Lebenselixier Kirchenmusik

Was bedeutet es für einen Berufsmusiker, Kirchenmusik zu machen? Was zeichnet Kirchenmusik im Unterschied zu weltlicher Musik aus? Und was kann sie leisten? Zu diesen Fragen antwortet Matthias Göttemann, der im evangelischen Dekanat Rügheim in Bayern als Dekanatskantor arbeitet. Er initiierte dort u.a. die erfolgreiche Konzertreihe „Kirchenmusik in den Hassbergen“, leitet den konfessionsverbindenden Chor „Kantorei Hassberge“, den „Gospelchor Hassberge“ sowie den „Musicalchor Junge Stimmen“.

Frage: Was bedeutet Musik für Sie?

Matthias Göttemann: Musik eröffnet den Menschen eine weitere „höhere“ Dimension in ihrem Dasein, ist Ausdruck persönlicher Gefühle und Stimmungen, ist ein verbindendes Medium über viele Grenzen hinweg. Musik kann Balsam für die Seele sein, prägt aber auch Kultur und Kunst…

Frage: Wieso haben Sie sich entschieden, gerade in der Kirche Musik zu machen?

Matthias Göttemann: Als Jugendlicher stand ich vor der Entscheidung, Pianist oder Kirchenmusiker zu werden. Den Ausschlag für Kirchenmusik gab zunächst die Aussicht auf eine sichere Lebensgrundlage in diesem Beruf. Andererseits bin ich von Kindesbeinen an hineingewachsen durch eine christlich musikalische Erziehung und wurde bereits im Alter von 15 Jahren fest angestellter nebenamtlicher Organist.

Frage: Was bedeutet es für Sie, mit so vielen Menschen gemeinsam zu musizieren?

Matthias Göttemann: Während meines Kirchenmusikstudiums war ich immer gleichzeitig als Kirchenmusiker, Chorleiter und Instrumentallehrer aktiv. In dieser fruchtbaren Ergänzung wurde mir zunehmend bewusst, dass meine Begabung nicht nur eine musikalische, sondern auch die Motivationsgabe für viele Menschen in Chor und Orchester ist und auch in den Bereichen des (Konzert-)Managements liegt. Für diese Mischung ist der Beruf des Kirchenmusikers ideal. So ist mit den Jahren die Zusammenarbeit mit meinen verschiedenen Chören in den unterschiedlichsten Bereichen auch für mich ganz persönlich zum Sinn gebenden Lebenselixier geworden.

Frage: Sie sind musikalisch breit aufgestellt. Sie studieren mit der Kantorei klassische Werke ein, den Gospelchor begleitet eine Jazzband, der Musicalchor aus Kindern und Jugendlichen studiert Singspiele zu aktuellen Themen ein. Sie setzen auf Vielfalt. Warum?

Matthias Göttemann: Auch wenn ich nicht in all diesen Bereichen gleichermaßen Experte bin – von Gospel, Pop, Rock oder Musical weiß ich lange nicht soviel wie von klassischer Chorleitung – versuche ich, durch Vielseitigkeit möglichst viele Menschen unterschiedlicher Generationen und gesellschaftlicher Schichten für die Kirchenmusik zu gewinnen, und zwar sowohl als Sängerinnen und Sänger, als auch als Publikum…
Es gibt noch viel mehr Bereiche, die ein Kirchenmusiker bedienen muss. Dabei setze ich allerdings, wie Sie sehen und hören, meinen Schwerpunkt auf die Chöre, also auf die Arbeit mit Menschen….

Frage: Stoßen Sie mit dieser Vielfalt auch auf Widerstand?

Matthias Göttemann: Nicht wegen der Vielfalt, sondern wegen unserer Qualität und unserer Präsenz auf regionaler Ebene werden wir von kleineren lokalen Ensembles oder Chören mit anderen Zielen bisweilen als starke Konkurrenz mit entsprechender emotionaler Reaktion beargwöhnt. Dem daraus resultierenden ablehnenden Verhalten stehen aber in weiten Teilen der Region Haßberge und Steigerwald weit geöffnete Türen und Herzen gegenüber, die meine Chöre und mich mit offenen Armen empfangen.

Frage: Sie studieren mit Ihren Chören auch so genannte weltliche Musik ein. Was unterscheidet Kirchenmusik von weltlicher Musik? Und macht diese Unterscheidung Ihrer Meinung nach Sinn?

Matthias Göttemann: In der Musik verbindet sich seid jeher Weltliches und Geistliches miteinander – z.B. war der bekannte Passionschoral „O Haupt, voll Blut und Wunden“ zuvor ein Liebeslied mit dem Text „Mein G’müt ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart“. In meinen Gospelkonzertprogrammen finden sich auch weltliche Stücke und es tut uns allen gut, mit etwas weltlichem Elan die Kirchenmusik zu beschwingen.

Frage: Kirchenmusik wird ja auch als „Musica sacra“, also als „heilige Musik“ bezeichnet. Was zeichnet diese Art von Musik Ihrer Meinung nach aus?

Matthias Göttemann: Wenn dann diese beschwingte Musik noch beseelt wird und Zuhörer begeistert, dann wird aus bloßer Kirchenmusik heilige Musik. Dabei kann man getrost das Wirken des Heiligen Geistes spüren…

Frage: Wie würden Sie folgenden Satz vervollständigen? Kirchenmusik heute ist …

Matthias Göttemann: … ein kultureller Arm der Kirche und eine Brücke zu Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten, insbesondere zu gebildeten und kritischen Bürgern. Diese Brücke ist keine Einbahnstraße - Kirche geht und wirkt nach außen und die Eingeladenen kommen…

Die Fragen stellte Elfriede Klauer, www.pfarrbriefservice.de.
Weitere Informationen zu Matthias Göttemann unter www.kirchenmusik-hassberge.de.

Verknüpft mit:
Das Schwerpunktthema für November 2010

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Text: Elfriede Klauer
In: Pfarrbriefservice.de