Siege der Menschlichkeit in einer unmenschlichen Krise

Bischof Mario Moronta fängt mit einem Netzwerk der Hilfe Venezuelas Schwächste auf

Mario Moronta kommt immer zu früh zur Messe. „Dann habe ich Gelegenheit, mit den Menschen zu reden“, sagt er, während eine Straßenhändlerin ihm einen Kaffee in die Hand drückt. Moronta will wissen, wie das Geschäft läuft. „Man schlägt sich so durch“, lautet die Standardantwort in einem Land, in dem das Geld jeden Tag weniger wert ist und der Mangel den Alltag beherrscht. Immer mehr Venezolaner kehren ihrer Heimat den Rücken.

Zurück bleiben die Schwächsten: Kinder, Mütter, Alte. Viele können sich nur noch eine Mahlzeit am Tag leisten. Medikamente sind schwer aufzutreiben. Für die Bedürftigen hat die Diözese auch mit Hilfe des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat ein Netzwerk von Suppenküchen und kleinen Apotheken in den Pfarreien eingerichtet. Gespeist wird das Netz von Spenden, die über verschlungene Wege aus dem benachbarten Kolumbien nach Venezuela gelangen. Moronta hält darüber seine schützende Hand.

Als er 1975 die Priesterweihe empfing, boomte das Erdölland Venezuela. Moronta entstammt der damals entstandenen Mittelschicht. Sein Vater war Buchhalter im Staatsdienst und ein eifriger Leser – eine Leidenschaft, die Mario erbte. Seine Mutter zog die vier Kinder groß. Die Familie lebte in der Hauptstadt Caracas, war katholisch und sozial engagiert.

Mario besuchte eine katholische Schule, und aus der Bewunderung für seine Lehrer entstand die Berufung zum Priester. Seine großen Vorbilder sind die Reformpäpste Johannes XXIII. und Paul VI., den er noch persönlich kannte. Über ihn hat Moronta ein Buch geschrieben und wurde mit dem nach ihm benannten Preis für sein soziales Engagement im Jahr 2018 in Rom ausgezeichnet.

Das soziale Engagement teilte Moronta mit dem verstorbenen Expräsidenten Hugo Chávez. Lange war der „rote Bischof“ einer der Brückenbauer zur sozialistischen Regierung. Doch dann geriet Venezuela immer mehr in die Fänge des kubanischen Kommunismus. Gleichzeitig breiteten sich Korruption und Misswirtschaft aus. Seit Nicolas Maduro Chávez an der Staatsspitze beerbt hat, sind die Brücken eingestürzt. Doch Moronta glaubt trotzdem an einen Dialog. Und die Venezolaner wissen: Wenn alle Stricke reißen, bleibt immer noch die Kirche.

Text: Sandra Weiß; Fotos: Florian Kopp

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Adveniat-Weihnachtsaktion 2019: Friede! Mit Dir!

Viele Menschen in Lateinamerika und der Karibik träumen vom Frieden. Doch Mensch und Natur werden nach wie vor rücksichtslos ausgebeutet. Gründe für den Unfrieden sind die Schere zwischen Arm und Reich, die Diskriminierung von Minderheiten wie indigenen Völkern, Afroamerikanern, Frauen und Jugendlichen. Bildungsprojekte, die junge Menschen von Armut befreien, Friedensprojekte, die Konfliktparteien wieder an einen Tisch bringen, Menschenrechtsarbeit zugunsten indigener Völker und Landwirtschaft im Einklang mit Mensch und Natur – das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt zahlreiche Initiativen, die der Bevölkerung ein Leben in Frieden untereinander und mit der Umwelt ermöglichen. Grundvoraussetzung dafür sind weltweite Solidarität und verantwortliches Handeln im Alltag auch hierzulande. Im November und Dezember kommen Adveniat-Aktionspartner aus Peru, Venezuela, Kolumbien und Bolivien nach Deutschland, um von ihrer Friedensarbeit zu berichten. Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion findet am 1. Advent, dem 1. Dezember 2019, im Erzbistum Freiburg statt. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45.

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Text: Sandra Weiß / Adveniat
In: Pfarrbriefservice.de