(Un-)Beschwert einkaufen

Kennen Sie das? Sie gehen Lebensmittel für die Woche einkaufen. Bei jedem Artikel, den Sie in den Einkaufswagen legen möchten, überlegen Sie sich dreimal, ob Sie das jetzt wirklich brauchen und ob es den Artikel nicht woanders günstiger gibt. Nein? Normalerweise nicht? Dann dürfen Sie sich wirklich glücklich schätzen. Sie gehören wahrscheinlich zu den Menschen, die ein geregeltes Auskommen haben, von dem man mindestens zufriedenstellend leben kann.

Ich war in diesem Sommer mit meiner Familie zum Urlaubmachen in der Schweiz. Wir hatten eine Ferienwohnung gemietet und haben während dieser Zeit auch selber gekocht. Daher waren wir dort öfters einkaufen. Man kann sagen, dass in der Schweiz für die meisten Lebensmittel ungefähr der eineinhalbfache bis doppelte Preis aufgerufen wird. Die Unbeschwertheit, gerade im Urlaub, einfach mal einkaufen zu gehen und sich vielleicht auch mal etwas Besonderes zu leisten, wollte sich bei mir überhaupt nicht einstellen. Im Gegenteil spürte ich fast eine gewisse Beklemmung darüber, dass ich hier sprichwörtlich den Gürtel enger schnallen musste. Richtig deutlich wurde mir das erst, als ich zurück zu Hause war. Mein erster Einkauf im Supermarkt, um den heimischen Kühlschrank wieder aufzufüllen, gestaltete sich folgendermaßen: Einfach entspannt durch den Laden gehen und die Dinge ohne großes Überlegen in den Einkaufswagen legen. So fühlt sich Freiheit an.

Und plötzlich konnte ich nachempfinden, wie es vielen Menschen mit geringem oder gar keinem eigenen Einkommen vermutlich geht: Ein dauerhaft nagendes Gefühl von Unfreiheit nimmt ihnen einen Teil ihrer Lebensfreude. Ich finde es gut, dass in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas der Staat, das heißt ein große Solidargemeinschaft von Bürgern, sich um Mitmenschen kümmert, die vom Leben benachteiligt sind. Und ich finde, dieses Engagement könnte manchmal ruhig noch etwas großherziger ausfallen.

Christian Schmitt, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Christian Schmitt
In: Pfarrbriefservice.de