Viel mehr als ein Tisch
Warum der Altar zentral für eine katholische Kirche ist
Er wird mit kostbarem Öl gesalbt, dann Weihrauch an fünf Stellen auf ihm verbrannt. Dazu kommen weitere Riten, etwa mit Weihwasser. Die sogenannte Altarweihe in der katholischen Kirche, mit der ein neuer Altar erstmals in den Dienst genommen wird, zeigt eindrucksvoll, wie wichtig der Altar für das Glaubensverständnis ist.
Denn er ist nicht einfach nur ein Tisch aus Holz, Stein oder Metall, sondern der Altar „versinnbildlicht Christus als lebendigen Grund- und Eckstein der Kirche“, wie beispielsweise das Erzbistum Köln auf seiner Internetseite die Altarweihe erklärt. Deswegen folgt die Weihe eines neuen Altars auch strengen Regeln, um seine Bedeutung zu unterstreichen.
Der deutsche Begriff „Altar“ entwickelte sich aus der lateinischen Sprache, altus heißt hoch, erhaben, beziehungsweise altaria, von alta ara „hoher Altar“. Das verweist auf antike Brandopferstätten, die erhöht lagen und meist für Darbringung von (Tier-)Opfer bestimmt waren, die den Menschen in Kontakt zur Gottheit bringen sollten. Auch der jüdische Tempel in Jerusalem zu biblischen Zeiten hatte zwei Altäre, einen Brandopferaltar und einen Räucheraltar.
Ein Altar ohne Opfer?
Aber im Christentum gibt es weder Tier- noch Brandopfer oder Vergleichbares. Warum also einen Altar in jeder Kirche? Entscheidend für den christlichen Altar ist die Verbindung mit der eucharistischen Feier. Opfer – in welcher Form auch immer – gibt es nicht mehr, weil Jesus Christus mit seinem Tod am Kreuz das ultimative Opfer gebracht hat, das in der Messfeier vergegenwärtigt wird.
Das bedeutet: Einerseits steht der Altar für den Opfertod Jesu. Ein typisches Bild für diesen Tod am Kreuz ist das Lamm, das geopfert wird und so „hinwegnimmt die Sünden der Welt“, wie es in der Liturgie der katholischen Messe heißt. Jesus hat sich also für das Heil der Welt geopfert, sein freiwilliges Sterben erlöst den Menschen und macht damit weitere Opfer, die etwa auf einem Altar dargebracht werden, unnötig.
Die zweite Bedeutung des Altars ist ebenfalls äußerst eng mit Jesus Christus verbunden. „Der Altar ist der wichtigste, der zentrale Ort in der Kirche“, erklärt Kölns Weihbischof Dominikus Schwaderlapp. „Es ist der Ort, wo die Eucharistie gefeiert wird.“ Der Altar stehe für Christus.
Die Eucharistiefeier erinnert einerseits an das Letzte Abendmahl Jesu Christi mit seinen Jüngern kurz vor seiner Verhaftung und dem folgenden Kreuzestod. Aber die Feier ist deutlich mehr als eine Erinnerung an eine letzte gemeinsame Mahlzeit, sondern im katholischen Verständnis ist in der Eucharistiefeier Jesus selbst gegenwärtig in Brot und Wein. Die eucharistischen Gaben werden in jeder Messe in Fleisch und Blut Christi gewandelt, auch wenn sie in der äußeren Gestalt Brot und Wein bleiben. Deswegen gilt die Eucharistie als „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, so formuliert es das Zweite Vatikanische Konzil.
Erste Eucharistiefeiern in Privathäusern
Die Entwicklung des Altars ist eng mit den frühen Christen verbunden. Zunächst trafen sie sich in Privathäusern und teilten dort in Vergegenwärtigung des Letzten Abendmahls das Brot. In den Häusern dürften einfache Holztische oder ähnliches zum Einsatz gekommen sein, zumal es in den ersten Jahrhunderten nach Christus noch eine weitgreifende Christenverfolgung gab.
Erst als das Christentum im 4. Jahrhundert im Römischen Reich anerkannt wurde (die sogenannte „Konstantinische Wende“ unter Kaiser Konstantin) und große Kirchen entstanden, konnte sich auch der Altar entsprechend zum Kirchenraum entwickeln. Nun bestanden die Altäre häufig aus Stein. Sie galten so als Sinnbild für Christus, den „Eckstein“ der Kirche. Gleichzeitig erinnerte der Stein an die Gräber der Märtyrer, der Glaubenszeugen, die für ihren Glauben gestorben waren und über denen viele frühe Kirchen errichtet wurden.
Das ist auch der Grund, warum in jedem Altar bis heute in der Regel Reliquien von Heiligen eingelassen sind. Ambrosius von Mailand erklärt schon im 4. Jahrhundert die Verbindung der Reliquien mit dem Altar: „Er, der für alle gelitten hat, liegt auf dem Altar: sie, durch sein Leiden erkauft, ruhen unter dem Altar.“ Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist allerdings nicht mehr vorgeschrieben, Reliquien im Altar beizusetzen. Der Brauch soll aber in der Regel beibehalten werden.
Altäre ändern sich je nach Epoche
In der Gestaltung der Altäre spiegelte sich seit den frühen Christen auch immer wieder die Epochen wider. In der Barockzeit entstanden beispielsweise besonders große Hochaltäre mit riesigen Bildern, Figuren und einer Menge vergoldeter Ornamente. Der Altar ging geradezu in der Architektur des Kirchenraumes auf. Schlichter und am Mittelalter orientiert wurden dann die Altäre im 19. Jahrhundert gestaltet.
Durch das Zweite Vatikanische Konzil und der neuen Liturgieordnung geschah noch einmal eine deutliche Veränderung. Seitdem steht der Altar meist frei im Raum, sodass der Priester der Gemeinde zugewandt die Messe feiern kann. So mancher historische Hochaltar wurde aus dem Kirchenraum verbannt oder blieb zwar an Ort und Stelle, die Kirche erhielt in der Regel einen zusätzlichen, eher schlicht gehaltenen sogenannten Volksaltar, an dem der Priester in Richtung der Gläubigen („Volk“) der Messe vorstehen kann.
Doch ob Flügelaltar aus dem Mittelalter oder prächtiger barocker Hochaltar: Bis heute hat der Altar in der katholischen Kirche nichts von seiner zentralen Bedeutung verloren.
Mathias Peter (Text leicht gekürzt), www.DOMRADIO.DE, In: Pfarrbriefservice.de
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