Liebe braucht ... Gespräch & Schweigen

Tipps für gelingende Beziehungen (21)

GESPRÄCH

Gespräche lassen die Beziehung leben. Untersuchungen haben ergeben, dass die Beziehungszufriedenheit stark mit der Gesprächszufriedenheit zusammenhängt. Und zwar nicht mit der Anzahl und der Dauer der Gespräche, sondern mit der Qualität der Gespräche. Es geht also darum, dass wir nicht gegeneinander reden, sondern dass wir miteinander reden und uns bemühen, einander zu verstehen. Wir nehmen uns Zeit füreinander und für unsere Gespräche, auch die Zeit und die Möglichkeit, einander immer wieder neu kennenzulernen. Auch nach langen Ehejahren kenne ich zum Beispiel meinen Mann noch immer nicht ganz und zuweilen bin ich erstaunt, was es da Neues zu entdecken gibt. Selbst wenn wir in bestimmten Situationen oft gar nicht mehr reden müssen, ein Blick genügt und wir wissen beide, was wir denken. Und trotzdem müssen wir einander immer wieder etwas von uns sagen. Was wir aneinander schätzen. Wie ich mich fühle. Wie ich den oder die andere erlebe. Was uns bedrückt. Worüber wir uns freuen.

„Wie soll ich etwas von dir wissen, wenn du es mir nicht sagst?“, sagte schon der alte deutsche Dichter Goethe. Heute hört man so oft z.B. in Filmen: „Wir müssen miteinander reden.“ – und dann reden sie ewig und dabei verschweigen sie einander das Wichtigste und dann kommen die Verwicklungen. Das kann ja für die Spannung in einem Film ganz gut sein, im Zusammenleben bringt das aber nur Schwierigkeiten und Missverständnisse und gerade die sollten wir ja tunlichst vermeiden und daher Klartext reden.

... UND SCHWEIGEN

Auch das Schweigen ist wichtig. Gerade, wenn man durch äußere Umstände, wie Corona, immer eng beisammen ist. Das Schweigen tut zuweilen wohl. Manchmal braucht man einfach für sich selbst eine Ruhepause! Jeder und jede muss schweigen, wenn er oder sie nachdenken und die eigenen Gedanken sammeln will. Auch wenn man etwas letztlich gemeinsam entscheiden muss, so muss ich zunächst wissen, was hätte eigentlich ich gern. Was für mich wichtig ist, das muss ich erst einmal für mich im Schweigen klären, um dann mit dem anderen darüber reden zu können. Im gemeinsamen Gespräch können wir herausfinden, was für uns beide passt.

Es gibt ein Schweigen, das ich für mich brauche, um bei mir zu sein. Es gibt zudem auch ein gemeinsames Schweigen, wo man so sehr fühlt, dass man auf der gleichen Wellenlänge ist, dass man gar nichts mehr sagen muss, wo man sich z.B. an den Händen fasst oder kuschelt und diese Harmonie einfach nur dankbar genießt. Diese Augenblicke kann man nicht planen und machen, aber man kann so miteinander umgehen, dass sie geschehen können, dass sie uns geschenkt werden.

Es gibt aber leider auch ein anderes, ein „böses“ Schweigen. Das braucht die Liebe nicht. Ich ziehe mich von dir zurück, ich sage dir nicht einmal, was mich ärgert, du sollst nur selbst draufkommen. Noch schlimmer, ich freue mich sogar, wenn es dir dabei schlecht geht. Das ist aber nichts anderes als mutwillige Zerstörung unserer Liebe. Das hilft mir nicht. Das hilft dir nicht. So etwas darf es einfach nicht geben, wenn mir / uns unsere Beziehung wichtig ist.

Und es gibt zudem ein wohlwollendes Schweigen: manchmal sich zurückhalten, nicht immer alles sofort dem anderen an den Kopf werfen. Lieber eine bessere Gelegenheit abwarten, bis ich ruhiger bin und der andere das, was ich ihm sagen will, besser nehmen kann.

Dr. Luitgard Derschmidt, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Dr. Luitgard Derschmidt
In: Pfarrbriefservice.de