Liedporträt (20): "Jerusalem, du neue Stadt" (GL 338)

Prof. Dr. Meinrad Walter
14.03.2014 - 00:00

Worte von Fulbert von Chartres (gest. 1029), Übersetzung: Münsterschwarzach; Musik von Heinrich Schütz (1661)

Fulbert von Chartres, ein gelehrter Bischof des 11. Jahrhunderts (Gedenktag am 10. April), und der frühbarocke protestantische Komponist Heinrich Schütz sind die Autoren dieses österlichen Liedes. Im Mittelpunkt steht das himmlisch-jubelnde Jerusalem als wahrhaft klangvolles Thema.

Gleich die zweite Liedzeile „Gib deinen Liedern neuen Klang“ ist eine treffliche Umschreibung für das Canticum novum, das im Alten und Neuen Testament verheißene neue Lied. Dabei darf man zuerst an die Psalmen denken mit ihrer Aufforderung „Singt dem Herrn ein neues Lied“ (Psalm 98), ebenso aber auch an die Offenbarung des Johannes. In diesem letzten Buch des Neuen Testaments stimmen die Erlösten in der endzeitlichen Stadt Jerusalem das neue Lied an. „Ohne Ende“ erklingt es an Gottes Thron.

Reine Freude nur mit Musik

In der Osterzeit, dem christlichen Fest schlechthin, ertönt schon ein Präludium zu diesem ewigen Lied. Warum? Weil die „reine Freude“ am Fest aller Feste nicht ohne Musik auskommt.

Die zweite Strophe bindet verschiedene Motive der Auferstehung zu einem bunten Osterstrauß. Zunächst geht es um den Sieg der Auferstehung, und zwar im Rückgriff auf die Ostersequenz „Victimae paschali laudes“ mit ihrer Kampfthematik: Christus ist der sieghafte Löwe. Dem namentlich nicht bekannten Übersetzer aus dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach fließt eine Formulierung in die Feder, die den Löwen („leo“ im lateinischen Original) zum „Helden“ werden lässt: „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ – so heißt auch der fanfarenhafte Mittelteil der Alt-Arie „Es ist vollbracht“ in Johann Sebastian Bachs Johannespassion. Drittens klingt die Theologie des Karsamstags an, wie die Ostkirche sie kennt und wie sie auch auf vielen Bildern zu sehen ist: Christus steigt in die Unterwelt hinab, um die Toten heraufzurufen ins neue Leben. Im Übrigen ist der gesamte, ursprünglich lateinische Hymnus, dessen Verfasser Fulbert von 1006 bis 1029 Bischof in Chartres war, von ostkirchlichen Einflüssen geprägt.

Die Perspektive der Erlösten

Die dritte Strophe beschreibt Ostern aus der Perspektive der Erlösten. Als Befreite folgen sie Jesus nach. Das meint, dass alle, die Jesus bis zum Kreuz gefolgt sind, ihm auch in die Herrlichkeit folgen. Gottes Reich kennt keine Grenzen, weder räumlich noch zeitlich. Es eint Himmel und Welt, und es dauert ewig. Mit einem trinitarischen Lobpreis, der als erstes Christi Grab und Auferstehung nennt, schließt dieser Hymnus, dessen originaler Titel „Chorus novae Jerusalem“ heißt: Der Lobgesang des neuen Jerusalem.

Schwungvolle Musik mit protestantisch-barockem Ursprung

Doch welche Melodie passt zu diesem mittelalterlichen Hymnus? Das Gotteslob entschied sich für eine schwungvolle Musik mit protestantisch-barockem Ursprung. Der Komponist ist Heinrich Schütz (1585–1672), dessen geistliche Kompositionen die Luther-Bibel in Musik „übersetzen“ und zugleich jener Affektschilderung verpflichtet sind, die damals zu den neuesten Errungenschaften der italienischen Opern zählte. Nach seiner Pensionierung als Dresdner Hofkapellmeister und einer tiefen existenziellen „Betrübnis“ durch den Tod seiner Frau hat Schütz versucht, aus den biblischen Psalmen „Trost zu schöpfen“. So hat er den gesamten deutschen Reimpsalter von Cornelius Becker vierstimmig in Musik gesetzt. Diese Arbeit nennt er die „Trösterin meiner Traurigkeit“.

Die dem Hymnus „Jerusalem, du neue Stadt“ zugeordnete Melodie gehört bei Schütz zum 150. Psalm „Lobt Gott in seinem Heiligtum“, ist also die letzte seines „Becker-Psalters“. Das musikalische Motto des Hymnus „… gib deinen Liedern neuen Klang“ stammt aus der Offenbarung des Johannes: „Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron …“ (Offenbarung 14,3). Mit diesem endzeitlichen Lied schließt sich der Kreis zu Psalm 150, dessen vierten Vers Cornelius Becker so übersetzt: „Lobet den Herren mit Gesang / und lasst hergehn der Pauken Klang, / die Saiten lieblich klingen drein / mit Pfeifen fröhlich in den Reihn.“

Eine Kurzformel all dieser Worte und Klänge ist – in den Psalmen wie in der Offenbarung des Johannes – der jüdisch-christliche Jubelruf „Halleluja“. Auch er lässt sich auf unsere Melodie sehr gut singen, etwa als Zwischenvers oder zum Abschluss der österlichen Strophen.

Meinrad Walter
Prof. Dr. Walter ist Referent im Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg.

Hinweis für Pfarrbriefredaktionen: Die Liedportraits dienen dazu, ausgewählte Gesänge des neuen Gotteslob der Gottesdienstgemeinde vorzustellen. Ein Andruck des neuen Gotteslob steht allen Gemeinden seit Februar 2013 zur Verfügung. Kopien daraus sind für den Gebrauch im Gottesdienst zulässig. Ein Abdruck des Liedes im Pfarrbrief muss im Allgemeinen von den Rechteinhabern (Melodie/Text) genehmigt werden.

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Text: Prof. Dr. Meinrad Walter
In: Pfarrbriefservice.de