„Liebe Kitty…“

Das Tagebuch der Anne Frank erschien 1947 in einer ersten Fassung

Am 25. Juni 1947 erschien in den Niederlanden die erste, bearbeitete Fassung eines Tagebuchs unter dem Titel „Het Achterhuis“ – („Das Hinterhaus“). Es ist das Tagebuch eines jungen jüdischen Mädchens, mit Namen Anne Frank, das sich mit noch weiteren sieben Personen in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nationalsozialisten verstecken musste, bis sie dann doch entdeckt und mit 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen 1945 verstarb.

Eigentlich hieß sie Annelies Marie Frank, aber alle nannten sie nur „Anne“. Sie wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main als zweites Kind einer jüdischen Familie geboren. Ein sehr fröhliches Kind. Ihr Vater Otto Heinrich Frank war ein niederländisch-schweizerischer Bankkaufmann deutscher Herkunft. Ihre Mutter Edith Frank hatte bereits 1927 eine Tochter namens Margot geboren. 1933 veränderte sich vieles für die Franks und überhaupt für alle Juden in Deutschland. Als die systematische Ausgrenzung und Verfolgung immer weiter fortschritt, siedelte Otto Frank mit seiner ganzen Familie 1938 in die Niederlande. Als selbst dort die Nationalsozialisten ihre systematische Judenverfolgung verschärften, tauchte die gesamte Familie 1942 unter zusammen mit vier weiteren befreundeten Personen im Hinterhaus eines Gebäudes an der Prinsengracht 263, dem Sitz der Firma von Otto Frank. Sie hatten die feste Hoffnung, so der Judenverfolgung im von den Deutschen besetzten Amsterdam zu entrinnen. Diese „geheim“ wirkende Wohnung war nur durch eine verdeckte Tür hinter einem Büroregal zu erreichen.

Das Tagebuch

Anne begann ihr Tagebuch – sie nannte es liebevoll „Kitty“ – im Juni 1942. Über zwei Jahre hin schrieb sich das junge Mädchen in diesem Tagebuch all das von der Seele, was es erlebte, vermisste, wovon es träumte, was es schmerzlich ersehnte, alle Ängste, aber auch alles alltäglich Stressige und all das, was ein pubertierendes Mädchen beschäftigt und auch nerven kann. Gegen Ende ihrer Gefangenschaft war ihr die Nachricht von der Landung amerikanischer Befreiungstruppen, aber auch ihr sich immer fester verankernder Glaube an Gott eine Hoffnung und ein Halt.

Zusammen mit ihren Mitbewohnern wurde Anne am 4. August 1944 offenbar durch einen Verrat entdeckt und vom Sicherheitsdienst verhaftet. Alle wurden in verschiedene Konzentrationslager gebracht. Ihr Vater Otto Frank war der einzig Überlebende und kümmerte sich später liebevoll um das kostbar menschlich-literarische Erbe seiner Tochter. Anne selbst starb zusammen mit ihrer Schwester Margot an Krankheit und Entkräftung im Frühjahr 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Ihr Erbe

Annes Tagebuch, mittlerweile in mehr als 30 Sprachen erschienen, wurde zu einem der meist gelesenen Bücher weltweit. Das Theaterstück „The Diary of Anne Frank“ hatte 1955 am Broadway Premiere und anschließend in vielen Ländern einen riesigen Erfolg. Das Tagebuch der Anne Frank wurde auch mehrfach verfilmt. Es ist in doppelter Weise ein literarisches Zeugnis von ganz besonderer Bedeutung. Zum einen ist es sowohl ein bewegendes Zeugnis jüdischer Zeitgeschichte, zum anderen ein psychologisch überzeugendes Beispiel dafür, wie eine Heranwachsende gerade in ihrer Reifezeit ein enormes Konfliktpotential erlebt, verarbeitet und auch gestalten kann.

Ihre Botschaft

1960 wurde das ehemalige Versteck der Familie Frank in Amsterdam an der Prinsengracht 263 ein Museum: das „Anne Frank Haus“. Es ist nicht nur ein Ort des Gedenkens an den Holocaust, sondern auch eine internationale Jugend- Bildungsstätte, in der junge Menschen aus der ganzen Welt nach Möglichkeiten suchen können, gemeinsam in Frieden zu leben.

Im Februar 2015 wurden am letzten offiziellen Wohnort der Familie Frank in Amsterdam Stolpersteine für Anne, Margot, Edith und Otto Frank verlegt. Die Botschaft: „Vergiss nie, was du gesehen, gelesen oder gehört hast!“

Stanislaus Klemm, In: Pfarrbriefservice.de

Weitere Materialien

Anne Frank, Mai 1942

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Text: Stanislaus Klemm
In: Pfarrbriefservice.de