Direkt zum Inhalt

Anzeigen

Slow Living Garden

Inspirationen einer Gärtnerin

Unabhängig von herausfordernden oder schnelllebigen Zeiten geht im Garten und in der Natur alles seinen Weg. Gerät etwas aus dem Takt, finden unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten einen neuen Rhythmus. Ihr spürbarer und unverzichtbarer Beitrag trägt zu einer Welt bei, in der die Natur den Bedingungen trotzt und sich immer wieder neu entwickelt.

Einen Garten zu bewirtschaften, wirkt wohltuend und ausgleichend sowohl auf den Körper als auch auf die Seele. Der Schlüssel für diese Wirkung liegt für manche in dem Erleben der Natur und ihrer Artenvielfalt selbst. Für andere ist es das erdende Gefühl, dass sie beim Tun mit den Händen in der Erde finden. Ein Ort der Entspannung und Erholung. Auf jeden Fall ein kreativer Prozess, der bereits beim Säen der Samen die Aussicht auf die Gartenträume erwarten lässt.

Die Slow-Bewegung

Für mich ist es nicht nur der Aufenthalt in unserem Garten, die Belohnung durch die hübsch blühende oder schmackhafteste Ernte oder der körperliche Ausgleich, denn Gartenarbeit kann auch sehr kräftezehrend sein. Für mich ist es die Bereitschaft, meinen Blick zu öffnen für den gewöhnlichen Moment, für das Alltägliche. Für einen Augenblick verbunden zu sein mit sich und der Natur. Innezuhalten, ganz besonders dann, wenn mich die Ungeduld packt. (Neu) Beginnen, zu wirken für mich und mit anderen. Den Fokus beim Gärtnern nicht nur auf das Resultat zu legen, sondern auch auf den Weg zum Resultat, auf den Prozess dorthin, ist mir wichtig. Er ist eng mit der Slow-Bewegung verbunden, die Ende der 1980er-Jahre mit dem Slow-Food-Konzept begann.

Die Slow-Food-Bewegung wurde von Carlo Petrini in Italien gegründet, um der Fast-Food-Kultur entgegenzuwirken und wieder eine Wertschätzung für lokale, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu fördern. Der Trend zur Langsamkeit wurde auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Diese Langsamkeit kommt im Wort „slow“ zum Ausdruck, das sich zusammensetzt aus sustainalbe (= nachhaltig, umweltverträglich), local (= regional), organic (= biologisch-ökologisch) und whole (= ganzheitlich).

Bewusst und nachhaltig

Auf dieser Philosophie basiert Slow Gardening, hier wird die Bedeutung nachhaltiger und bewusster Praktiken in der Landwirtschaft betont. Im Zuge des wachsenden globalen Interesses an nachhaltigem Leben und bewusster Ernährung begannen Gärtner und Umweltschützer, die Prinzipien des Slow Food auf die Gartenarbeit zu übertragen.

Zur gleichen Zeit wandelte sich auch unser Garten von einer Stätte der intensiven Gemüseproduktion hin zu einem Garten mit Gemüseanbau in freier Gestaltung, gemischt mit Blumen und natürlich ohne Pestizideinsatz. Das Ziel war es, der Natur in unserem Garten wieder viel Raum und Einfluss zu geben und trotzdem schmackhaftestes Gemüse ernten zu können. Dieses Tun war beeinflusst durch die Naturgartenbewegung. Diese Bewegung entstand als Reaktion auf die zunehmende Flächenversiegelung, den Verlust natürlicher Lebensräume und die Gefährdung der Artenvielfalt oder Biodiversität. Gartenbesitzer begannen, sich für naturnahe Gestaltung und ökologische Prinzipien zu interessieren. Mit Slow Gardening zog ein ganzheitlicher Ansatz in die Gartenarbeit ein, der Achtsamkeit und Geduld in den Mittelpunkt stellte. Er förderte eine tiefere Verbindung mit der Natur und ermutigte dazu, den Prozess des Gärtnerns als eine Form der Selbstfürsorge und Kreativität zu betrachten.

Daraus entstand als weitere populäre Gegenbewegung zum zunehmenden Tempo des modernen Lebensstils und der Konsumgesellschaft Slow Living als ganzheitliche Lebensphilosophie. Sie beschreibt eine bewusste und aufmerksame persönliche Grundhaltung, die für alle Lebensbereiche gilt, unter anderem für Mode, Konsum, Reisen, Wohnen und Einrichten.

Die Slow-Living-Gemeinschaft wuchs global. Als Kernelemente von Slow Living kristallisierte sich unter anderem Achtsamkeit, Qualität über Quantität, Nachhaltigkeit, Einfachheit, Gemeinschaft, Rituale und Traditionen, Selbstfürsorge oder Naturverbundenheit heraus. Damit ist ein bewusster Umgang mit Zeit und Ressourcen gemeint, ein Fokus auf umweltfreundliche Praktiken und bewussten Konsum, auf Wertschätzung von Erfahrungen und Dingen, die Bedeutung haben, oder auf eine Integration von Ritualen in den Alltag, wie gemeinsames Essen, Lesen oder Naturerlebnisse.

Slow Gardening wird zu Slow Living Garden

Die Idee hinter Slow Gardening, den Fokus auf den Prozess zu legen, entwickele ich weiter: Slow Living Garden, als der Garten in der Slow-Living-Bewegung. Er grenzt sich für mich insofern von Slow Gardening ab, als dass er neben der aufmerksamen und bewussten Haltung weitere Bereiche und Handlungsfelder des Gärtnerns einschließt. Anders ausgedrückt: Das Gärtnern wird als eine bereichernde Tätigkeit erlebt, die sowohl die Umwelt als auch das persönliche Wohlbefinden fördert und dabei nicht nur trotzdem, sondern gerade deswegen eine reiche Ernte hervorbringt.

aus dem Buch „Slow Living Garden“, S. 44 – 46, Swetlana Osmers, GU Verlag, https://gu.de/products/63902-slow-living-garden, In: Pfarrbriefservice.de

Weitere Materialien
Verknüpft mit:

Das Schwerpunktthema für Juli/August 2026

Datei-Info:
  • Dateiformat: .rtf
  • Dateigröße: 0,05 MB

Dieser Text darf nur zusammen mit dem unten verlinkten Buchcover abgedruckt werden.

Vor dem Herunterladen:

Verpflichtender Urhebernachweis
Bitte nennen Sie Urheber und Quelle wie folgt:
URHEBERNACHWEIS
Text: aus dem Buch „Slow Living Garden“, S. 44 – 46, Swetlana Osmers, GU Verlag, https://gu.de/products/63902-slow-living-garden
In: Pfarrbriefservice.de