Was bleibt von Leid, Trauer und Zerstörung?

Vor zehn Jahren kam es zur Katastrophe von Fukushima

Mit dem Namen Fukushima verbinden die meisten Leid, Trauer und eine furchtbare Katastrophe. Vor zehn Jahren, am 11. März 2011, ereigneten sich dort gleich mehrere Unglücke: Nach einem Erdbeben flutete ein Tsunami die Ostküste Japans. Dabei wurde auch ein Atomkraftwerk zerstört, es kam zum zweitgrößten Reaktorunfall nach Tschernobyl im Jahr 1986. Mehr als 18.500 Menschen starben in Japan. Viele von denen, die überlebten, haben bis heute mit gesundheitlichen Folgen zu kämpfen.

Rolle der Religion

Die junge Bochumer Religionswissenschaftlerin Dunja Sharbat Dar hat untersucht, welche Rolle die Religion in der Verarbeitung der Katastrophe von Fukushima für die Menschen in Japan gespielt hat. Sie hat danach gefragt, was sich in den Jahren nach dem Unglück bei den Menschen und ihren religiösen Gemeinschaften geändert hat. Dafür hat sie eine christliche Gemeinde besucht, deren Kirche heute in der Evakuierungszone des Atomkraftwerkes steht. Durch die Katastrophe war der Gemeinde von heute auf morgen ihr Zentrum genommen. Erst Jahre später wurde eine neue Kirche an einem anderen Ort für die Gemeinde gebaut. Auch eine Shinto-Gemeinde, deren Schrein vom Tsunami zerstört und 2016 wieder neu errichtet wurde, nahm die Religionswissenschaftlerin unter die Lupe.

Religionen helfen, Trauer zu bewältigen

Für Dunja Sharbat Dar war es völlig überraschend, welche Kraft die religiösen Gemeinschaften für den Wiederaufbau aufbringen konnten. Außerdem habe es in den Religionsgemeinschaften eine außerordentlich große Hilfsbereitschaft gegeben. Die Religion habe den Menschen dabei geholfen, ihre Trauer zu bewältigen. Die Shinto-Gemeinde habe ein eigenes Ritual entwickelt, das an die Katastrophe erinnern und neue Hoffnung schenken sollte. Sie nannte es „Fest für die Zukunft“.

Menschen sind politischer geworden

Die Katastrophe habe dazu beigetragen, dass die Menschen sich politisch mehr engagieren. Die Forderung nach erneuerbaren Energien wurde plötzlich sehr stark und trug auch in Japan konkrete Früchte. Ähnliches konnte man auch in Deutschland beobachten, wo die Katastrophe von Fukushima die Wende zum später beschlossenen Atomausstieg herbeigeführt hat. Die Opfer aber sind oft vergessen. Während seines Besuchs in Japan im November 2019 hat Papst Franziskus weitere Hilfen für die Betroffenen der Katastrophe von Fukushima gefordert. In einer Begegnung hatten Opfer der Katastrophe ihm erzählt, dass einige Bewohner der verheerten Region im Nordosten Japans sich völlig vergessen fühlten, obwohl sie weiter mit verseuchten Böden und Wäldern sowie den langfristigen Auswirkungen der Strahlungen leben müssten. Rund 160.000 Bewohner mussten die Region verlassen und sich eine neue Existenz aufbauen. Der Papst hatte bei seinem Besuch zudem die Nutzung von Kernenergie deutlich infrage gestellt. In Japan werden dennoch weiterhin Atomkraftwerke betrieben. Bislang sind in dem hochgradig von Erdbeben und Vulkanen gefährdeten Inselreich neun Meiler wieder am Netz. Es wird nach Schätzung des Betreiberkonzerns Tepco noch rund 30 Jahre dauern, bis die Ruine von Fukushima endgültig gesichert und stillgelegt ist.

Marc Witzenbacher
aus: Magnificat. Das Stundenbuch 03/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

Fileinfo:
File format: application/msword
File size: 0,03 MB

You may NOT use this on social media platforms, i.e Facebook

Example of the copyright notice that you must provide when you use the text

Text: Marc Witzenbacher, www.magnificat.de
In: Pfarrbriefservice.de