Was hilft, wenn alles festgefahren und bedrohlich erscheint?

Beobachtungen bei ukrainischen Flüchtlingen in Rumänien

Charkiv in Rumänien. Großmütter, Mütter und Kinder aus der zerbombten ukrainischen Stadt sind nach tagelanger Flucht bei uns in Hosman in Rumänien angekommen. Hier leben unsere Schützlinge aus verwahrlosten Familien, sie sind arm. Ich staune, wie sie die Fremden aufnehmen. Mit der Freude, dass sie es jetzt sind, die helfen können – den Opfern des Krieges im Nachbarland. Keine Spur von Eifersucht oder Gier. Nur Großherzigkeit, wie ich sie bei den Unsrigen bisher nicht erlebt hatte. Die blonden Kinder fallen im Dorf auf. Die Roma-Kinder zerren die ukrainischen Mädchen Poline und Maya in ihre kleinen Hütten. Jeder ist stolz, wenn die Flüchtlinge bei ihnen einkehren. Demyian wurde sofort in den Fußballclub aufgenommen. Die Mütter sind still. Wo sind die Männer? Manchmal verrät eine Träne, was die Frauen erlebt haben und um wen sie sich sorgen. Wort für Wort erobern sie die rumänische Sprache. Deniza und ihre zwei Töchter kommen in unsere Töpferei, sie machen die schönsten Schalen. Sie freuen sich über das Werk ihrer Hände. Ein Hoffnungsschimmer.

Die Kunstwerke der Ukrainerinnen lassen mich an den Acker denken, den der Prophet Jeremia kaufte, als seine Heimat vor dem Untergang stand. Die Babylonier belagerten und zerstörten Jerusalem. Trotzdem oder gerade deshalb erwarb der Prophet ein Stück Boden in seiner Heimat, um aller Welt zu zeigen: Gerechtigkeit und Frieden werden wieder kommen. Der Acker war ein Hoffnungszeichen wie die schönen Werke der ukrainischen Künstlerin, die vertrieben wurde.

Was kann ich tun, wenn mich Mutlosigkeit erfasst? Alles ist festgefahren und bedrohlich. Die Widerstände sind übermächtig. Ich kann es nicht ändern. Aber ich kann ein Zeichen setzen wie Deniza, die mit blassem Gesicht schöne Schalen formt und mit dem Raben des Elijah bemalt. So leistet sie mit den kleinen Kunstwerken Widerstand gegen die Aussichtslosigkeit und gegen den hässlichen Krieg.  

Welches Zeichen setzen Sie in dunklen Zeiten? Ein Acker, eine Schale, ein Schützling, ein neues Wort. Ich zünde ein Licht an. Wie gehen Sie gegen Verzweiflung und Ihre Mutlosigkeit vor?

Ihr Georg Sporschill SJ (Rumänien)
Quelle: Jesuiten.org: Newsletter – Ignatianische Nachbarschaftshilfe, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Georg Sporschill SJ, Quelle: Jesuiten.org: Newsletter – Ignatianische Nachbarschaftshilfe
In: Pfarrbriefservice.de