Mut zum Loslassen
Wie Abschiednehmen uns wachsen lässt und neues Leben eröffnet
Ein 112-jähriger Mann wurde einmal gefragt, was in seinem Leben wirklich wichtig war. Seine Antwort war überraschend einfach: immer weiter lernen. Ja, wir Menschen scheinen dazu geboren zu werden, um zu lernen. Dazu gehört auch das Abschiednehmen, das Sich-Trennen und Loslassen können. Das fängt schon ganz am Anfang an. Bei unserer Geburt lässt uns unsere Mutter los, damit wir überhaupt ins Leben starten können. Aber dieses Loslassen bedeutet nicht Verlust, sondern ein Mehr an Leben.
Gleichzeitig gehört zu einem gelingenden Leben auch das Gegenteil: das Festhalten können. Als Kinder suchen wir Nähe und Halt. Und auch später halten wir fest – an Menschen, an Ideen, an dem, was uns wichtig ist. Noch im Augenblick des Todes klammern wir uns an das Leben. Gläubige halten aber auch an der Kraft ihrer Hoffnung fest, die über den Tod hinaus neues Leben verspricht. Sie vertrauen dabei auf Jesus, der von sich gesagt hat: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt…“ (Joh 11,25-26).
Weil vielen das Loslassen wohl schwerer fällt als das Festhalten, gilt es, das Loslassen immer wieder im Leben zu lernen. Was kann dabei helfen?
- Klarheit schaffen: Sich auch schon in jungen Jahren um eine Patientenverfügung, eine Vorsorgevollmacht und ein gerechtes Testament kümmern. Das entlastet uns selbst und unsere Angehörigen.
- Ballast reduzieren: Sowohl äußerlich als auch innerlich. Weniger Zeug, weniger unnötiger Stress. Mehr Fokus auf das, was wirklich zählt.
- Nicht auf später verschieben: Zeit und Energie lieber in Dinge stecken, die uns wirklich wichtig sind – statt in das, was uns nur beschäftigt.
- Ängste hinterfragen: Viele „Wenns und Abers“ halten uns davon ab, Dinge auszuprobieren. Nicht jede Angst verdient es, ernst genommen zu werden.
- Frieden schließen: Verzeihen, wo es möglich ist. Und Verantwortung übernehmen, wo wir selbst Fehler gemacht haben. Ehrlichkeit schafft Leichtigkeit.
- Den Blick verändern: Es gibt viele Berichte von Menschen, die dem Tod sehr nahe waren und danach anders auf ihr Leben schauen – oft freier, mutiger, bewusster.
Möge es uns gelingen, die Hoffnung festzuhalten und unsere Ängste loszulassen – und darin ein Leben lang besser zu werden.
Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe, In: Pfarrbriefservice.de
Datei-Info:
- Dateiformat: .rtf
- Dateigröße: 0,06 MB
Nutzungsbedingungen auf einen Blick:
- Einsatzbereich: Kostenfrei für die nichtkommerzielle kirchliche Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Pfarr-/Gemeindebrief, Plakat, Flyer, Website) sowie für Unterrichtszwecke*
- Urhebernachweis: Sie verpflichten sich, den Namen des Autors / der Autorin sowie „Pfarrbriefservice.de“ als Quelle und ggf. weitere Angaben zu nennen.
- Belegexemplar: Wir freuen uns über die Zusendung eines Belegs an unsere Redaktionsanschrift.
- Soziale Medien:
*) Ausführliche Infos zu unseren Nutzungsbedingungen finden Sie hier.
Verpflichtender Urhebernachweis
Bitte nennen Sie Urheber und Quelle wie folgt:In: Pfarrbriefservice.de
