Mutig den Glauben leben
Pfingsten erinnert uns Christen, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind
Einmal in der Woche besuche ich eine syrische Familie und unterstütze deren Kinder bei den Hausaufgaben. Nach mehreren Jahren in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften ist die sechsköpfige Familie glücklich, endlich in den eigenen vier Wänden wohnen zu dürfen. Ein kleines Haus mitten in der Stadt in unmittelbarer Nähe zu Kirche und Pfarrzentrum, das früher als Dienstwohnung für kirchliche Angestellte genutzt wurde. Das kirchliche Umfeld scheint abzufärben: Die Familie bereitet sich inzwischen auf den Empfang der Taufe vor. Und überrascht mit einem plakatgroßen Christusbild, dekoriert mit Blumen und LED-Kerzen neben dem Hauseingang. Etliche der vorbeigehenden Passanten zeigen sich verwundert, andere reagieren ablehnend oder mit Kopfschütteln.
Das öffentlich zur Schau gestellte Bekenntnis zu Christus findet kaum Zustimmung und schon gar keine Akzeptanz. Zugegeben – es ist eine ungewöhnliche Art und Weise, sich zu seinem Glauben zu bekennen. Und sein persönliches Glaubensbekenntnis für jeden sichtbar auszustellen. Aber mutig! Zumal mehr und mehr vertraute christliche Symbole aus dem öffentlichen Raum verschwinden und viele Christen sich nicht mehr trauen, ihren Glauben offen zu leben. Vielleicht auch eine Folge des angeschlagenen Images der Kirchen und ihres Verlusts an Glaubwürdigkeit?
Dabei hätten wir Christen Grund genug, unseren Glauben mutig und selbstbewusst zu leben. Das bevorstehende Pfingstfest, das die Sendung des Heiligen Geistes feiert, erinnert daran. Zwar führt das christliche Hochfest inzwischen eher ein Schattendasein neben Weihnachten und Ostern. Vielleicht, weil es vielen schwerfällt, sich den Heiligen Geist vorzustellen. Denn ein „Geist“ ist unsichtbar. Dabei ist die Geistverleihung seit dem Urchristentum fest im christlichen Glauben verankert. „Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und habt alle das Wissen“, und „die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch,“ schreibt der Evangelist Johannes in seinem ersten Brief und spielt damit auf die Taufe an. Die Salbung durchdringt die Getauften mit dem Heiligen Geist und stellt sie unter den bleibenden Segen Gottes.
Das bei der Taufe zur Salbung verwendete Chrisamöl ist von geheimnisvoller Symbolik. Seit Jahrtausenden wird die Salbung mit Chrisam als religiöses Ritual der Heilung und Heiligung vollzogen, als Zeichen der Übertragung und Legitimation religiöser und politischer Macht. Auch die biblische Tradition kennt die Salbung von Königen, Priestern und Propheten. Die alttestamentlichen Geschichten erzählen über die Einsetzung prominenter Könige wie Saul, David und Salomo. Durch ihre Salbung galten sie als von Gott beauftragt und legitimiert. Und waren dadurch mit ihm, dem „Heiligen“, eng verbunden.
Wie die alttestamentlichen Könige mit Gott verbunden sind, so sind wir Christen mit „Christus“, dem „Gesalbten“ – von griechisch „chrisma“ (Salbung) – verbunden. In diesem Sinne dürfen wir uns Söhne oder Töchter Gottes nennen. Mehr geht eigentlich nicht. Und sollte Grund genug, ja vielleicht sogar Ansporn sein, seinen christlichen Glauben selbstbewusst auch nach außen zu leben.
Christine Hober
Quelle: Krankenbrief 06/25, www.krankenbrief.de, In: Pfarrbriefservice.de
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Text: Christine Hober, Quelle: Krankenbrief 06/25, www.krankenbrief.deIn: Pfarrbriefservice.de
