Spuren hinterlassen
Kolumne: Zwischenmenschliches
Man hatte uns geraten, während unserer Wattwanderungen auf den Nebel zu achten, der dort überraschend auftreten kann. „Sofort den Rückweg antreten“, hieß es. Auf einer dieser Wanderungen hatte ich ein Erlebnis, das ich nicht mehr vergessen kann. Als wir ziemlich weit ins Wattenmeer hinausgegangen waren, wich ich mit meinen Füßen einem kleinen spitzen Stöckchen aus, das wohl ein Kind dort in den Schlick gesteckt hatte. Nach einiger Zeit kam tatsächlich der Nebel. Wir aber genossen noch eine Weile die Wanderung, bis es fast schon zu spät war. Um uns herum immer mehr Nebelschwaden. Wir wussten plötzlich nicht mehr, in welcher Richtung das feste Land war. Panik kam auf. Wir hielten unsere Blicke fest auf den Boden gerichtet, wo man noch halbwegs etwas erkennen konnte. Und plötzlich sah ich wieder jenes kleine Holzstöckchen, das im Schlamm steckte. „Gott sei Dank!“, schoss es mir durch den Kopf, „wir gehen zumindest in die richtige Richtung zurück“. Wie ungeheuer wichtig war für mich diese kleine, aber klare Spur.
Eine Welt kann zusammenbrechen, wenn ein gegebenes Versprechen plötzlich nicht mehr gehalten wird. Nervosität und Unsicherheit machen sich breit, unsere Füße suchen plötzlich nach irgendwelchen Wurzeln, an denen wir uns wieder verankern können. Auch der Tod eines geliebten Menschen, der Zusammenbruch einer Beziehung, ein unerwarteter Schicksalsschlag können uns ein Gefühl geben, als wenn wir in unserem Leben jäh ausgerutscht, den Halt verloren und zu Boden gegangen wären. Es gibt so viele kleine Haltepunkte in unserem Leben, die uns Orientierung und eine Vertrautheit ermöglichen. Dort, wo sie plötzlich fehlen, fühlt sich alles „abgegriffen“ an. Auch religiöse Botschaften können ihre Verlässlichkeit verlieren, wenn sie sich mehr und mehr nach dem momentanen Zeitgeist richten und nicht mehr die Wahrheit suchen. Auch wenn uns diese Wahrheit zunächst „gegen den Strich“ gehen mag.
Es bleibt der biblische Ruf, Jesu Fußstapfen nachzufolgen (1. Petrusbrief 2,21). Der Journalist Peter Hahne hat einmal gesagt: „Nur wer Profil hat, hinterlässt Spuren“. So sagte denn auch Albert Schweitzer einen wahren Satz: „Das einzig Wichtige im Leben sind Spuren von Liebe, die wir hinterlassen“. Spuren im Sand verwehen, Spuren im Herzen bleiben. Jedes Leben, besonders das Leben der Liebe hinterlässt Spuren, die sich tief eingraben in die Seele derer, die bereit sind, diese Spuren zu sehen und sie lesen zu lernen!
Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe, In: Pfarrbriefservice.de
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Text: Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und TheologeIn: Pfarrbriefservice.de
