Vom Hans im Glück

Überfluss ist eine Last

Wir alle kennen das Märchen der Gebrüder Grimm: Hans erhält als Lohn für sieben Jahre Arbeit einen kopfgroßen Goldklumpen. Diesen tauscht er zunächst gegen ein Pferd ein. Dann folgen weitere Tauschgeschäfte, die ihn nacheinander zum Besitzer machen von einer Kuh, einem Schwein, einer Gans, und je einem Feld- und Wetzstein. Die beiden Steine fallen schließlich in einen Brunnen und Hans ist seinen ganzen Besitz los. Was tut Hans? Er dankt Gott mit Tränen in den Augen, dass dieser ihn von vielerlei Last befreit habe. Er wird „der glücklichste Mensch unter der Sonne“ und bleibt es bis an sein Lebensende.

Wer sein Leben von anerkannten Gesetzen der Marktwirtschaft leiten lässt, kann nur den Kopf schütteln über solch ein „törichtes“ Verhalten. Hans hätte bei geschickter Verwaltung des Goldklumpens ein luxuriöses Leben führen können. Er lernte nicht aus seinen „Fehlern“ und ließ sich bis hin zur Mittellosigkeit wieder und wieder „übers Ohr hauen“.

Wohin führen die Gesetze der Marktwirtschaft?

Doch müssen Fragen erlaubt sein: Wohin führen die Gesetze der Marktwirtschaft? Zu mehr Lebensglück? Zu einem erfüllten Leben?

Unsere Kleiderschränke quellen über, wir schmeißen Lebensmittel in die Restmülltonne, die Kreuzfahrten boomen. Wir nehmen in unserem Konsumwahn in Kauf, dass die Erde ausgelaugt, das Klima überhitzt und die Würde von Mitmenschen, Tieren und Pflanzen mit den Füßen getreten wird. Geiz ist geil. Immer deutlicher tritt zutage, dass uns der Drang zu mehr und mehr materiellem Wohlstand zum Fluch wird.

„Nun also, ihr Reichen, weint und heult über eure Plagen, die über euch kommen! Euer Reichtum ist verfault, und eure Kleider sind von Motten zerfressen worden. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird zum Zeugnis sein gegen euch und euer Fleisch fressen wie Feuer; ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen.” (Jakobus 5,1-3; Elberfelder Bibel)

Das Leben bereichern

Hans hat sein Leben bereichert, indem er sich von materiellen Gütern trennte. Viele Menschen fühlen sich befreit, wenn sie sich durchgerungen haben, ihren Dachboden, den Kleiderschrank und die Garage zu entrümpeln. Oder wenn sie ihren Einkauf hinterfragen: Muss ich meine Kleiderkollektion jedem Modetrend unterwerfen? Brauche ich unbedingt einen neuen SUV? Habe ich nicht genug Lebensmittel in der Gefriertruhe?

„Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch“. (Matthäus 6,26, Lutherbibel 1912).

Auf dem Weg zu einem erfüllten Leben ist materielle Sicherheit elementar, Überfluss jedoch eine Last. Lasst uns dazu beitragen, dass das Märchen von einem erfüllten Leben jenseits des ausbeuterischen Konsumwahns Wahrheit wird, ein erfülltes Leben in Harmonie mit der Natur und damit mit Gottes Schöpfung.

Wolfgang Aull, Referent für Nachhaltigkeit und Umwelt, wolfgangaull.de, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Wolfgang Aull, Referent für Nachhaltigkeit und Umwelt, wolfgangaull.de
In: Pfarrbriefservice.de