiderablage bald voll ist, werfen einige ihre Mäntel und Jacken achtlos auf den Korb, der in der Ecke steht. Es wird gegessen und getrunken, fröhlich und heiter geht es zu. Irgendwann taucht die Frage auf: Wo ist denn eigentlich das Kind? Nach einer Zeit des Suchens wird der Korb mit dem Kind unter dem großen Gewandberg entdeckt.
Ich kenne zwei Versionen, wie die Geschichte endet. In der sanfteren ist das Suchen und Finden gerade noch rechtzeitig. Große Erleichterung. Sie verändern ihre Feier, von nun an dreht sich alles um den eigentlichen Grund des Zusammenkommens. Das Kind steht im Mittelpunkt und schenkt große Freude. In der zweiten, drastischeren Variante ist das Kind tot, erstickt von all dem, was achtlos draufgelegt wurde.
Mir kommt in den Sinn: Wie viele feiern heutzutage Weihnachten ohne das göttliche Kind? Ohne den ursprünglichen Anlass, ohne Jesus, um dessen Geburtstag es doch gehen müsste. Familienfeier mit gutem Essen und netten Geschenken, der eigentliche Feier-Grund bleibt achtlos in der Ecke, zugedeckt und erstickt von vielen Nebensächlichkeiten. Mehr oder weniger viel Harmonie und Geborgenheit oder Spannungen, vielleicht sogar Streitigkeiten. Das Übliche halt, wie viele Familien – seit Jahren – Weihnachten feiern. Christbaum-Schmücken, Kochen, Essen, Trinken, Schenken und beschenkt werden.
Schön, doch mir wäre das zu wenig. Viel zu wenig. Weil in der Begegnung mit dem Geburtstagskind Jesus Christus so eine unendliche Freude steckt. Weil ich es dermaßen faszinierend finde, dass Gott nach wie vor, heutzutage, Mensch wird, zu uns kommt. Mitten in unser Leben, in deine und meine konkrete Situation mit all dem, wo wir ringen, anstehen, uns ärgern, manchmal verzweifeln. Dort, wo unser Leben ist, dort will Gott Mensch werden. Heute. Hier. Bei dir und mir.
Mein heuriger Weihnachtswunsch: Mach dich auf die Suche „nach dem Korb, der achtlos in die Ecke gestellt wurde“. Mach dich neu auf die Suche nach Gott, der Mensch wird, weil er gefunden werden will, weil er Nähe und Beziehung mit uns Menschen möchte. Oder anders ausgedrückt: Öffne und verändere deinen Heiligen Abend, gib Jesus Raum und Zeit, dass zu Weihnachten Gott dich findet! Frohe Weihnachten!
Pfarrer Werner Pirkner
Quelle: Pfarrzeitung Schwechat „das gespräch“, In: Pfarrbriefservice.de
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