Sie mussten nach links gehen

Buchrezension von Elisabeth Wagner-Engert

Spannender Roman über die Befreiung der 18-jährigen Zofia aus dem Konzentrationslager, ihrer Suche nach ihrem Bruder und einer vorstellbaren Zukunft.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Zofia, die als Einzige ihrer polnisch-jüdischen Familie NS-Terror und Konzentrationslager überlebt hat und jetzt der Gruppe der Displaced Persons (Menschen, die keine Heimat haben) angehört. Noch völlig befangen von dem, was sie im Konzentrationslager erlebt hat, versucht Zofia irgendwie weiter zu leben. Ihr vorrangiges Lebensziel ist es, ihren jüngeren Bruder Abek zu finden, von dem sie weiß, dass er an der Rampe in Auschwitz nicht nach links, also direkt in die Gaskammer, gehen musste. Zofias Familie hatte eine Textilfabrik, sie hat nähen gelernt und stickte, ganz in der Familientradition, schon vor dem Krieg gerne heimliche Botschaften in Kleidungstücke. In dem Mantel, den ihr Bruder bei der Deportation trug, ist ein kleines Stoffstück mit einem Alphabet der Familie eingenäht. Dieses Alphabet macht das Buch extrem spannend. Der US-amerikanischen Journalistin gelingt es, die historische Situation der Jahre 1945/46 präzise darzustellen und gleichzeitig die Traumata, der NS-Opfer glaubwürdig zu schildern. Zofia hat die Menschen aus dem gestickten Familien-Alphabet verloren, begegnet aber in allem Leid auch Menschen, denen sie vertrauen kann und fasst so neuen Mut für ein Leben nach dem Krieg. 

Das Buch steht auch auf der Empfehlungsliste des Katholischen Kinder- Jugendbuchpreises 2020, Zitat: „Monica Hesse vermittelt ein historisch präzises und gleichzeitig nachhaltig berührendes Portrait der Menschen, die nach den Traumata der KZ einen Weg zurück ins Leben finden mussten.“

Bibliografische Daten:

Sie mussten nach links gehen
Monica Heese
aus dem Amerikanischen von Cornelia Stoll
cbj Verlag
Erscheinungsjahr: 2020
Hardcover
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-570-16602-4
EUR 18,00 [D]

Elisabeth Wagner-Engert, In: Pfarrbriefservice.de

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Buchcover „Sie mussten nach links gehen"

Elisabeth Wagner-Engert

Vita

Elisabeth Wagner-Engert

Jahrgang 1963, verh., drei erwachsene Töchter, arbeitet ihr gesamtes Berufsleben im Bibliotheksbereich, am liebsten in der Vermittlung von Kinder- und Jugendbüchern und hat sich deshalb zur Literaturpädagogin weiterqualifiziert. Seit 2017 ist sie Mitglied in der Jury des Kath.

Elisabeth Wagner-Engert

Verknüpft mit:
Neues Buch der Serie „Kinder- und Jugendbücher entdecken“

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Text: Elisabeth Wagner-Engert
In: Pfarrbriefservice.de