Mit Gottes Geist ins neue Jahr
Wie das Fest der Taufe des Herrn Mut machen kann
Der Januar wirkt oft seltsam blass im Vergleich zum Glanz der Advents- und Weihnachtszeit. Viele empfinden diesen ersten Monat des Jahres als schwierig, ja herausfordernd. Auf die euphorische Stimmung des Jahreswechsels folgt nicht selten eine spürbare Ernüchterung. Der Januar schwankt zwischen Hoffnung und Ungewissheit – vielleicht ein Spiegel seines Namensgebers, des doppelgesichtigen Gottes Janus. Mit einem Gesicht blickt er zurück auf das, was war. Mit dem anderen schaut er nach vorn auf das, was werden kann. Er steht an der Schwelle zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen Abschied und Aufbruch.
So verstanden, lädt der Januar uns ein innezuhalten, die eingeübten Komfortzonen zu verlassen und unser Leben vielleicht neu zu sortieren. Die Stolpersteine der Vergangenheit dürfen wir dabei liegen lassen, um neue Wege zu erkunden. Doch das ist nicht immer leicht. Allzu schnell überdecken wir unsere diffuse Unzufriedenheit mit vertrauten Alltagsroutinen. Es braucht Mut und innere Stärke, den Blick neu auf das Wesentliche zu richten.
Gerade jetzt lohnt es sich, die verborgenen Schätze unseres Kirchenjahres zu entdecken, die oft leicht übersehen werden. Der Januar bietet hier Überraschendes. Fast unbemerkt liegt das Fest der „Taufe des Herrn“ am Rande der Weihnachtszeit – ein Fest mit jahrhundertealter Tradition. Die Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas berichten von der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. In ihren Erzählungen öffnet sich der Himmel und der Heilige Geist kommt wie eine Taube auf Jesus herab. Eine Szene, die das Unsichtbare sichtbar macht: Gottes Nähe, seine Liebe und sein Geist, die in Jesus Gestalt annehmen.
Über viele Jahrhunderte gehörte dieses Ereignis zu den drei Festgeheimnissen der „Erscheinung des Herrn“ – neben der Anbetung der Sterndeuter und der Hochzeit zu Kana. Mit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils bekam die „Taufe des Herrn“ einen neuen sinnbildlichen Platz: Die Taufe Jesu bildet – am Sonntag nach dem Dreikönigstag – den Abschluss der Weihnachtszeit.
Damit wird zu Beginn eines jeden Jahres eine Brücke zu unserer eigenen Taufe geschlagen. Im Tagesgebet heißt es: „Gib, dass auch wir, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind, in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben“. Der Apostel Paulus unterstreicht das im Brief an die Galater: „Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.“
Deutlich wird hier, dass die Taufe weit mehr als ein einmaliges Ereignis ist. Sie ist lebendige Verbindung mit Christus und ermöglicht uns Jahr für Jahr eine neue Existenz, die aus dem Geist Gottes lebt. Das Bild vom „neuen Gewand“ lädt uns ein, uns von Christus prägen zu lassen. So entsteht Verwandlung in unserem Leben. Alte unliebsame Gewohnheiten dürfen wir dann getrost ablegen. Das neue Kleid, das wir in der Taufe empfangen haben, eröffnet uns die Tür zur Umkehr. Weg vom Unwesentlichen, hin zu einem Leben in der Nachfolge Jesu.
Der Festtag der Taufe des Herrn erinnert daran, die uns von Gott zugesprochenen Gaben des Geistes neu zu entdecken. Was für eine Chance für das vor uns liegende neue Jahr!
Christine Hober
Quelle: Krankenbrief 01/26, www.krankenbrief.de, In: Pfarrbriefservice.de
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