Liebe braucht ... das Ja & das Nein

Tipps für gelingende Beziehungen (20)

DAS JA

In der ersten Zeit der Verliebtheit möchte man am liebsten immer nur ja sagen. Ja, ja, du und wieder du. Wenn mehr Realität einkehrt, kommt das Ja dann etwas zögerlich. Diese Veränderung wird zunächst als Verlust erlebt. Es ist aber ein Schritt aus dem Taumel der Gefühle in die Realität und zu einer tieferen, reiferen Liebe. Um einen anderen lieben zu können, muss ich zuerst lernen, ja zu mir selbst zu sagen, Eigenständigkeit erreichen. Ich muss bildlich gesprochen aufrecht stehen können, ohne eine Stütze zu benötigen.

Wenn ich den anderen brauche – ich kann ohne dich nicht leben – so ist das Abhängigkeit, nicht Liebe. Wenn ich mich aber entscheide, den anderen zu brauchen, wenn ich bewusst ja zu ihm sage, dann bekommt die Beziehung eine andere Qualität. Ich sage Ja zu unserer Beziehung. Bewusst und entschieden. Dieses Ja muss aber immer wieder geschützt und wiederholt werden, zum Beispiel durch Entscheidungen für den Partner und gegen andere und anderes, durch Entscheidungen zugunsten der Beziehung. Das nennt man Treue. Ohne Treue geht es nicht. Es geht um eine umfassende Treue, denn Treue hält man nicht nur dann, wenn nichts passiert, sondern Treue besteht vor allem dann, wenn etwas passiert ... Wenn man bewusst JA sagt, wenn man sich auch in alltäglichen Kleinigkeiten bewusst für den Partner und für die Beziehung entscheidet, wenn man sich um den Partner und die Beziehung bemüht, etwas dafür tut. Denn: „Von selbst geht es nur bergab.“

... UND DAS NEIN

Wenn es einmal klar ein grundsätzliches JA in Freiheit und nicht in Abhängigkeit gibt, dann braucht jede Beziehung auch immer wieder einmal ein NEIN. Wenn man den anderen oder die andere so sehr braucht, dass man allein nicht leben kann, dann muss man klammern. So sehr, dass es immer enger wird und einem oder beiden buchstäblich die Luft ausgeht. Dann wird notwendigerweise aus dem JA ein NEIN zum anderen, zur Beziehung.

Wenn man jedoch lernt, in Liebe NEIN zu sagen, und der Partner dieses NEIN auch akzeptiert, dann wird die Liebe nicht zu einer Fessel, die einengt. Dann werden die Grenzen des / der anderen respektiert, die jeweiligen Eigenheiten akzeptiert und wertgeschätzt. Um die eigenen Grenzen zu schützen, muss man NEIN sagen können und dürfen. Für alle Menschen gilt: Wenn die eigenen Grenzen verletzt oder nicht respektiert werden, fühlt man sich nicht geliebt, sondern ausgebeutet und benutzt.

Grenzen zu respektieren, ist in Corona-Zeiten besonders schwierig, weil man durch manche Maßnahmen zu besonderer Nähe gezwungen wird und die Luft eng werden kann. Da ist es besonders wichtig, das NEIN zu sagen und zu akzeptieren. Es so zu sagen, dass der / die andere nicht das Gefühl bekommt, es geht die Liebe verloren, sondern gerade um der Liebe willen wird dieses NEIN jetzt nötig und um der Liebe willen wird es angenommen.

Dr. Luitgard Derschmidt, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Dr. Luitgard Derschmidt
In: Pfarrbriefservice.de