Liebe braucht ... Nähe & Distanz

Tipps für gelingende Beziehungen (19)

NÄHE

In den Zeiten der Coronakrise mit dem dauernden „Abstand halten“ spüren wir besonders, wie wichtig Nähe ist. Wenn wir jemand gern haben, möchten wir ihm nahe sein, und die digitalen Möglichkeiten ersetzen die leibhaftige Nähe nur zum Teil. Wir wollen die / den andere/n auch direkt sehen und spüren können. Es geht uns sowohl um die räumliche als auch die emotionale Nähe.

Es geht um Zärtlichkeit, um Kuscheln, um Berührung und es geht um Vertrautheit, um gefühlte Gemeinsamkeit. Das gibt Geborgenheit, das fühlt sich gut an, das tröstet. Von dem lebt die Liebe und das braucht die Liebe, die Liebe zu Freunden, die Liebe zwischen Kindern und Eltern, auch zu Oma und Opa. Und besonders natürlich die Liebe zwischen Partnern.

Es ist gut, wenn wir in der Partnerschaft in vielen Dingen gleich ticken. Aber diese Sehnsucht, die grundsätzlich bei allen Menschen da ist, ist doch unterschiedlich: Der eine braucht mehr Nähe, die andere weniger und zuweilen ist es so, dass dieses Bedürfnis nicht zur gleichen Zeit bei beiden gleich stark da ist. Das ist normal und da heißt es, liebevoll und sensibel mit viel Verständnis mit dem Partner / der Partnerin umzugehen.

... UND DISTANZ

Zu einer gut gelingenden Beziehung braucht es immer auch Distanz. Und das ist kein Zeichen von zu wenig, sondern von richtiger, stabiler Liebe. Auch das haben viele in der Coronakrise lernen müssen. Der Dichter Kahlil Gibran sagt: „Doch lasset Raum zwischen eurem Beieinandersein und lasset Wind und Himmel tanzen zwischen euch.“ Auch wenn das mit dem tanzenden Wind und Himmel zwar schön, aber nicht so einfach ist, so lebt die Liebe ebenfalls von „Zwischenräumen“.

In einer zu engen Wohnung, ohne Ausgangsmöglichkeiten ununterbrochen beisammen sein zu müssen, das belastet uns, das belastet die Beziehung. Bei solcher Nähe kann es dem einen oder der anderen zu eng werden, ab und zu die Luft wegbleiben. Und da kann es auch manchmal zu Ausbrüchen kommen, zu verbalen, aber auch zu gewalttätigen. Das darf nicht sein, das muss man vermeiden. Da könnten Wunden geschlagen werden, körperliche wie seelische, die schwer bis gar nicht mehr heilen können.

Bevor es so weit kommt, muss man sich Möglichkeiten der Distanz suchen, der inneren, aber auch der äußeren, und das mit dem Partner / der Partnerin besprechen, der / die dieses Bedürfnis vom jeweils anderen respektieren muss. Manchmal braucht es eine kurze Zeit ganz für mich. Wenn es geht, auch mit räumlichem Abstand, z. B. frische Luft schnappen. Denn die Liebe braucht eben Nähe und Distanz.

Dr. Luitgard Derschmidt, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Dr. Luitgard Derschmidt
In: Pfarrbriefservice.de