Liedportrait (17): "Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott" (GL 453)

Prof. Dr. Meinrad Walter
30.01.2014 - 00:00

Worte: Eugen Eckert; Musik: Anders Ruuth

Nichts weniger als eine kleine Theologie des Segens entwirft dieses Lied in Wort und Ton. Im Hintergrund steht der „Aaronitische Segen“ aus dem alttestamentlichen Buch Numeri, Kapitel 6, Verse 22-27: „Der Herr sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil."

Eindringliche Bitte

Wenn die Gemeinde dieses Lied anstimmt, dann stimmt sie sich ein auf den Zuspruch des göttlichen Segens. „Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott“ - die Bitte ist so wichtig, dass sie jede Strophe eindringlich „einläutet“. Vier Mal wird sie entfaltet. In der ersten Strophe geht es um Nahrung für Leib und Seele. „Sei Quelle und Brot in Wüstennot“ - diese Bitte ist ein Echo auf die Erfahrungen des Volkes Israel mit Manna (Ex 16) und Wasser (Ex 17) in der Wüste. Zugleich klingen in symbolischer Sprache zwei Sakramente an: Taufe („Quelle“) und Eucharistie („Brot“).

Segen als Zuwendung

Die zweite Strophe beschreibt den Segen poetisch als Zuwendung. Segen bringt „Wärme und Licht“. Er bleibt nicht anonym, sondern ist Begegnung von Angesicht zu Angesicht, gerade im Ernstfall des Leidens. Solche Zuwendung des Segnens hat ihr Pendant in der Abwendung des Bösen (3. Strophe), das in diesem Lied nicht verschwiegen wird. Erlösung und Frieden sind zwei Worte für das eine Ziel, das die Bibel „Reich Gottes“ nennt. Ist es schon da oder steht es noch aus? Darauf antwortet die letzte Strophe: Das „Leben in Fülle“, das uns im Segen zugesprochen wird, steht noch aus - und ist doch schon da als Verheißung - verbürgt vom Heiligen Geist und in diesem Geist zu verstehen, ja zu ergreifen.

Innerer Spannungsbogen

Im Rückblick wird der dreifache Aufbau des Liedes deutlich: Die erste Strophe besingt Gott den Vater, die zweite und dritte nennen den Sohn, der das Leiden mitträgt und das Böse abwehrt; doch erst der Geist „um uns“ führt uns in diese Wahrheit ein. Mit diesem trinitarischen Rhythmus überträgt Eugen Eckert, der Verfasser der Worte, die abschließende Segensformel „das gewähre euch der dreieinige Gott“ auf das gesamte Lied. Dieser innere Spannungsbogen legt es nahe, gerade dieses Lied immer ganz zu singen und keine Strophe auszulassen.

Lied aus der Tiefe

Dass es in Moll steht, macht das Segenslied keineswegs kraftlos. Die Melodie schuf der schwedische Theologe Anders Ruuth um 1968 in Buenos Aires. Inspiriert war er dabei von argentinischer Volksmusik und von Tango-Klängen. Der ruhig schwingende Dreiertakt wird durch eine Synkope am Ende des ersten Satzes belebt, die nicht hektisch oder eckig klingen darf. Das Lied kommt aus der Tiefe. Melodisch und harmonisch öffnet sich der erste Teil erwartungsvoll bittend, nachdem der Tonraum einer ganzen Oktave von unten nach oben durchschritten ist. Der zweite Teil weist dann von oben nach unten, was durch die Wiederholung noch verstärkt wird.

Nichts anderes ist der Segen: zunächst die Bitte aus der Tiefe, dann der Zuspruch aus der Höhe, denn „der Segen kommt von oben“. Deshalb führt die erste Strophe von „unsern Wegen“ bis zu „deinem Segen“. Die letzte Strophe schlägt dann die andere Richtung ein: Der Segen entlässt uns, auch auf neue Wege.

Meinrad Walter
Prof. Dr. Walter ist Referent im Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg.

Hinweis für Pfarrbriefredaktionen: Die Liedportraits dienen dazu, ausgewählte Gesänge des neuen Gotteslob der Gottesdienstgemeinde vorzustellen. Ein Andruck des neuen Gotteslob steht allen Gemeinden seit Februar 2013 zur Verfügung. Kopien daraus sind für den Gebrauch im Gottesdienst zulässig. Ein Abdruck des Liedes im Pfarrbrief muss im Allgemeinen von den Rechteinhabern (Melodie/Text) genehmigt werden.

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Text: Prof. Dr. Meinrad Walter
In: Pfarrbriefservice.de