Was ich tun kann, wenn mir mein Chef das Gefühl vermittelt, im Job dauerhaft verfügbar sein zu müssen?
Das rät Diplom-Psychologe Sebastian Jakobi
Vom Chef nicht gesehen, nicht gelobt, nicht wertgeschätzt werden. Kollegen, die ihre Mails auch am Wochenende checken. Ein unsicherer Job. Es gibt verschiedene Gründe, die dazu führen, dass sich Beschäftigte dazu verpflichtet fühlen, dauerhaft erreichbar, dauerhaft verfügbar zu sein. Sebastian Jakobi ist Diplom-Psychologe mit Schwerpunkt psychische Gesundheit bei der Arbeit und Mitglied des Bundesverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Vier Fragen – vier Antworten.
Sollte ich als Arbeitnehmer das Gespräch mit dem Chef suchen?
Sebastian Jakobi: Menschen, die Wertschätzung und Lob vermissen, denen geht es schlecht. Sie befinden sich in einer geschwächten Position. Wenn ich in einer geschwächten Position bin, ist es schwer mit der Führungskraft ins Gespräch zu gehen und das Gespräch zu suchen. Mit einer Person, die mich vielleicht nicht sieht, die mich vielleicht nicht wahrnimmt oder die vielleicht denkt, alles richtig zu machen. Gerade bei Führungskräften gibt es solche, die von sich selber denken, dass sie alles richtig machen, obwohl sie so viel falsch machen. Das sind sehr schwierige Gespräche.
Was kann ich stattdessen tun?
Sebastian Jakobi: Vielleicht kann ich jemanden auf der gleichen Hierarchieebene ansprechen. Kolleginnen und Kollegen. Oder Gremien im Betrieb, die gut sind. Den Betriebsrat zum Beispiel oder den Personalrat.
Gibt es spezielle Ansprechstellen, an die ich mich wenden kann?
Sebastian Jakobi: Das kommt darauf an, um welches Thema es geht. Geht es beispielsweise um Homeoffice? Um Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Bin ich alleinerziehende Frau und werde ständig übersehen? Vielleicht hat der Betrieb eine Frauenbeauftragte oder eine Gleichstellungsbeauftragte, mit der ich sprechen kann. Ich muss für mich prüfen, wer greifbar ist und wer hilfreich sein kann.
Sollte ich zur Mediation gehen?
Sebastian Jakobi: Wenn ich nur für mich ein Problem sehe, mein Chef jedoch nicht, ist Mediation schwierig. Mediation habe ich jedoch häufiger, wenn ein Konflikt bereits da und explizit ist. Wenn zwei Parteien wissen, dass es ein Problem gibt. Dann ist Mediation eine gute Sache.
Ronja Goj, In: Pfarrbriefservice.de
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