Schöpfungslust statt Umweltfrust

Christliche Lebensstile als subversive Kraft für ein neues ökosoziales Wohlstandsmodell

Seit jeher gewinnt der christliche Glaube seine Überzeugungskraft nicht allein durch Worte und dogmatische Lehren, sondern durch die Art und Weise, wie Christinnen und Christen leben. Der Lebensstil ist authentischer Ausdruck dessen, was uns wirklich wichtig ist. Schöpfungsverantwortung zeigt sich darin, wie wir mit den Dingen, Mitmenschen und Mitgeschöpfen umgehen, wie wir einkaufen, essen und uns bewegen.

Kriterien für einen christlichen Lebensstil

Ein christlicher Lebensstil hat viele Gesichter. Er verbindet die Fähigkeit zum Genuss mit der Bereitschaft zum Verzicht. Askese im ursprünglichen Sinn ist Einübung in eine tiefere Freude an den Gaben von Gottes guter Schöpfung. Schöpfungslust statt Umweltfrust ist die Grundstimmung einer christlichen Ökologiebewegung. Über Umwelt- und Sozialbilanzen hinaus geht es ihr um ein anderes Verständnis von gutem Leben: Reichtum und Freiheit sind nach christlicher Auffassung nicht an der Menge von Besitzständen zu messen, sondern an der Fähigkeit, sich an den Dingen zu freuen, sie zum Wohl des Nächsten zu gebrauchen, sie zu teilen und zu erhalten. Aufmerksamkeit, Freundschaft und Zeitwohlstand sind Kriterien von einem Glück, das dem christlichen Menschenbild entspricht. Wer weiß, was er nicht braucht, lebt besser und zufriedener.

Vom „Ver-braucher“ zum „Fair-braucher“

Jeder Bürger und jede Bürgerin kann zum Beispiel täglich durch eine „Politik mit dem Einkaufskorb“ mitentscheiden, was und wie produziert wird. Verbraucherverhalten ist millionenfache Abstimmung mit den Füßen. Wer ökologische, fair gehandelte oder regionale Produkte bevorzugt und dem Konsumrausch entsagt, befindet sich im subversiven Widerstandskampf gegen die sanfte Gewalt dauernder Wunscherzeugung und Manipulation durch Werbung. Er wandelt sich vom „Ver-braucher“ zum „Fair-braucher“. Konsumentenverantwortung ist die neue revolutionäre Kraft der Zivilgesellschaft. Darauf setzt auch die Enzyklika von Papst Benedikt XVI. (Caritas in veritate Nr. 37-51). Christliche Lebensstile sind eine subversive Kraft für das ökosoziale Wohlstandsmodell der Zukunft.

Prof. Dr. Markus Vogt, München

aus: Anders besser leben. Lebensstile für eine lebenswerte Welt. Broschüre des Diözesanrates der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, Dezember 2009. www.erzbistum-muenchen.de/lebensstile

Verknüpft mit:
Das Schwerpunktthema für August 2011

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Text: Prof. Dr. Markus Vogt
In: Pfarrbriefservice.de