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Leben bedeutet: wählen können – wählen müssen: sich entscheiden!

Hilfestellungen von Diplompsychologe und Theologe Stanislaus Klemm

Das Leben bietet den Menschen vieles an, das sie erst einmal annehmen müssen: das Leben selbst, die Erbanlagen, die Eltern, die Geschwister, die Heimat, die Gesellschaft, diese Zeit.

Der Esel und die Entscheidungen

Leben bedeutet aber auch: wählen können, wählen müssen: die eigene Ausbildung, den eigenen Beruf, die eigenen Freunde, die eigenen Interessen. Wählen heißt dann: sich entscheiden müssen. Viele dieser Entscheidungen lassen sich, ohne große Konsequenzen, eine gewisse Zeit verschieben. Bei grundsätzlichen Entscheidungen bleibt dies nicht ungestraft. Das Leben gliche dann einem Haus, das kein Fundament besitzt. In vielen Situationen des Lebens handeln Menschen wie jener berühmte Esel, der zwischen zwei Heuhaufen verhungert, weil er sich nicht für einen der beiden entscheiden kann. Weil er immer denkt, der eine von beiden sei vielleicht noch etwas größer oder schmackhafter. Auch die Menschen sitzen im Leben oft zwischen zwei Stühlen. Leiden an aufkommenden Kreuz- oder Haltungsschmerzen und bekommen „kein Bein auf den Boden“.

Entscheidungen treffen bedeutet Abschied nehmen und neu beginnen 

Vielfach entscheiden sich die Menschen nicht aus Angst, dabei einen Fehler zu machen. Sie wollen perfekt sein, wollen sich die Finger nicht schmutzig machen am Leben und bleiben daher lieber Zuschauer ihres Lebens. In jeder Entscheidung steckt das Wort „scheiden“. Das heißt: Abschied nehmen. Und das tut in der Regel weh. Nach jedem Abschied kommt jedoch die Chance eines neuen Anfangs. Nach jedem Abbruch erscheint die Möglichkeit eines Aufbruches. Wenn sich Menschen entscheiden, verlieren sie etwas, aber sie gewinnen auch etwas. Sie halten etwas fest und lassen etwas los. Wer bei einer Entscheidung nur gewinnen und nichts verlieren will, der verhindert eine Entscheidung und wird am Ende Verlierer sein.

Entscheidungen im Einklang mit sich selbst treffen

Viele Menschen möchten sich „gut“ entscheiden, aber „gut“ bedeutet für sie leider oft, dass die anderen ihrer Entscheidung zustimmen. Das tut den Menschen nicht immer gut. Denn in erster Linie kommt es auf die Menschen selbst an. Stehen sie selbst hinter ihrer Entscheidung? Ist sie für sie angemessen, hilfreich und verantwortlich? Entscheiden sie sich nach „bestem Wissen und Gewissen“? Können sie Kritik für eine Entscheidung einstecken, die sie für richtig halten und vor der sie sich selbst verantworten können?

Entscheidungen sind umkehrbar

Entscheidungen können auch rückgängig gemacht werden. Grundsätzlich gilt zwar eine alte Lebensregel: „Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen!“ Sollte sich aber herausstellen, dass die Entscheidung „A“ falsch war, ist keiner gezwungen, auf dieser falschen Entscheidung weiter aufzubauen.

Das Leid der Entscheidungslosigkeit 

Manchmal haben Menschen bereits innerlich eine Entscheidung gefällt oder sind sicher, wie ihre Entscheidung ausfallen wird. Dennoch entscheiden sie sich nicht, aus Angst vor Konsequenzen. Sie zelebrieren ein Entscheidungsritual, führen die Entscheidung jedoch nicht richtig aus und handeln nicht. Es gibt keine stärkeren Ketten für die Chancen eigenen Handelns, als die Entscheidungslosigkeit.

Dipl. Psych./Theol. Stanislaus Klemm, In: Pfarrbriefservice.de

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Stanislaus Klemm, Diplompsychologe und Theologe

Stanislaus Klemm, Jahrgang 1943, ist Diplompsychologe und Theologe. Er arbeitete in der Suchttherapie, in der ökumenischen Telefonseelsorge Saar sowie in der Lebensberatung des Bistums Trier in Neunkirchen. Er ist Autor verschiedener Bücher. 

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Text: Dipl. Psych./Theol. Stanislaus Klemm
In: Pfarrbriefservice.de

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